Demonstration in Mainz für bessere Geburtshilfe im ländlichen Raum.

Kostenpflichtiger Inhalt: Gesundheitsversorgung in der Eifel : Fehlende Geburtshilfe und eine Entbindung an der Tankstelle in der Eifel

Hätte eine bessere Ausstattung die Entbindung an einer Tankstelle in Badem verhindern können? Die Debatte um die Versorgung werdender Mütter in der Eifel nach der Schließung der Geburtshilfe in Daun ist jedenfalls längst nicht beendet. Das zeigt auch eine Protestfahrt nach Mainz.

Nach der Schließung der Geburtshilfe im Maria-Hilf-Krankenhaus in Daun hatte die Landesregierung ein halbes Jahr lang einen zusätzlichen Rettungswagen (RTW) kofinanziert, der in der Kreisstadt der Vulkaneifel stationiert war, um im Krisenfall Gebärende schnell in den nächsten zur Verfügung stehenden Kreißsaal zu fahren. Kein einziges Mal wurde er für diesen Zweck benötigt, offenbar verliefen alle Geburten zeitlich wie vorhergesehen. Ob der RTW verhindert hätte, dass kürzlich eine Geburt an der Tankstelle in Badem und nicht wie geplant im Bitburger Kreißsaal stattfinden musste, lässt sich nicht belegen. Recherchen des TV auch beim Team der Tankstelle bestätigen jedenfalls: Den Vorfall hat es vor kurzem wirklich gegeben, er ist auf dem Video der Überwachungskamera festgehalten. Es geht um eine junge Mutter aus einem Dorf direkt an der B 257, zehn Minuten von Daun und rund dreißig Autominuten von Bitburg entfernt. Sie möchte ihren Namen nicht veröffentlicht sehen.

Die Umstände der nächtlichen Geburt ihres vierten Kindes waren dramatisch. Als die Wehen einsetzten, wurde die Geburtshilfe in Bitburg informiert, die werdenden Eltern stiegen in ihr Auto. Doch die Wehen wurden schnell stärker, ein Notruf wurde abgesetzt und nach zwanzig Minuten erreichte das Paar die Tankstelle in Badem, in deren Nähe sich eine Rettungswache befindet.

„Ich frage mich, wie eine Mutter, die ihr erstes Kind bekommt, sich fühlt“, sagt die junge Mutter im Nachhinein. Denn: Sie ist nicht nur geburtserfahren, sondern auch selbst gelernte Krankenschwester. Sie konnte den rasch herbeigeeilten Rettungssanitätern, welche noch nie als Geburtshelfer im Einsatz sein mussten, wertvolle Hinweise geben. Das Kind ist gesund. Doch hat die Mutter durch die beengte Entbindung im Auto Verletzungen, die eine langwierige Behandlung erfordern. Auch derzeit ist sie noch nicht vollständig genesen. „Dass es in Daun keine Geburtshilfe mehr gibt, ist eine Katastrophe“, sagt sie.

Die Interessengemeinschaft (IG) Geburtshilfe Vulkaneifel teilt das Ergebnis einer kleinen Umfrage unter werdenden Eltern mit, die sie im August unternahm: Demzufolge geben rund zwei Drittel an, dass sie eine spontane Geburt wollen. Knapp ein Drittel ist noch unentschieden, ob es eine spontane Geburt oder ein Kaiserschnitt werden soll. Nur ein kleiner Anteil geht von einem planbaren Kaiserschnitt aus. Auch weiß jede sechste Schwangere nicht, wo sie entbinden wird. Die meisten geben an, dass die Geburt entweder in Wittlich (34 Prozent) oder in Mayen (25 Prozent) stattfindet. Auch Mechernich wird von rund 16 Prozent genannt. Bitburg liegt mit knapp drei Prozent abgeschlagen auf dem letzten Wunschort, rund 16 Prozent wollen ganz woanders entbinden, niemand will es in Trier.

Unterdessen nimmt auch der politische Druck zu, die Geburtshilfen zu stärken und besser zu verankern. Bei ihrem Besuch einer Informations- und Diskussionsveranstaltung im Dauner Forum hatte die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) bereits erläutert, dass es eine Initiative aus den Flächenländern gibt, um das CDU-geführte Bundesgesundheitsministerium zu einer finanziellen Stärkung der kleinen Krankenhausstandorte und Geburtshilfen auf dem Land zu bewegen, indem das Fallpauschalensystem die Vorhaltungskosten (Personal, technische und bauliche Ausstattung etc.), welche kleine genauso wie große Häuser stemmen müssen, besser berücksichtigt. Man habe aus Berlin jedoch keine Resonanz erhalten.

Mit einer Demonstration in Mainz soll am Mittwoch, 25. September, argumentative „Schützenhilfe“ auch aus der Vulkaneifel geleistet werden. An dem Tag findet dort eine große Aktion der Landfrauenverbände, des Hebammenverbandes und der Initiative Motherhood auf dem Bahnhofsvorplatz statt, bei der unter anderem Unterschriften von Bürgern an die Landesgesundheitsministerin übergeben werden. Die IG Geburtshilfe, die Kreisverwaltung und die Landfrauen rufen zum Mitmachen auf, um dem Anliegen, die Welle der Geburtshilfeschließungen gerade auf dem Land zu stoppen, Nachdruck zu verleihen. „Es geht natürlich um die gesamte Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum“, erläutert Gleichstellungsbeauftragte Anja Saupe, zugleich auch zuständig für die Kreisentwicklung. „Aber es ist auch besonders ein Frauenthema. Es geht um die Gesundheit von Müttern und Kindern. Und auch die freiberuflichen Hebammen werden ausgeblutet.“ Diese Entwicklung sei so nicht länger hinnehmbar.

Mehr von Volksfreund