Das Warten auf das schnelle Internet

Das Warten auf das schnelle Internet

Während bisher unversorgte Orte wie Demerath und Gefell auf eine Internetversorgung hoffen können, ist die Zufahrt zur Datenautobahn für Kirchweiler und Hinterweiler blockiert. Was für die Orte ärgerlich ist, denn die Voraussetzungen für eine Versorgung der Haushalte bestehen schon länger.

Daun/Mehren/Kirchweiler. "Es ist leichter, den Papst ans Telefon zu bekommen als die Firma Inexio!" Stefan Simon, Ortsbürgermeister von Kirchweiler, macht in der jüngsten Sitzung des VG-Rats Daun seinem Ärger Luft. Das Thema "DSL-Ausbau in der VG Daun" steht auf der Tagesordnung, eine Übersicht liegt vor. Demnach ist der größte Teil der 38 Gemeinden - nach Interpretation des Landes - "ausreichend versorgt". Das heißt, es ist eine Anschlussgeschwindigkeit von mehr als zwei Megabit vorhanden.
Verständnis für den Ärger: Auch in Kirchweiler und in der Nachbargemeinde Hinterweiler wäre eine Versorgung mit schnellem Internet längst möglich. Seit fast zwei Jahren ist in den Orten technisch alles vorbereitet, um die Haushalte anzuschließen. Was aus Sicht des erzürnten Ortsbürgermeisters von Kirchweiler Aufgabe von Inexio wäre. Simon: "Aber es passiert nichts, und bei uns im Dorf gibt es Leute, die von zu Hause arbeiten wollen und dafür eine vernünftige Internetversorgung brauchen. Viele Bürger warten darauf, dass es endlich losgeht."
Thorsten Klein, Geschäftsführer der Firma aus dem Saarland, hat Verständnis für den Ärger des Ortsbürgermeisters, nur: "Wir können allerdings nichts dafür, dass es mit dem Anschluss noch nicht geklappt hat."
Laut Klein haben andere Firmen das Netz in Kirchweiler und Hinterweiler aufgebaut, und "zwei von ihnen sind insolvent." Während der noch laufenden Verfahren seien Inexio derzeit die Hände gebunden, grundsätzlich aber "wollen wir beide Orte gern anschließen und bemühen uns, so schnell wie möglich die Infrastruktur zu übernehmen."

Gemeinde hat Vertragsbedingungen erfüllt: Kirchweilers Bürgermeister steht nicht allein da mit seinem Unmut über das Unternehmen mit Sitz in Saarlouis. Auch in Mehren wartet man darauf, dass Inexio wie vertraglich vereinbart "endlich unser Gewerbegebiet mit schnellem Internet versorgt", sagt Ortsbürgermeister Josef Ring. Auf dem Areal direkt an der Autobahn hat sich ein gutes Dutzend Firmen angesiedelt, die etwa 400 Arbeitsplätze bieten. Die Gemeinde hatte Inexio ein Gelände zur Verfügung gestellt, auf dem ein Technik-Container aufgestellt werden konnte. Dafür solle die Firma das Gewerbegebiet ans Netz anschließen. Lange vereinbart, der Container steht, aber passiert ist bislang nichts. Dass sich die Gemeinde darüber ärgert, ist für den Inexio-Geschäftsführer nachvollziehbar. "Die Vereinbarung ist eindeutig, und wir hoffen, unseren Teil in drei bis vier Monaten erfüllen zu können. Wir gehen auf die Zielgerade", sagt Klein. Aber selbst wenn er die Verpflichtung erfüllt und das Gewerbegebiet anschließt, ist nur ein Problem für Mehren in Sachen Internetversorgung gelöst. Denn die 1500-Einwohner-Gemeinde selbst wird seit vergangenem Jahr überwiegend über die LTE-Technik versorgt. Aber: "LTE ist bei uns dann gut, wenn nur wenige im Internet sind. Sind viele drin, ist leider Schneckentempo angesagt", berichtet der Ortsbürgermeister.

Suche nach Alternativen: Aus seiner Sicht ist die derzeitige Situation "total unbefriedigend. Deshalb müssen wir überlegen, ob es nicht andere Möglichkeiten für eine vernünftige Internetversorgung gibt. Erste Präferenz ist immer noch ein kabelgebundener Anschluss."

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