Das lange Gedächtnis der Eifel

Das lange Gedächtnis der Eifel

In der Eifel gibt es doch Wasser genug, sollte man meinen. Doch Gesteinsabbau, Verschmutzung und Versiegelung hinterlassen auf unser Grund- und Trinkwasser einen bleibenden Eindruck. Das sagt der Geologe Franz May.

Daun. Wie steht es um das Grundwasser in der Eifel? Das war Thema bei einem Vortrag von Franz May in Daun. Der 52-Jährige ist wissenschaftlicher Direktor an der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover und Experte für CO{-2}-Speicherung. Unter anderem hat er sich auch mit der Entstehung von Grundwasser und Mineralwässern in der Eifel beschäftigt.
"In Australien gibt es Grundwasser, das bis zu einer Million Jahre unterwegs war", erklärt May. "In Deutschland gibt es Grundwasser, das einige Tausend Jahre alt ist." Und das Trinkwasser in der Eifel? Auch das ist in der Regel einige Jahre alt, sagt May. "Das erkennt man auch an den Pestizid-Rückständen. Man findet im Wasser kleine Anteile von Mitteln, die seit 20 Jahren und länger verboten sind." Das Grundwasser habe ein langes Gedächtnis, sagt Franz.
Drei Arten von Gesteinen würden die Niederschläge gut filtern und die Bildung von Grundwasser deshalb begünstigen. Die sind in der Eifel nicht überall verbreitet. Alle Orte sind aus diesem Grund auf die Stellen in der Region angewiesen, wo die natürlichen Filter vorkommen. Und die sind gefährdet - durch den Rohstoffabbau, das Einbringen von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln und die Versiegelung von Flächen.
Trinkwasser hat gute Qualität


Aber: "Im Moment ist nicht abzusehen, dass das Wasser zur Neige geht", sagt May. Das hieße aber nicht, dass man unbedarft fördern dürfe. Auch die Mineralwasserhersteller nähmen nicht wenig Wasser weg.
Das Trinkwasser in Deutschland habe übrigens eine sehr gute Qualität. "In anderen Ländern ist die Wasserversorgung in privater Hand. Dort gibt es Gebiete, in denen man nur noch Brauchwasser aus dem Hahn bekommt - und Trinkwasser in Flaschen kaufen muss", erklärt der Geologe - und gibt zu, auch selber gerne Leitungswasser zu trinken.
"Wasser aus Frankreich zu kaufen ist ökologischer Unsinn. Die Qualität ist nicht besser als die aus dem Wasserwerk. Und in den Plastikflaschen sind unter anderem Weichmacher drin, die ins Wasser gelangen können." sen
Extra

Duschen, waschen, kochen, putzen, trinken: Jeden Tag verbraucht jeder von uns 120 Liter Trinkwasser. Zwischen 20 und 40 Liter nutzen wir für die Körperpflege. Fürs Putzen und Geschirrspülen brauchen wir noch einmal 14 Liter. Das meiste schluckt die Toilette: Jeden Tag spülen wir dort 40 Liter runter. Zum Trinken sind es gerade einmal drei. Das ist eigentlich schade. Denn unser Trinkwasser ist ganz besonders sauber und wird von allen Lebensmitteln in Deutschland am meisten kontrolliert. In vielen anderen Ländern ist das nicht so: Dort kann man nicht einfach den Wasserhahn aufdrehen, wenn man Durst hat: Das Wasser, das dort rauskommt, ist viel zu dreckig. sen

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