1. Region
  2. Vulkaneifel

Kultur: Dating live für Krimi-Profis

Kultur : Dating live für Krimi-Profis

Das Fachprogramm von „Tatort Eifel“ ist einzigartig. Vor allem die Stoffbörse, bei der Drehbuchautoren wie Robert Hummel mit Entscheidern aus der Film- und Fernsehbranche zusammenkommen, gilt als Karrieresprungbrett.

Letzte Spur Vulkaneifel? Nicht ganz, denn für Robert Hummel, der unter anderem für die ZDF-Serie „Letzte Spur Berlin“ schreibt, ist die Region nicht Ende, sondern Anfang seiner Autorenkarriere. Mit der Branche hatte er als Schauspieler schon zuvor zu tun, aber: „Aus ‚Tatort Eifel‘ resultiert mein erster Auftrag für ein Drehbuch.“ Gemeinsam mit Peter Dommaschk war er in die Eifel gekommen, um einen Workshop zu besuchen.

„Seitdem fahren wir immer wieder nach Daun, haben an der Stoffbörse teilgenommen, lernen Leute kennen, profitieren vom Fachprogramm und genießen die Atmosphäre. Einen besseren Treffpunkt gibt es nicht.“ Das Festival sei für die gesamte Szene eine feste Größe geworden und längst kein Geheimtipp mehr.

Für Hummel, der in Berlin lebt und arbeitet, ist die Eifel eine ideale Kombination aus Entspannung und Beruf. Sein Ritual, wenn er in Daun ist: morgens auf dem Maare-Mosel-Radweg joggen. „Da habe ich schon Rehe gesehen!“, ist der Großstädter begeistert. Gerade die Treffen in dieser Landschaft ermöglichen nach seiner Erfahrung mehr Konzentration, ganz ohne Termindruck. Es sei sehr familiär, unterstützt durch ein effizientes und menschlich angenehmes Organisationsteam. „Auch wenn man wie ich nun schon in der Branche etabliert ist, sind die Begegnungen von Angesicht zu Angesicht, vor allem auch in dieser Umgebung, ganz wichtig für die Qualität der Kontakte und der Arbeit.“

Die Vulkaneifel, die der Meer-Urlaubsfan Hummel ohne „Tatort Eifel“ kaum je kennen gelernt hätte, diente ihm bislang nicht als Schauplatz eigener Krimistoffe.

Und im Hinblick auf die typischen Schmunzelkrimis mit Eifelflair hegt er eine gewisse Skepsis: „Mord ist nie lustig. Und regionale Eigenarten möchte ich nicht ‚verballhornen‘. Aber dass dies ebenso möglich ist wie zum Beispiel meine Art, reale soziale Zustände zu beleuchten, zeigt doch nur den großen Pluralismus im Krimigenre, und das ist gut so.“

Auch andere Themen der Stoffbörse von „Tatort Eifel“, zu der es in dieser Auflage fünfzig Einsendungen unter anderem von professionellen Schreibern oder Filmhochschulstudierenden gab, wurden bislang nicht verfilmt, wie Julia Röskau, im Orgateam für das Fachprogramm zuständig, verrät.

Sie erklärt, warum: „Anfangs war die Nachwuchsförderung das Ziel und es gab Geldpreise für die besten Stoffe. Doch die Autoren waren im Weiteren sich selbst überlassen, die Stoffe wurden so nicht marktreif. Jetzt gibt es statt Geld eine hochkarätige dramaturgische Beratung und Coaching der Drehbuchautoren, um die Stoffe weiterzuentwickeln. Spätere Gewinner wurden bereits unter Vertrag genommen, aber ihre Bücher noch nicht zur Produktion freigegeben.“ Mit Hilfe von Drehbuchexpertin Sibylle Kurz werden die Ideen so optimiert, dass sie beim so genannten Pitching mit den Produzenten chancenreich sind.

Laut Röskau ist erkennbar, dass der frühere Trend „Crime & Smile“ mehr und mehr der Vergangenheit angehört und die Autoren eher eine naturalistische oder realistische Erzählweise bevorzugen.

„Natürlich gibt es insgesamt einen immer größeren Trend zur Serie, vor allem auch zur Miniserie, als zum Einzelstück. Das Thema ‚Multikulti‘ oder Ermittler mit Migrationshintergrund lässt sich schon länger als Trend erkennen und ist auch in diesem Jahr wieder vertreten.“