Das Leben wieder in den Griff bekommen

Das Leben wieder in den Griff bekommen

GEROLSTEIN. Die erste Bilanz des Landesprojektes "Fit für den Job" kann sich sehen lassen: Von den 16 Teilnehmern haben neun eine Ausbildungsstelle und drei einen Arbeitsplatz gefunden.

"Ohne das Projekt hätte ich nur zu Hause 'rumgesessen", meint Stefanie Reinhard aus Oberstadtfeld. Die 18-Jährige hat jetzt eine Ausbildung zur Restaurantfachfrau im Gillenfelder Hof begonnen. Sie sagt: "Das Bewerbertraining war klasse, und ohne die Hilfe der Dekra-Akademie hätte ich die Lehrstelle nicht gefunden." Reinhard hatte im vergangenen Jahr die Hürden des neuen BFS-Systems in Rheinland-Pfalz nicht nehmen können. Um in die BFS II aufzusteigen, hatte die Landesregierung einen Notendurchschnitt von 3,0 angesetzt. "Für Absolventen wie sie hat das Land dann den Bedarf erkannt und reagiert, weil sie auf dem überfüllten Markt keine Chance hatten", erklärt Andre Löffler, Leiter der Dekra-Ausbildungsstätte in Gerolstein.Schneller Erfolg dank unbürokratischer Hilfe

"Fit für den Job" gehört zur Förderung "Neue Chancen 6000+ für jung und alt". Das Projekt wurde gemeinsam mit der Europäischen Union im vergangenen Jahr für Absolventen der neuen Berufsfachschule I (BFS I) geschaffen, die den Sprung in die BFS II nicht schafften. Maximal 1000 BFS-I-ler sollten nach einem Verteilungsschlüssel innerhalb des Landes in diesem Projekt aufgefangen werden. 15 bis 25 Teilnehmer durften es im Kreis Daun sein. Maximale Projektkosten 550 Euro je Teilnehmer je Monat - bezahlt vom Land und dem europäischen Sozialfonds an den Träger. Auf die Schnelle im Sommer 2005 aus dem Boden gestampft, gestaltete sich die Akquisition der Teilnehmer als schwierig. "Mit Hilfe der unbürokratischen Hilfen der Berufsschule, des Jobcenters und der Berufsberatung der Arbeitsagentur haben wir es im Kreis Daun gut gemeistert", berichtet Löffler. Allerdings änderte das Land die Zugangsbestimmung. Löffler: "Wer im Herbst immer noch unversorgt war und einen Hauptschulabschluss hatte, durfte kommen." Gut für Tamara Heinen, eine gebürtige Belgierin. Die 25-Jährige hat über das Landesprojekt einen Job als Küchenhilfe im Hotel "Calluna" gefunden. Rückblickend sagt sie: "Ohne die Maßnahme hätte ich mein Leben weniger gut in den Griff bekommen. Es wurde mir alles ein bisschen zu viel." Der Ortswechsel, der Umzug von der kleinen Wohnung der Mutter in eine eigene, die Jobsuche, die Finanznot. Die Teilnehmer erhalten nämlich über das Projekt kein Geld, lediglich aus anderen Töpfen wie Hartz-IV. Heinen erklärt: "Ich hatte zur Auflage, bis Juni Arbeit zu finden, und ich will jetzt nie mehr in den ALG-II-Bezug rutschen." Mit einer Vermittlungsquote von 75 Prozent zeigen sich die Verantwortlichen sehr zufrieden. Neun Teilnehmer fanden eine Lehrstelle in dem breiten Berufsspektrum als Koch, Fotolaborantin, Bauzeichner oder Bürokauffrau. Dabei wurde auch eine schwer behinderte junge Frau vermittelt. Drei Teilnehmer fanden einen Job (Hotel, Getränkemarkt, Kunststofffabrik). Eine Teilnehmerin brach das Projekt wegen Schwangerschaft ab. "Die drei, die noch nicht untergekommen sind, schweben dennoch nicht im luftleeren Raum. Sie bekommen Hilfe über die Jugendberufshilfe. Konkret ist einer schon in einem Praktikum", erklärt Bildungsbegleiter Carsten Hermes. Vom 28. November 2005 bis 31. Juli hat er das Projekt geleitet. "Dabei wurden die Lücken im schulischen Wissen, vor allem in Deutsch und Mathe, sehr individuell aufgearbeitet und schnellstens die Bewerberaktivitäten verstärkt", sagt Hermes. Das gute Netz zwischen Betrieben und der Dekra-Akademie habe es ermöglicht, dass die Teilnehmer etwa in 30 Firmen Praktika absolvierten. Zusätzlich standen praxisnahe Erfahrungen in den Dekra-Werkstätten auf dem Programm. Ursprünglich war das Projekt "Fit für den Job" nur als "einmalige Sonderförderung" des Landes angedacht. Mittlerweile steht fest, dass es im Herbst eine Neuauflage geben wird. Erneut sollen junge Menschen im Alter von 16 bis 21 Jahren täglich von 8 Uhr bis 16 Uhr "nah am beruflichen Geschehen" auf die Arbeitswelt vorbereitet werden. "Die Nachfassaktionen der Kammern bezüglich der noch offenen Ausbildungsstellen werden abgewartet. Der neue Kurs "Fit für den Job" startet am 1. November", erklärt Löffler. Anmeldungen unter Telefon 06591/981855.

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