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Geschichte
Dem Erdboden gleich

 Nur noch ein Schuttberg ist übrig vom „Schlömer-Haus“ beim Treffen mit (von links) Reiner Roos, Rainer Berlingen, Anita Adams, Erwin Görgen und Eugen Bost.
Nur noch ein Schuttberg ist übrig vom „Schlömer-Haus“ beim Treffen mit (von links) Reiner Roos, Rainer Berlingen, Anita Adams, Erwin Görgen und Eugen Bost. FOTO: TV / Brigitte Bettscheider
Kirchweiler. Das traditionsreiche „Schlömer-Haus“ in Kirchweiler steht nicht mehr. Seine Geschichte aber ist festgehalten. Von Brigitte Bettscheider

„Die Schlacht ist entschieden. Trotz heftigen Widerstands ist nicht mehr viel übrig von dem einst so stolzen Haus.“ In der Nachricht von Erwin Görgen, der früher Ortsbürgermeister war und seit mehr als zehn Jahren mit der Geschichte seines Heimatdorfs befasst ist, klingt Wehmut an. Denn seinen Mitstreitern im „Chronik-Team“ und den Nachfahren der Erbauerfamilie teilt er auf diese Weise mit, dass das „Schlömer-Haus“ dem Erdboden gleichgemacht ist. Damit gehört zumindest das Bauwerk mit seiner Lage mitten im Dorf und seinem Ortsbild prägenden Charakter der Vergangenheit an.

     Die Geschichte des Hauses dagegen ist dokumentiert - auch das letzte Kapitel. Allein von dem Abriss haben Erwin Görgen und Anita Adams, ebenfalls im „Chronik-Team“, etliche Fotos gemacht. Einige davon sowie historische Fotografien, darunter eine Postkarte aus dem Jahr 1904, sollen in den geplanten Chronik-Band „Häuser und Menschen“ aufgenommen werden. Und es sollen Geschichten erzählt werden. Wie die von dem einstmaligen Pfarrer, der mit dem Schlömer-Wirt aneinandergeraten war. „Wenn Sie an Pfingstmontag Tanzmusik abhalten, wird der Fronleichnamsaltar nicht in Ihrem Hof errichtet“, hatte der Pfarrer schriftlich angedroht. Der Wirt hatte daraufhin beim Bischof angefragt, ob er wegen des Zerwürfnisses mit dem Pfarrer seine „österliche Pflicht“ im Kloster Maria Martental erfüllen dürfe. Von Ein- oder Nachsicht also keine Spur. Der Schriftverkehr der beiden liegt übrigens im Bistumsarchiv in Trier.  

   „Am Abend, bevor der Bagger kam und mitten in der Wirtschaft mit dem Abbruch begann, habe ich Abschied genommen und war noch mal in jedem Raum“, erzählt Görgen beim Treffen an dem Schuttberg in der Hauptstraße. Eugen Bost (Daun) als ein Nachfahre der Erbauer- und einer der letzten Inhaberfamilien ist mit von der Partie, auch Anita Adams sowie der Ortsbürgermeister Reiner Roos und der Beigeordnete Rainer Berlingen. Die Ortsgemeinde hatte das Gebäude 2017 gekauft und die Tiefbaufirma von Dirk Umbach (Mehren) mit dem Abbruch und der Entsorgung beauftragt. Auf der 2700 Quadratmeter großen Fläche sollen zwei oder drei Wohnhäuser gebaut werden; Anfragen nach den Grundstücken liegen bereits vor.

   Doch was macht Erwin Görgen und offenbar auch etliche weitere Kirchweilerer so wehmütig? Das Schlömer-Haus war doch in den letzten Jahren ein Schandfleck im Dorf und so marode, dass ein Bauzaun es vor dem Betreten bewahren musste. „Es ist der Respekt vor den Menschen, die in mehr als 160 Jahren in dem Haus gelebt und als Gastwirte und Ladeninhaber an der Dorfgemeinschaft beteiligt waren“, erklärt Erwin Görgen. Es sei zudem etwas Besonderes, dass sich die weit verstreut lebenden Nachfahren der Schlömers immer noch für das Stammhaus interessierten. So hatte es im Januar 2018 auf Initiative von Marita Reynen aus dem fränkischen Adelsdorf - sie ist eine Ururenkelin der Erbauer - ein Sippentreffen in Kirchweiler gegeben, an dem etwa 50 Menschen aus mehreren Generationen teilnahmen (der TV berichtete). Anita Adams nennt noch einen weiteren Aspekt ihres Interesses. „Alte Gebäude und verlassene Orte haben für mich eine besondere Ästhetik und eine besondere Atmosphäre“, erklärt sie. Und darum hat sie außer dem Bagger und dem immer mehr darunter verschwindenden Schlömer-Haus zuvor noch ganz viele Detailfotos aufgenommen. Ein Stück Tapete ist darunter und ein zerbrochenes Fenster, durch das Efeu wächst.

 So sah das Schlömer-Haus (unten links) auf einer Postkarte aus dem Jahr 1904 aus.
So sah das Schlömer-Haus (unten links) auf einer Postkarte aus dem Jahr 1904 aus. FOTO: TV / Erwin Görgen