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Das Weihespiel von St. Christopherus beeindruckte vor 70 Jahren

Geschichte : Ein gelungenes Meisterwerk

Es ist jetzt 70 Jahre her, dass am Weinfelder Maar das Schauspiel vom St. Christopherus aufgeführt wurde. Eine Chronik von 2013 erinnert an das große Ereignis.

„Anno 1951: Wer erinnert sich noch? Vor 70 Jahren fand ein besonderes Schauspiel am Weinfelder Maar statt, von dem man immer noch nicht nur in Schalkenmehren spricht. Denn es ist bis heute einmalig geblieben und in die Geschichte des Neun-Maare-Dorfes eingegangen.

Am Ufer des Totenmaares wurde von der Ortsgemeinde Schalkenmehren mit sehr viel Aufwand vom 19. August bis 2. September jeweils abends um 6 Uhr das Schauspiel, das „Weihespiel von Sankt Christopherus“ von Theodor Seidenfaden aufgeführt. An einem besonderen Ort, Weinfeld, ein Stück Heimat mit Kirche, Friedhof und Totenmaar für die Schalkenmehrener.

Teilweise wird das kulturelle Ereignis noch so romantisch angekündigt und beschrieben. Die damalige Lehrerin Anna-Droste Lehnert (1892 bis 1976), deren Andenken auch das heutige Heimweberei-Museum in der alten Schule bewahrt, hatte mit enormem Zeitaufwand und scheinbar unerschöpflicher Energie jede Rolle einzeln einstudiert und dazu für jede Figur das passende Kostüm entworfen. Ein absolut gelungenes, mühevolles Meisterwerk, wie auch die dargestellten Rollen. Wäre so etwas in der heutigen schnelllebigen Zeit noch möglich, und würde man die „Schauspieler“ noch finden?

So beschreibt es Heinz-Jürgen Rieden in der Chronik des Maardorfes Schalkenmehren von 2013, der auch auf das Umfeld und die Atmosphäre am Totenmaar eingeht. 1951: „Helle Fanfarenstöße durchdringen die sommerliche Abendstille über dem Totenmaar und kündigen den Beginn des einmaligen Schauspiels an. Eine Spielschar in stilvoller Gewandung schreitet in gemessenem Schritt über die Naturbühne am Ostufer des Weinfelder Maares, beobachtet von einer vielhundertköpfigen Zuschauermenge aus Nah und Fern, die sich erwartungsfroh im Gras des ansteigenden Ufers niedergelassen hat. Es ist der 19. August 1951.“

Jeder erlebte das „Open-Air- Schau- und Weihespiel“ auf seine Weise. Die Hauptrolle in dem aufwendigen, spannenden Stück spielt der verstorbene spätere langjährige Schalkenmehrener Ortsbürgermeister Edmund Scholzen (+) nebst dem „Christkind“ Christa Fischer, das er durch die Fluten trägt. Es wird weiter geschwärmt, und Rieden gibt wider: „Die einmalige Naturkulisse des Weinfelder Maares mit dem im Dämmerlicht eines ausklingenden Sommertages im Dunkel versinkenden Mäuseberg, mit der am Ende angestrahlten Weinfelder Kapelle auf der Anhöhe, dazu die musikalische Untermalung des eindringlichen Spiels durch eine Bläsergruppe in einem Boot auf dem Maar, dies alles verfehlte nicht seine Wirkung und schlug die Zuschauer zusätzlich in seinen Bann.“

Die Presse sei voll des Lobes für die gelungene Aufführung der Schalkenmehrener „Schauspielschar“ gewesen und habe die schauspielerische Leistung der einzelnen Laiendarsteller hervorgehoben, die zuvor noch nie eine Bühne betreten hatten.

Auch der bekannte Theaterkritiker, Lehrer Hans Mühlhaus aus Darscheid — wie andere Heimatforscher hat auch er die Saga vom versunkenen Schloss im Totenmaar festgehalten —, habe damals gelobt: „Den Inhalt hatten die Spieler nicht nur erfasst, er hatte sie ergriffen, sie waren von ihm erfüllt, sie besaßen ihn ganz, und daher gelang es wunderbar, ihn weiterzugeben.“

Das Ankündigungsplakat war ausführlich gestaltet, wies auf die Spieldauer von „3 Stunden, den Eintritt von 1,00 DM, die Beleuchtung der Kirche oder gemeinsames Singen hin.“

Ein wirklich ergreifendes Schauspiel am Weinfelder Maar, aber Nikolaus Schommers, 92, sagt: „Zeitzeugen sind nicht mehr anzutreffen, und die damaligen Laienschauspieler sind fast alle tot.“

Aber mit „Christkind“ Christa Fischer, heute in Siegburg und 79 Jahre, das von Edmund Scholzen auf der Schulter durch die Wellen getragen wurde, kann man über das Ereignis noch sprechen.

Und sie sagt: „Wie, das sind schon 70 Jahre her? Ich erinnere mich noch genau, ich war damals acht Jahre alt, das Schauspielen war sehr schön und spannend, und die Zuschauer verfolgten aufmerksam die Auftritte der vielen Schalkenmehrener Aktiven in den besonderer Gewändern.“

 Die Schalkenmehrener Schauspieler sammeln sich in Kostümen zum Abmarsch an die Openair-Bühne Weinfeld. Alle damaligen Akteure, außer dem Christkind Christa Fischer im weißen Kleid, sind schon verstorben. FOTO: BERND SCHLIMPEN
Die Schalkenmehrener Schauspieler sammeln sich in Kostümen zum Abmarsch an die Openair-Bühne Weinfeld. Alle damaligen Akteure, außer dem Christkind Christa Fischer im weißen Kleid, sind schon verstorben. FOTO: BERND SCHLIMPEN Foto: TV/Bernd Schlimpen

Christa Fischer spielte damals mit Edmund Scholzen die Hauptrollen, und das kann man nicht vergessen!