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Dauner Krammarkt kann nicht wie geplant stattfinden

Wirtschaft in der Corona-Krise : Krammarkt in Daun wegen Landesverordnung vorerst gekippt

Dauns für vergangenen Mittwoch angekündigter Krammarkt musste ausfallen. Der Grund: eine Verordnung des Landesgesundheitsministeriums. Die Marktleute sind verwundert.

Spezialmärkte bergen Gefahren, die globale Ausmaße annehmen können. Dies ist die Lektion, die seit Covid-19 mutmaßlich vom Wildtiermarkt in Wuhan ausgeht und die sich bis ins traditionelle Geschehen einer Eifeler Kreisstadt auswirkt.

Doch statt Schuppentiere oder Schlangen sind in Daun üblicherweise Badeschwämme die exotischsten Tiere, die an den Ständen neben anderen Dingen des täglichen Gebrauchs wie Haushaltswaren, Kleidung, Gewürze, Gemüsehobel oder Eisenwaren angeboten werden. Kurzum: das übliche Sortiment, das im Prinzip auch im längst wieder offenen stationären Handel zu haben ist, nur mit dem zusätzlichen Flair einer urigen Outdoor-Veranstaltung.

„Das hat für die Stadt Erlebnisqualität und ist ein Teil des Marketings, um die Innenstadt attraktiv zu halten“, erläutert Marktmeister Dieter Wilhelm die Bedeutung der Traditionsveranstaltung, die – angesichts weitgehender Lockerungen des coronabedingten Lockdowns – am 13. Mai in Daun stattfinden sollte und extrem kurzfristig abgesagt werden musste. „Wir verstehen das nicht, denn die Abstands- und Hygieneauflagen sind durchaus erfüllbar.“

Benjamin Duckart vom Ordnungsamt der Verbandsgemeinde Daun und Günter Willems vom Ordnungsamt der Kreisverwaltung Vulkaneifel verweisen beide darauf, dass etwas fehlt: ein Ermessensspielraum.

„Gemäß der sechsten Corona-Bekämpfungsverordnung vom 8. Mai, die vom Landesgesundheitsministerium erlassen wurde, gelten Krammärkte als Spezialmärkte und sind noch bis zum 27. Mai verboten. Zugelassen sind lediglich Wochenmärkte und mobile Verkaufsstände des Einzelhandels, die Lebensmittel verkaufen“, schildern sie die eindeutige Rechtslage.

Spezialmärkte jedoch bleiben bis dahin ebenso geschlossen wie Bordelle, Diskotheken oder Spielcasinos. Derlei Umtriebe gehören nicht zum Portfolio des seit dem 14. Jahrhundert bestehenden Dauner Krammarktes, zudem findet der unter freiem Himmel statt.

Dennoch bestätigt eine Pressesprecherin des Mainzer Gesundheitsministeriums telefonisch auf TV-Nachfrage, dass Krammärkte als Spezialmärkte gelten und dass die Ordnungsämter vor Ort keinen Ermessensspielraum haben. „Wir können nicht alles sofort öffnen“, so die Begründung. „Die Wochenmärkte hingegen sind und waren als Teil der Versorgung des täglichen Bedarfs mit Frischeprodukten von der Schließung nicht betroffen.“

Gerd Esch, der Marktveranstalter, schildert den Unmut über die rheinland-pfälzische Lesart von Krammärkten. „Im Saarland ist der Verkauf von Textilien auf Wochenmärkten oder dem Monatsmarkt in Neunkirchen erlaubt. Rheinland-Pfälzische Markthändler sind auch im Saarland tätig und wundern sich. Das Kopfschütteln über die Auslegung der Vorgaben ist verständlich.

Was unterscheidet ein Verkaufsstand mit Textilien von einem Obststand? Zu einer logischen Antwort war bisher kein Entscheidungsträger bereit oder in der Lage.“ Er fürchtet, dass die von der Krise hart betroffenen Marktkaufleute von radikalen Gruppierungen angesprochen werden.

„Solche Kreise wären als sogenannte Retter der traditionellen Krammärkte für die Sache unseres Berufsstandes eher kontraproduktiv.“ Es eilt, schreibt er. Landtagsabgeordneter Gordon Schnieder will sich der Sache annehmen und klären, unter welchen Voraussetzungen genau ein Krammarkt stattfinden kann.