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Dauner Tafel kümmert sich kreisweit auch um Asylsuchende

Dauner Tafel kümmert sich kreisweit auch um Asylsuchende

Die Dauner Tafel ist ein wichtiger Anlaufpunkt für Menschen, denen es am Nötigsten fehlt, nämlich an Lebensmitteln. Rund ein Drittel der Kunden sind mittlerweile Asylsuchende aus dem gesamten Landkreis Vulkaneifel.

Donnerstagmorgen in der Mariahilfstraße: Vor der Dauner Tafel warten Menschen, drinnen werden sie registriert, erhalten eine Nummer, warten, bis sie aufgerufen werden und kaufen dann ihre Lebensmittel ein. Für alle gilt: Ihnen fehlt das Geld, um in normalen Geschäften einzukaufen. Die Gründe: Mal ist die Rente zu klein, mal die Grundsicherung, oder das Arbeitslosengeld reicht nicht.

Mittlerweile ist auch die Zahl der Asylsuchenden im Kreis gestiegen. Rund 280 der 870 Tafel-Kunden sind laut aktueller Statistik Flüchtlinge."Es gab bisher keine größeren Probleme, obwohl sich einige der Altkunden vielleicht manchmal zurückgesetzt fühlen, weil wir uns den Flüchtlingen wegen der Sprachprobleme ab und zu intensiv zuwenden, da wir ihnen genau erklären müssen, was in den Regalen liegt ", stellt Bernd Liebler fest. Er ist einer der rund 60 ehrenamtlichen Tafel-Mitarbeiter.

"Wir behandeln alle gleich", betont Tafel-Leiterin Karin Knötgen, vom Caritasverband. "Es gibt ein Rotationsprinzip, damit nicht immer dieselben Leute als erste drankommen, und im Ausgaberaum gibt es eine feste Zahl von Kisten für die Kunden. Wenn die ausgegeben sind, müssen die anderen warten, bis wieder eine frei ist", erklärt Knötgen.
Ein Problem sehen Knötgen und Liebler aber: "Wir brauchen mehr Ware." Vor allem haltbare Lebensmittel - von Nudeln über Reis bis hin zu Konserven. Außerdem seien viele Supermärkte dazu übergegangen, Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum kurz bevorstehe, einfach billiger zu verkaufen. Grundsätzlich funktioniere aber die Zusammenarbeit mit den Supermärkten und den anderen Zulieferern gut, betonen beide.

Trotz des großen Andrangs, der jeden Donnerstag bei der Dauner Tafel herrscht, sieht Karin Knötgen keine Möglichkeit, die Ausgabezeiten zu verlängern: "Dazu müsste es mehr Lebensmittel geben, und unsere Ehrenamtlichen leisten jetzt schon pro Woche rund 150 Stunden Arbeit - vom Abholen der Lebensmittel, über das Sortieren bis zur Ausgabe."
Vor der Tafel stehen immer auch wieder Kunden in kleinen Gruppen zusammen - und unterhalten sich. "Wir wollen das", sagt Knötgen und erklärt: "Es ist erwiesen, dass Armut einsam macht. Hier haben alle eine Möglichkeit der Begegnung."

Tafel-Helferin Rita Schmaus, die zugleich das montägliche Café Asyl im Haus der Jugend in Daun leitet, fände es aus diesem Grund noch besser, wenn es einen weiteren Raum im Tafel-Laden geben würde - wo sich die Kunden noch bei einer Tasse Kaffee austauschen könnten. Die Idee eines Aufenthaltsraums als Treffpunkt finden auch einige der Kunden gut - so Mustafa Issa aus Syrien und Jamshid Emami aus dem Iran. Issa stellt fest: "Die Tafel ist für uns alle - besonders die Neuen - auch ein wichtiger Treffpunkt." Das Angebot der Lebensmittel sowie die Hilfsbereitschaft der Tafel-Mitarbeiter finden sie ohnehin "sehr gut".Extra

…ZUR TAFEL:Mustafa Issa (35; Moslem) aus Syrien: "Ich lebe seit zehn Monaten mit meiner Tochter (5) und meinem Sohn (8) in Uersfeld, und wir freuen uns jeden Donnerstag aufs Neue über das Angebot der Tafel, in der wir auch als Muslime alles finden, was wir brauchen und auch essen dürfen. Und die Tafel-Mitarbeiter sind alle sehr nett und hilfsbereit. Es wird nur immer enger, da immer mehr Menschen kommen." Jamshid Emami (43; Christ) aus dem Iran, der seit sechs Jahren in Deutschland lebt: "Ich gehe schon lange zur Tafel. Hier bekomme ich gute und gesunde Nahrung. Außerdem ist es - vor allem für Neuankömmlinge - ein guter Treffpunkt, wo man sich unterhalten kann und einem weitergeholfen wird." Layna Rezai (40, Muslima) aus Afghanistan, die seit vier Jahren in Deutschland lebt und zwei Töchter (15 und 13 Jahre) hat: "Das Essen hier ist sehr gut, man bekommt alles: von Gemüse über Brot bis hin zu Süßigkeiten, die besonders meine Töchter lieben. … ZUM TERROR IN EUROPA:Jamshid Emami (43) aus dem Iran: "Zu den vielen Toten in Paris kann ich nur sagen: mein Beileid! Ich denke, in Europa und auch in Deutschland müssen Kontrollen verschärft, Sicherheit verstärkt werden." Mustafa Issa (35) aus Syrien: "Die vielen Opfer, schrecklich. Das ist genau das, was wir in unserer Heimat erlebt haben - sogar noch schlimmer. Ich habe meine Frau in Syrien verloren, die Wohnung ist zerstört, die Kinder haben dort keine Zukunft." Er sieht das Problem, dass Leute nach Deutschland kommen, die vorgeben, aus Syrien zu kommen, was aber nicht stimme. "Vor diesen Leuten habe ich Angst." Er selbst habe in Deutschland bislang aber noch keine Feindseligkeit gespürt. mhExtra

Die Dauner Tafel ist am 25. Oktober 2007 eingesegnet und am 28. Oktober der Öffentlichkeit präsentiert worden. Die erste Lebensmittelausgabe war am 8. November 2007. Benachteiligte aus dem Landkreis Vulkaneifel erhalten einmal in der Woche ein kostenloses Lebensmittelpaket. Dafür sorgen Sponsoren, Spender, Fördermitglieder und ein Heer von Ehrenamtlichen. Anspruchsberechtigt sind Personen mit geringem Einkommen (Arbeitslosengeld-II-Empfänger sowie Berufstätige und Rentner, deren Einkommen nicht höher ist als Sozialleistungen plus 20 Prozent). 64 Frauen und Männer sind als Ehrenamtliche durchschnittlich dort tätig. Zurzeit sind 372 Berechtigungsscheine ausgestellt. aix