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Dauner Stadtrat diskutiert Fotovoltaikanlage im Industriegebiet Pützborn

Dauner Stadtrat diskutiert Fotovoltaikanlage im Industriegebiet Pützborn

Eine RWE-Tochter will eine Fotovoltaikanlage auf städtischem Gelände im Industriegebiet Pützborn bauen. Die Stadt Daun könnte das Areal verpachten oder sich an der Anlage beteiligen. Das letzte Wort hat nun der Stadtrat.

Wer wie die Stadt Daun gut 22 Millionen Euro Schulden hat, muss - wohl oder übel - empfänglich sein für Vorschläge, wie mehr Geld in die Kasse kommen könnte. Wie wäre es zum Beispiel mit Sonnenstrom als Einnahmequelle? Genau das schlägt die Firma Innogy, Tochtergesellschaft des Energiekonzerns RWE, vor. Sie will eine sogenannte Freiflächen-Fotovoltaikanlage bauen. Das Unternehmen hat sich mögliche Standorte in der Verbandsgemeinde Daun angeschaut und ist dabei auf ein Gelände im Industriegebiet Pützborn gestoßen. Es liegt auf der Gemarkung des Stadtteils Neunkirchen, gegenüber der Halle der Firma Getränke Scheid.
Das Areal ist 1,2 Hektar groß (etwa das Anderthalbfache eines Sportplatzes), rund 3400 Solar-Module hätten dort Platz. Zum Vergleich: Die 2012 in Betrieb genommene Fotovoltaikanlage im Industriegebiet Gillenfeld/Ellscheid ist rund zehn Hektar groß. Sie ist von einem Privatunternehmen gebaut worden, gehört aber seit 2013 den beiden Gemeinden.

In Üdersdorf gibt es seit diesem Jahr einen Solarpark, betrieben von der WES Green GmbH aus Trier.
Warum ist eine relativ kleine Anlage interessant für Innogy? Seit Jahresbeginn erhalten Fotovoltaikanlagen grundsätzlich nur noch eine Vergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz, wenn sie erfolgreich an Ausschreibungen teilnehmen.

Ausgenommen sind Anlagen mit einer installierten Leistung bis 750 Kilowattpeak (kWp, Erläuterung siehe Extra), wie sie auch in Daun entstehen könnte. Zudem ist keine große Erschließung nötig. Die Zustimmung der Stadt vorausgesetzt, könnte laut Innogoy die Anlage Anfang 2018 in Betrieb gehen.

Wie könnte die Stadt von der Anlage profitieren? Innogy hat angeboten, die der Stadt gehörende Fläche zu pachten. Einnahme: 2500 Euro jährlich. Aber es gäbe auch die Möglichkeit, dass sich die Stadt an der Anlage mit 74,9 Prozent beteiligen würde. Kostenpunkt: rund 475 000 Euro. Einer Modellrechnung von Innogy zufolge könnte die Stadt bei einer Anlagenlaufzeit von 20 Jahren mit einem Ertrag von 130 000 Euro rechnen.

Wer entscheidet, ob die Anlage gebaut wird oder nicht? Das letzte Wort hat der Stadtrat, ob er grundsätzlich bereit ist, dem Vorhaben zuzustimmen. Die Frage, die sich laut Stadtbürgermeister Martin Robrecht stellt: "Wollen wir den Spatz in der Hand oder die Taube auf dem Dach?"

Will heißen: "Spatz in der Hand" wäre eine sichere Pachteinnahme für die Stadt, wenn Innogy die Anlage baut. "Taube auf dem Dach" würde bedeuten, dass die Stadt weiter eine Gewerbefläche in Reserve hat, sollte sich ein Unternehmen für eine Ansiedlung in Pützborn interessieren. Er stellt aber auch klar: Eine finanzielle Beteiligung der Stadt an dem Vorhaben "ist illusorisch, angesichts von 22 Millionen Euro Schulden wird die Aufsichtsbehörde wohl kaum mitspielen".

Meinung: Das Geschäft lohnt sich für Daun nicht
Bekanntlich kann die traditionell klamme Stadt Daun jeden Euro auf der Einnahmenseite gut gebrauchen. Sollte sie deswegen aber einen Vertrag auf mindestens 20 Jahre abschließen, der gerade mal etwas mehr als 200 Euro monatlich einbringt? Eher nicht. Das lohnt sich einfach nicht! Angesichts dieser überschaubaren Summe, die die Finanznot wirklich nicht lindert, ist es zu vertreten, dass die Stadt die Fläche weiter in Reserve hält. s.sartoris@volksfreund.de

Extra: Kilowattpeak, Kilowattstunden und Fotovoltaik
Die Spitzenleistung von Fotovoltaik-Modulen wird in der Einheit Kilowattpeak (kWp) angegeben. Pro Kilowattpeak rechnet man in Deutschland mit einer Stromerzeugung von durchschnittlich 800 bis 1000 Kilowattstunden pro Jahr. Die tatsächliche Leistung einer Fotovoltaikanlage wird in kW (Kilowatt) gemessen. Die Leistung von Anlagen ändert sich, weil sie vom Wetter und vom Einfallswinkel des Sonnenlichts abhängt. Nicht zu verwechseln mit der Leistung ist der Ertrag der Fotovoltaikanlage, der in Kilowattstunden angegeben wird. Hier wird meist der Ertrag pro Jahr angegeben, damit jeder Monat in die Berechnung eingeht.