Das Trinkwasser aus dem Brunnen in Birgel ist mit Nitrat belastet

Trinkwasser : Die Suche nach der saubersten Lösung

Damit die nitratbelasteten Brunnen in Birgel am Wassernetz der Verbandsgemeinde Gerolstein angeschlossen bleiben können, wird in Zukunft Trinkwasser aus Hillesheim hinzu gemischt.

Die Brunnen „Im Suhr“ „Hollpütz“ und „Poppental“ weisen im Rohwasser zu hohe Konzentration von Nitrat aus (der TV hatte berichtet). Laut Trinkwasserverordnung ist der Grenzwert von 50 Milligramm je Liter (mg/l) einzuhalten. Messungen aus diesem Jahr ergeben für die Brunnen „Im Suhr“ 48 mg/l, Hollpütz 31mg/l, Poppental liegt bei 45 mg/l. Gesetzlich ist festgeschrieben, dass ab einer Konzentration von 37,5 mg je Liter Gegenmaßnahmen einzuleiten sind.

Seit der Fusion der Verbandsgemeinden Obere Kyll, Hillesheim und Gerolstein im Januar  2019 und dem Zusammenschluss der drei Wasserwerke  liegt das an der Oberen Kyll altbekannte Nitratproblem in Birgel auf dem Tisch der Verbandsgemeindewerke im ehemaligen Bahnhofsgebäude der Brunnenstadt – und wird seitdem offensiv angegangen.

Denn im Rahmen der Neuordnung der Wasserversorgung an der Oberen Kyll könne insbesondere auf den Brunnen „Im Suhr“ nicht verzichtet werden, berichtet Wolfgang Künzer von der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord im Werkausschuss Ende September. Warum, das erklärt Achim Justen vom Ingenieurbüro „Wasser und Boden“ aus Boppard: „Es ist einer der ertragreichsten Brunnen der Vulkaneifel und liefert rund 600 Kubikmeter Wasser pro Tag.“ Mit diesem Ertrag sei der Brunnen für das neue Konzept der Wasserversorgung an der Oberen Kyll immens wichtig: Unter anderem von Birgel aus wird laut Plan Wasser in den bald fertiggestellten Hochbehälter Schüller gepumpt, der die umliegenden Gemeinden in Zukunft versorgen soll.

„Wir hatten im Vorfeld die Aufgabe, zu prüfen, welche Optionen bestehen, das belastete Wasser aus den Birgeler Brunnen mit weniger belastetem Rohwasser zu mischen, damit es nicht nur der Trinkwasserverordnung entspricht, sondern die bestmöglichen Werte erreicht – und woher das Wasser kommen soll“, sagt Werkleiter Harald Brück. Die dafür zu erwartenden Kosten, die Nitratwerte anderer Brunnen und die möglichst schnelle Durchführung der Maßnahmen seien als Kriterien in den Beschluss des Werkausschusses eingeflossen.

„Zur Wahl standen die Zuführung von weiterem Trinkwasser aus dem Hochbehälter Ormont als externe oder aus dem Hochbehälter Hillesheim als interne Lösung“, erläutert Brück. Nach Abwägung aller Vor- und Nachteile habe der Werkausschuss sich dazu entschlossen, eine  Verbindung von Hillesheim nach Birgel herzustellen. „Zum Vergleich“, sagt der Werkleiter: „Eine Leitung vom Hochbehälter Ormont über insgesamt 17,3 Kilometer bis zum Pumpwerk Birgel hätte insgesamt rund 2,6 Millionen Euro gekostet.“ Es wäre zusätzlich ein langfristiger Abnahmevertrag mit den Kommunalen Netzen Eifel (KNE) nötig geworden. „Der Hochbehälter Ormont gibt den Spitzenbedarf von bis zu 1200 Kubikmetern täglich nicht her“, erklärt Brück. „Die KNE hätte im Bedarfsfall Wasser vermutlich aus der Olef-Talsperre nach Ormont umleiten müssen.“

Die zweite Möglichkeit, das Wasser aus dem Hochbehälter Hillesheim zu beziehen, sei nicht nur schneller umsetzbar, sondern für den Endverbraucher wesentlich kostengünstiger. „Die Strecke beträgt lediglich 4,8 Kilometer, das Wasser läuft bis nach Birgel im freien Gefälle“, sagt Harald Brück. Der Werkausschuss beschließt die Maßnahmen einstimmig. Geschätzte Kosten des Vorhabens: „Eine Million Euro, Baubeginn so schnell wie nur machbar“, sagt der Werkleiter. „Ein vorzeitiger Baubeginn ist bereits von der SGD Nord genehmigt, die Trassenführung bedarf nur noch weniger Feinabstimmungen.“

Da der Landesbetrieb Mobilität ohnehin eine Sanierung der B 421 zwischen dem Ortsausgang Birgel und der Abzweigung nach Oberbettingen plane, könnten sich die Werke mit einer entsprechenden Wasserleitung in die Maßnahme einbringen. „Die Neuordnung der Wasserversorgung an der Oberen Kyll schlägt derzeit mit insgesamt 6,2 Millionen Euro zu Buche, die aber vom Land durch zinslose Darlehen und Zuschüsse gefördert wird“, sagt Harald Brück. „Die Leitung von Hillesheim nach Birgel wird zusätzlich eine Million Euro kosten.“ Der Wasserpreis werde sich im Tarifbereich Obere Kyll nach Abschluss aller Maßnahmen von derzeit 1,82 Euro je Kubikmeter Wasser auf voraussichtlich 2,27 Euro erhöhen, heißt es im Ausschuss.

Eine Frage bleibt: Was wird unternommen, um die Nitratbelastung der Birgeler Brunnen zu senken?

„Mich freut der breite politische Konsens in dieser schwierigen Angelegenheit. Immerhin hat der neue Werkausschuss in der erst dritten Sitzung nach der Fusion die Dinge bereits auf den Weg gebracht“, sagt Brück. Es sei damit ein großer Schritt unternommen worden, um die Menge der Nitrate im Trinkwasser der Oberen Kyll in Zukunft im Durchschnitt auf akzeptable 20 mg/l oder weniger abzusenken. „Ebenso erfreulich sind die Signale seitens der Landwirtschaft zu entsprechenden Kooperationen in den Wasserschutzgebieten. Wir stehen hierzu in einem ständigen Austausch mit den Landwirten und dem Bauernverband.“

Trinkwasser darf nicht mit mehr als 50 Milligramm Nitrat je Liter belastet sein. Foto: Oliver Berg

Bitterer Beigeschmack für die Gemeinden, die zukünftig aus Schüller statt aus Ormont mit Wasser versorgt werden: Sie müssen erhöhte Nitratwerte in Kauf nehmen, bis sich die Birgeler Brunnen irgendwann einmal erholt haben werden.

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