Daumen runter: Jugend kritisiert Kreispolitik

Daumen runter: Jugend kritisiert Kreispolitik

Die jungen Besucher des Hauses der Jugend in Hillesheim sind stinksauer, dass der Kreis dem Jugendpfleger neue Aufgaben gegeben hat und er sich somit kaum noch um die Betreuung der Jugendlichen kümmern kann. Und sie haben Angst, dass das erst der Anfang war.

Hillesheim. "Der Artikel im TV war ein Schock, die Nachricht hat uns völlig unerwartet getroffen. Wir haben alle gedacht: Das kann doch nicht wahr sein." Mit diesen Worten umschreibt Julia Winkgens (17) aus Hillesheim die erste Reaktion auf die Nachricht, dass Kreisjugendpfleger Kurt Laux seit dem 1. Juli mit einer halben Stelle mit Vormund- und Pflegschaften des Jugendamts beschäftigt ist und daher die Betreuung der Jugendgruppen im Kreis zurückfahren muss (der TV berichtete).
Laux hatte die Hillesheimer Jugendlichen sowie VG-Jugendpflegerin Rita Blum sehr beim Aufbau des neuen Jugendzentrums in Hillesheim nach dem Umzug ins ehemalige Tennishaus am Sportplatz unterstützt - und auch bei der aufwendigen Renovierung mit seiner Erfahrung zur Seite gestanden. "Er hat uns beispielsweise auf die Idee gebracht, beim Weihnachtsmarkt einen Stand zu machen, um auf uns und unser Projekt aufmerksam zu machen und mit Hilfe einer Verlosung Sponsoren zu gewinnen", berichtet Alina Feltges (19) aus Bolsdorf. Mit Erfolg: Nicht zuletzt dank privater Geldgeber und der tatkräftigen Unterstützung von Interessierten - und viel Eigenleistung der Jugendlichen selbst - ist in den vergangenen Monaten das Dach des in die Jahre gekommenen Gebäudes erneuert worden. "Und Kurt war es auch, der uns vorgeschlagen hat, einen Kurzfilm über unser Projekt zu machen, den wir dann im Hillesheimer Kino zeigen wollen", fügt Marie-Louise Seelig (18) aus Hillesheim hinzu. Und nun steht derjenige, der über das technische Wissen in Sachen Filmproduktion verfügt, nicht mehr zur Verfügung. "Aber es ist ja nicht nur das, worauf wir verzichten müssen. Seine ganze Erfahrung fehlt uns. Wir sehen seine Stellenkürzung sehr kritisch", sagt Anna Müller (17) aus Niederbettingen.
"Was wird nun aus den Ferienfreizeiten, den Jugendleiterschulungen, den Jugendmedienwochen und, und, und?", fragen die Jugendlichen besorgt.
Angelina Hergert (18) spricht das aus, was auch viele andere der rund 15 Jugendlichen denken, die regelmäßig das Haus der Jugend in Hillesheim besuchen: "Wenn jetzt schon beim Kreisjugendpfleger, also dem obersten Jugendpfleger, gespart wird, dann geht das doch bestimmt auch hier bald weiter." "Und dann ist all das, was wir in den vergangenen dreieinhalb Jahren hier aufgebaut haben, bald vorbei", sagt Andreas Gitschik (17) aus Walsdorf und fügt hinzu:"Die Leute, die das entschieden haben, wissen gar nicht, was sie damit anrichten."
Schließlich sei das Jugendhaus so etwas wie eine zweite Heimat für die Heranwachsenden geworden. Die Zeiten des Abhängens am Busbahnhof oder sonst wo seien vorbei. "Hier ist es einfach schön, wir sind wie eine große Familie und bauen einfach weniger Scheiß", sagt Alina, die ebenso wie ihre Freundinnen und Freunde stolz aus das ist, was sie aufgebaut hat.
Daher wollen sie auch dafür kämpfen, dass sich Kurt Laux künftig wieder um die Belange der Jugend im Kreis kümmern kann. "Wir werden den neuen Landrat darauf ansprechen. Und natürlich sind alle, die das zu entscheiden haben, gerne zu uns eingeladen, damit sie sehen können, was entstehen kann, wenn die Jugend Unterstützung erhält", sagt Julia und reicht noch ein paar der Waffeln, die die Jugendlichen kurz zuvor gebacken haben.Meinung

Unterstützung zahlt sich aus
Seit mehr als einem halben Jahr kann sich der Kreisjugendpfleger Kurt Laux nur noch mit seiner halben Arbeitskraft um die Jugend im Kreis kümmern, da er mit anderen Aufgaben betraut worden ist. Und es zeigt sich schon jetzt, dass die Verlautbarung des Kreises, die Beratung von Gemeinden und Jugendgruppen werde von der Kürzung nicht betroffen sein, falsch ist. Nicht nur die Hillesheimer Jugend kann davon ein Klagelied singen. Dabei zeigt sich gerade in Hillesheim, was entstehen kann, wenn den Heranwachsenden die Unterstützung gegeben wird, die sie eben noch ab und zu benötigen: ein größtenteils von eigener Hand sanierter Jugendtreff mit vielfältigen Aktivitäten, der sogar Teenager erreicht, die ansonsten nur draußen rumhängen würden. Jeder Euro, der in solch eine Arbeit investiert wird, zahlt sich doppelt und dreifach aus. Mindestens. m.huebner@volksfreund.de