Das traurige Los der Findelkinder

Daun/Gerolstein · Wie emotionsgeladen und bewegend sind Meldungen von ausgesetzten Kindern, die entweder tot oder in letzter Minute aufgefunden wurden. Immer wieder ist von solch traurigen Nachrichten zu lesen oder zu hören. Doch derartige Berichte sind weder typisch für unsere Zeit noch etwas Neues für die Eifel.

Daun/Gerolstein. Sind auch Hänsel und Gretel oder Kaspar Hauser die bekanntesten ausgesetzten Kinder, so hat es ebenfalls mehrere, aber unbekanntere Kinder auch in der Eifel und im Landkreis Vulkaneifel gegeben. "Findelkind, Fundkind oder Findling" wurden solche armen Wesen genannt, die von ihren Eltern oder der Mutter ausgesetzt wurden.
Babyklappe schon im Mittelalter


In alten Chroniken, Berichten und Namenslisten von Waisenhäusern oder kirchlichen "Findelhäusern" findet sich eine erschreckend hohe Zahl ausgesetzter Säuglinge oder Kleinkinder, die gefunden und in Betreuung aufgenommen wurden. Aber auch zahlreiche Todesfälle solcher meist unehelicher Kinder, deren Mütter nie gefunden wurden, erwecken noch heute Mitleid.
Die heute als Babyklappe bekannte Einrichtung, die es Vätern oder Müttern ermöglicht, ihr Neugeborenes anonym abzugeben, ist keine neue Erfindung. Bereits Papst Innozenz III. verfügte Ende des 12. Jahrhunderts, an den Eingangstoren von Spitälern oder Waisenhäusern "Drehladen" für das geheime Aussetzen von Findelkindern anzubringen - ein wichtiger Beitrag, um die Ermordung unehelich geborener Kinder zu verhindern.
Dorf- geschichte(n)


Das Leben solcher Findelkinder war meist hart und mehr als bedauernswert. Sie hatten keinerlei Rechte, wurden ihr Leben lang als Bastarde oder Hurenkinder beschimpft, konnten selten einen ehrbaren Beruf ergreifen. Das Los von Sklaven, billigen Knechten oder Mägden war ihnen sicher. Glück hatten jene, die in einem Kloster aufwuchsen oder dort bleiben durften. Erst die ab dem 17. Jahrhundert aufkommenden Armen- oder Waisenhäuser boten besseren Schutz und Pflege.
Am 6. Mai 1770 fand sich in Bleckhausen ein neugeborenes Mädchen. Rasch wurde ihm die Nottaufe gespendet, wobei ihm der Name Barbara gegeben wurde, nach Barbara Sungen, die sich als Patin zur Verfügung stellte. Doch das kleine Wesen starb noch am selben Tage und wurde auf dem Friedhof Bleckhausen beigesetzt.
Am 13. September 1781 wurde vor der Kirchentür Rengen ein neugeborenes Findelkind gefunden und am gleichen Tag auf den Namen Anna Maria getauft, nach seiner Taufpatin Anna Maria Schneider, geborene Thul (Pate = Johann Pfeiffer). Als Zunamen gab man ihr den Namen Hilfher (= "Hilf Herr" und "Maria Hilf").
Sie wurde auf Gemeindekosten großgezogen und diente ihr Leben lang als unverheiratete Magd und Viehhüterin. Auch als alte Frau wurde sie nicht im Stich gelassen. Von Haus zu Haus abwechselnd wurde ihr Kost und Logis geboten. Am 13. April 1851 starb Anna Maria Hilf und wurde in Daun beigesetzt, da Rengen damals noch keinen Friedhof besaß. Die Annalen bezeichnen sie als "sehr brav, fromm und gottesfürchtig". Als Erbe hinterließ sie der Gemeinde ersparte 20 Taler, mit denen die Beisetzungskosten und sogar noch ein Vorbau an der Dorfkirche bezahlt wurden.
Großherziger Ziehvater


Am 15. März 1813 gegen 21 Uhr klopfte es in Mehren an der Haustür des reichen Wirts und Gutsbesitzers Jakob Hamann. Als man nachschaute, lag davor ein schreiender, neugeborener Säugling, in schleimig-blutige Stofffetzen gehüllt. Eine Mutter oder die Eltern waren nicht mehr aufzufinden. Es blieb die Vermutung, eine Mutter, die im Tross von Soldaten durch Mehren zog, habe ihn dort ausgesetzt.
Drei Tage später wurde das Kind auf den Namen Johann Josef getauft. Seine Paten waren Josef Thelen und Maria Katharina Alf. Als Familienname erhielt er den adligen Namen "von Mehren".
Unterstützt durch den wohlhabenden Bauern Hamann wuchs Johann Josef von Mehren auf, erlernte den Beruf eines Lehrers, heiratete 1843 Elisabeth Pick aus Esch, wo er als angesehener Lehrer aber sehr früh, am 27. März 1847, in Esch starb.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort