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Dauner wollen Einkaufsportal starten.

Wirtschaft : Vor dem „kleinen Amazon“ stehen noch viele Hürden

Wie kann der Einzelhandel in der Region trotz Internet-Konkurrenz gestärkt werden? In Daun gibt es Überlegungen, ein eigenes Online-Portal an den Start zu bringen.

Zalando, Amazon und Ebay: Die großen Online-Einkaufsportale mit ihren Milliardenumsätzen sind für viele Einzelhändler eine immer größer werdende Bedrohung. „Das Kaufverhalten hat sich stark geändert, die Kundenfrequenz in der Stadt ist gesunken, an mehr Präsenz im Internet führt also auch für uns kein Weg vorbei,“ sagt Stefanie Mayer-Augarde, Vorsitzende des Gewerbe- und Verkehrsvereins (GVV) Daun. Aber wie kann sich der regionale Einzelhandel auf den digitalen Wandel einstellen? 

Dazu hat man sich im nordrhein-westfälischen Siegen umgeschaut. Dort gibt es seit 2016 das Onlinekaufhaus Lokaso, an dem sich der GVV orientieren will, wenn es gelingt, ein „kleines Amazon“ in der Kreisstadt zu etablieren. „Wer in Siegen am Vormittag in einem teilnehmenden Geschäft etwas bestellt, bekommt es in der Regel am selben Tag geliefert“, berichtet Marina Stolz, die stellvertretende GVV-Vorsitzende. Große Umsätze wären in Daun nicht zu erwarten, „aber wir könnten so die Einkaufsstadt sicher aufwerten.“

Marina Stolz ist begeistert von dem, was sie in Siegen erfahren hat, weiß aber auch, dass in Daun noch viele hohe Hürden zu nehmen sind. So sind eine Betreibergesellschaft und Startkapital erforderlich, „was der GVV selbst nicht leisten kann“, stellt auch die Vorsitzende Stefanie Mayer-Augarde klar. Sie schätzt, dass es „mindestens gut ein Jahr dauern würde, bis Daun  mit einem eigenen Online-Portal vertreten sein könnte.“

„Das Thema Digitalisierung ist wichtig, aber wir sind noch nicht weit genug, das zu nutzen“, sagt der Vorsitzende des Gewerbevereins Gerolstein, Hans-Hermann Grewe. „Wir denken seit drei Jahren darüber nach, wie das gehen soll, aber es ist technisch zu schwierig.“ Das Internet wirke sich vor allem bei den Kleinbetrieben negativ aus, „aber wir haben noch keine akzeptable Lösung gefunden“.

In Hillesheim ist über das Thema schon diskutiert worden, sagt der Mann an der Spitze des Gewerbevereins, Rainer Ballmann. „Wir haben hier auch einzelne Gewerbetreibende, die schon übers Internet ihre Waren verkaufen.“ Auch bei der Interessengemeinschaft Jünkerath arbeitet man am digitalen Geschäft. „Amazon ist keine Stadt“, sagt der Vorsitzende, Otto-Christoph Spodat aus Stadtkyll. „Überlegungen dazu müssen einfach sein, und wir versuchen hier auch den einzelnen Unternehmen zu vermitteln, wie der Verkauf online funktioniert.“

Nun kommt auf Einladung der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Vulkaneifel (WFG) Professor Thomas Ritz von der Fachhochschule Aachen nach Daun, um in einem Vortrag den Unternehmen zu erläutern, dass Digitalisierung kein primär technisches Thema ist. Er spricht über Fragen wie: Welche Möglichkeiten und Chancen bieten die neuen Technologien den regionalen Unternehmen? Wie stellt sich der regionale Einzelhandel auf den digitalen Wandel ein? Wer unterstützt Unternehmen im Themenfeld Digitalisierung? Was bedeutet Digitalisierung für mich und meinen Betrieb?

„Uns geht es darum, Kontakt herzustellen und Denkanstöße zu geben zum Thema Digitalisierung, das ja in aller Munde ist und ein enormes Zukunftspotential in der Region darstellt“, sagt Judith Klassmann-Laux, Geschäftsführerin der WFG Vulkaneifel. „Ich habe Professor Ritz bei einer anderen Veranstaltung kennen gelernt, er ist ein sehr handels- und praxisorientierter Mensch.“ Bei dem Vortrag sollen Gewerbetreibende erkennen können, dass man auch mit Kleinigkeiten was verändern kann. Beispielsweise könnten Kunden sich im Fachhandel übers Internet die Waren anschauen, die im Betrieb nicht vorrätig sind, aber schnellstens bestellt werden könnten. Und gleichzeitig habe man auch noch eine Fachberatung dazu, sagt Klassmann-Laux.