Kultur: Das Kino, eine Liebesgeschichte

Kultur : Das Kino, eine Liebesgeschichte

Die Eifel-Filmbühne Hillesheim besteht seit 75 Jahren als Familienunternehmen. Christine und Günter Runge erzählen die Geschichte.

Mehr als zehn Jahre schon hat sich der Vorhang des Hillesheimer Kinos nicht mehr geöffnet und geschlossen. Die Technik: defekt, der dunkelblaue Samt: fadenscheinig. Doch ist ein neues Exemplar in Auftrag gegeben und wird demnächst installiert. „Ein Vorhang muss sein“, meinen Christine und Günter Runge. Und setzen damit auch ein Zeichen für die Zukunft ihres Kinos. Denn: „Allein der Gedanke, dass sich der Vorhang tatsächlich zum letzten Mal schließen könnte, ist unerträglich“, erklären sie. Dabei hätte ein letzter Vorhang in der 1943 begonnenen Geschichte der „Eifel-Filmbühne“ durchaus hier und da auf der Hand gelegen.

  Die Hillesheimer Kinogeschichte beginnt mit Günter Runges Vater Hans, der 1930 in einem Zimmer der elterlichen Wohnung im Elektrizitätswerk in der Kölner Straße mit dem Bau von Radios die Firma Radio Runge ins Leben ruft. 1936 heiratet er die Hillesheimerin Maria geborene Hutter. Das Paar bekommt vier Kinder, drei Töchter und einen Sohn – Günter, der später die Elektrofirma übernimmt. 1943 gründet Hans Runge im Saal Michels am Viehmarkt ein Kino – für die Menschen aus Hillesheim und Umgebung, die die Wochenschauen sehen und sich mit Unterhaltungsfilmen vom Kriegsgeschehen ablenken wollen, und auch für die Westwallarbeiter. „Mein Vater war ein Technikfreak und liebte Marika Rökk“, so bringt Günter Runge (67) die Motivation seines Vaters zur Gründung eines Kinos augenzwinkernd auf den Punkt. „Und meine Schwiegermutter hat zeitlebens an dem Traum ihres Mannes festgehalten“, so beschreibt Christine Runge (65) deren Durchhaltevermögen auch nach dem frühen Tod von Hans Runge (1965). Für Filme habe sich ihre Schwiegermutter allerdings nicht sonderlich interessiert, räumt die heutige Kinochefin, die seit 1976 mit Günter Runge verheiratet ist, ein. Und zitiert eine typische Frage von Maria Runge nach ihrem endgültigen Rückzug aus dem Kassenhäuschen: „Wie viel hast Du drin?“ Zuschauer sind gemeint.

   Die Frage, das Kino zu schließen oder weiterzuführen, beantworten Christine und Günter Runge Ende der 1980er Jahre mit Ja. „Wir konnten doch den Traum meines Vaters und die Liebesgeschichte meiner Mutter nicht aufgeben“, sagt Günter Runge. Seine Eltern hatten 1949 in der Aachener Straße ein Wohn- und Geschäftshaus und einen Kinosaal mit 330 Plätzen gebaut. Hatten die Blütezeit des Kinos in den 1950er Jahren erlebt; den Besucherrückgang, seit es Fernseher gab; den Niedergang, als Mitte der 1980er Jahre die privaten Fernsehsender und Videotheken Einzug hielten.

   Doch Sohn und Schwiegertochter setzen seit den 1990er Jahren auf neue Filme und neue Spielzeiten, auf neue Bestuhlung und neue Heizung, auf neue Leinwand und neue Projektionsmaschine, auf HiFi-Stereoanlage. Sie betreiben neben dem Elektrogeschäft Filmarbeit mit Kinderkino, Filmreihen, Dokumentar- und Kurzfilmen, rufen Veranstaltungen wie „Kino Vino“ ins Leben, bieten ein Frauenfilmforum und Schulkino an, zeigen fremdsprachige Filme mit deutschen Untertiteln. Seit 1994 erhalten sie vom Land Rheinland-Pfalz, seit 1997 auch vom Bund Jahr für Jahr den Filmtheaterprogrammpreis und werden bei der Umstellung auf Digitaltechnik im Jahr 2011 von Bund und Land finanziell unterstützt.

   „Aber denken Sie nicht, dass das Kino mein Hobby ist“, sagt die Geschäftsfrau Christine Runge. „Das Kino bestimmt unser Leben, es nimmt viel Zeit und Einsatz in Anspruch“, erklärt sie, „und unser Privatleben am Wochenende beschränkt sich seit jeher auf den Sonntagvormittag.“

Das Gründer-Ehepaar Maria und Hans Runge. Foto: TV/Familie Runge
Christine und Günter Runge - hier im Vorführraum ihres Kinos - freuen sich auf das Jubiläum der „Eifel-Filmbühne Hillesheim“. Es wurde vor 75 Jahren von Günter Runges Eltern Hans und Maria gegründet. Foto: Brigitte Bettscheider
Christine und Günter Runge – hier im Vorführraum — freuen sich auf das Jubiläum der „Eifel-Filmbühne Hillesheim“. Es wurde vor 75 Jahren von Günter Runges Eltern Hans und Maria gegründet. Foto: Brigitte Bettscheider

   Seit 75 Jahren gibt es in Hillesheim das Kino der Familie Runge. Das wird gefeiert (siehe Extra). Und vom letzten Vorhang ist keine Rede. „Wir gehen davon aus, dass eines Tages eines unserer Kinder das Kino übernimmt“, sagen Christine und Günter Runge. Ob Hanna (39), Katharina (37) oder Franz (34). Man wird sehen.

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