Das neue Müllkonzept in der Vulkaneifel ab 2020 und seine Auswirkungen

Abfallentsorgung : TV-Forum in Daun: Vulkaneifeler protestieren gegen neue Müllgebühren

Die zum Jahreswechsel anstehenden Veränderungen in Sachen Abfall treiben die Vulkaneifeler um wie kaum ein anderes Thema. Am Donnerstag, 24. Oktober, haben Bürger im Rahmen eines TV-Forums in Daun die Möglichkeit, unter anderem mit dem Geschäftsführer des Zweckverbands Abfallwirtschaft Region Trier (ART), Maximilian Monzel, über die Neuerungen zu diskutieren.

Über die geplanten Neuerungen bei der Abfallentsorgung wurde in den vergangenen Wochen überall in der Region Trier diskutiert. Was vielen Bürgern sauer aufstößt, ist, dass es durch die Bank höhere Gebühren geben wird. In der Vulkaneifel ist die Aufregung besonders groß wegen der Entscheidung, die seit mehr als 20 Jahren bewährte Biotonne abzuschaffen und die Biotüte einzuführen.

Bei einer Podiumsdiskussion des Trierischen Volksfreunds am Donnerstag, 24. Oktober, im Forum Daun stellt sich ART-Geschäftsführer Maximilian Monzel der Diskussion mit den Bürgern. Die Änderungen in der Abfallentsorgung halten auch die Gemeinden auf Trab. Von der Stimmung in den Orten berichtet an diesem Abend der Ortsbürgermeister von Gillenfeld, Karl-Heinz Schlifter. Kritische Worte zum neuen Müllkonzept findet Hans-Peter Felten (Daun), Mitglied in der Dauner Gruppe des Naturschutzbunds Deutschlands, der ebenfalls auf dem Podium sitzen wird. Den Kreis soll Landrat Heinz-Peter Thiel oder der 1. Beigeordnete Alois Manstein vertreten.

Viel Kritik dreht sich bei dem Thema Abfallentsorgung ab 2020 auch um die sozialen Auswirkungen der Änderungen: Was bedeutet das Müll-Neuland für Pflegebedürftige oder junge Familien mit Babys? Die kommunalpolitischen Befürworter des neuen Konzeptes setzen nach eigenen Worten auf Nachbarschaftshilfe und die Unterstützung durch Pflegedienste. Auch Angehörige sollen, so die Idee, den Biomüll von Menschen ohne Mobilität zu den Sammelstellen bringen. Doch das erscheint vielen als unausgegoren. Kritik ruft zudem die finanzielle Mehrbelastung der Betroffenen hervor.

Maria Kreuser, Leiterin der Caritas-Sozialstation in Daun, findet klare Worte. Sie ist nicht nur beruflich mit dem oft herausfordernden Alltag pflegebedürftiger und immobiler Menschen konfrontiert, sondern ebenso als Angehörige. „Das alles ist überhaupt nicht durchdacht.“ Zum einen könne Nachbarschaftshilfe oder Hilfe durch Angehörige oft gar nicht stattfinden: „In den Dörfern sind viele Nachbarn selbst alt. Sehr häufig leben die Kinder von Pflegebedürftigen weit entfernt. Die ambulanten Pflegedienste können keine Umwege fahren, um den Biomüll wegzubringen, dazu ist die Taktung ihrer Einsätze viel zu eng.“ Es sei eine Zumutung, Leistungen zu erwarten, die von keinem Pflegegrad abgedeckt sind. Doch der rasche Biomüll-Abtransport sei notwendig, denn man könne volle Biotüten nicht eine Woche lang in der Wohnung stehenlassen.

Marion Schneider, Inhaberin eines ambulanten Pflegedienstes in Neroth, schließt kategorisch aus, dass ihre Beschäftigten Abhilfe beim Biotütentransport leisten können: „Wir sind ein Pflegedienst, keine Müllabfuhr!“ Allein die Vorstellung, dass Pflegekräfte, die in ihrer Dienstkleidung zum Beispiel auch Wunden versorgen, in Kontakt mit Bioabfall kommen könnten, hält sie für abwegig: „Ich würde das niemals zulassen, das ist sehr unhygienisch.“

Die geldlichen Aspekte bereiten Manfred Wientgen, Leiter des Pflegestützpunktes Daun-Kelberg, Sorgen. „Mit Beginn des kommenden Jahres werden unsere Mülltonnen von 240 Liter auf 80 Liter reduziert. Schon jetzt kommen inkontinente Bürger und Bürgerinnen oder Eltern mit Kleinkindern mit dem Volumen nicht aus. Bisher konnten sie mit ärztlicher Bescheinigung oder Vorlage des MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen)-Gutachtens zusätzliche kostenlose Müllsäcke von der Kreisverwaltung bekommen. Das wird sich ändern, da die Kreisverwaltung nicht mehr für die Müllabfuhr zuständig ist.“ Seiner Meinung nach findet beim neuen Modell eine Benachteiligung von Menschen mit besonderen Einschränkungen statt, „sei es bei Eltern mit Kindern oder der wachsenden Gruppe von Menschen mit Pflegebedarf“. Nachbarschaftshilfe bei der Müllentsorgung ist aus seiner Sicht keine Option, selbst wenn es mobile Nachbarn gibt: „Das ist doch zumeist auch schambesetzt.“

Wientgen rechnet konkret: Je inkontinentem oder bettlägerigem Erwachsenen fallen mindestens drei Windeln täglich an, was einem Fünf-Liter-Kosmetikeimer entspreche. So summiert sich allein der Windel-Abfall auf 150 Liter monatlich – fast das Doppelte der künftigen grauen Standardtonne. Mehrbedarf müsse extra bezahlt werden und könne nicht mehr durch die relativ unbürokratische Hilfe des Landkreises kompensiert werden. „Wir müssen jetzt recherchieren, ob Erstattungsanträge bei den Krankenkassen möglich sind. Als gesetzliche Leistung ist so etwas jedenfalls nicht vorgesehen.“ Zusätzlich erschwert werde derzeit die Beratungsaufgabe des Pflegestützpunktes im Hinblick auf die Alltagsproblematik Müll: „Uns sagt keiner etwas. Wir wissen nur, dass es bislang keinen Ersatz für die zusätzlichen Säcke gibt.“ Wientgens Einschätzung nach wird der Steuerzahler herangezogen, falls der Landkreis künftig Haushaltsmittel für die Unterstützung der Betroffenen bereitstellt. „Bislang war das ja über das ART-Gebührenaufkommen gedeckt.“

Dass die Änderungen auch denen Sorgen machen, die noch nicht pflegebedürftig oder bettlägerig sind, schildert Gerd Becker. Er ist erster Vorsitzender des Vereins „Bürger für Bürger“, welcher zum Beispiel den Bürgerbus oder andere Hilfestellungen für Ältere organisiert. „Das Konzept der Müllentsorgung ist noch unausgereift“, sagt Becker. „Wir hören von ‚unseren‘ Seniorinnen und Senioren ein großes Unverständnis. Für sie wird die jetzige Lösung eine physische und psychische Belastung darstellen.“

Die Podiumsdiskussion am 24. Oktober im Forum Daun beginnt um 19 Uhr. Der Eintritt ist bei der Veranstaltung des Trierischen Volksfreunds wie immer frei.

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