Den Internet-Giganten ein kleines bisschen Paroli bieten: Das Gesundland Vulkaneifel will ein Einkaufsportal für den Bereich Daun/Manderscheid/Ulmen etablieren.

Kostenpflichtiger Inhalt: Wirtschaft : Gesundland Vulkaneifel will ein Einkaufsportal etablieren

Tourismusgesellschaft will mit Internetpräsenz zeigen, was die Geschäftswelt der beteiligten Verbandsgemeinden bietet und so auch aus dem Tourismus mehr Wertschöpfung ziehen.

Welche Möglichkeiten hat der lokale Einzelhandel, sich im Internet zu präsentieren und den Giganten wie Zalando, Amazon oder Ebay zumindest etwas Paroli zu bieten? Eine Frage, die sich schon viele Gewerbevereine gestellt haben. Denn die großen Online-Einkaufsportale mit ihren Milliardenumsätzen stellen für viele Einzelhändler eine immer größere Bedrohung dar. Sie müssen weiter Service und Beratung bieten, nicht selten für Kunden, die dann ein Produkt doch im Internet kaufen.

Aber nicht nur Gewerbevereine befassen sich mit der Thematik, nun will die Tourismusgesellschaft Gesundland Vulkaneifel ein Einkaufsportal für das Einzugsgebiet Daun/Ulmen/Manderscheid (siehe Info) an den Start bringen. Laut der stellvertretenden Geschäftsführerin Vera Merten ist die Plattform ein Produkt der Firma „click around“ mit Sitz in Trier. Laut Merten ist man auf der Tourismusmesse ITB in Berlin darauf aufmerksam geworden. Die Trierer Firma hat zudem auch das in der Region bekannte Ticket-System „Ticket Regional“ entwickelt. Das Angebot soll das Einkaufserlebnis in der Region verändern, sagt die Geschäftsführerin. Es habe bereits Gespräche mit Gewerbevereinen gegeben und man habe zu dem Projekt positive Rückmeldungen erhalten. Nun müssten Unternehmen in der Region überzeugt werden, mitzumachen.

Allerdings ist die Teilnahme an dem Einkaufsportal kein kostenloses Serviceangebot. Laut Merten kostet es die Firmen fünf Euro pro Monat, um überhaupt gelistet zu werden, 21 Euro soll ein Premiumplatz auf der Webseite pro Monat kosten. Gemeinden können kostenlos Märkte oder verkaufsoffene Sonntage bewerben.

Unter der Adresse einkaufserlebnis-trier.de sieht man, wie das Angebot in einem größeren Wirtschaftsraum funktionieren kann. Kunden können Geschäfte oder Gastronomie nach Straßen oder Kategorien suchen, auch Serviceangebote wie Taxen oder Geldautomaten sind zu finden.

Zudem werden aktuelle Aktionen von Unternehmen (Werbung) oder Neueröffnungen gesondert hervorgehoben. Flankiert werden soll das Angebot durch einen Newsletter und eine Facebook-Seite. Eine App für mobile Geräte ist nicht geplant. „Eine klassische App lädt in diesem Segment niemand runter“, sagt Merten.

Das Portal soll sich an Touristen und Einheimische wende. „Es ist momentan nicht ganz einfach, sich einen Überblick in der Region zu verschaffen“, sagt Merten. Zudem gibt ein Tourist in der Eifel aktuell 22,50 Euro aus, im Landesdurchschnitt sind es 26 Euro. Aktuell läuft die Akquise, Unternehmen werden direkt von der Gesundland angesprochen. Es soll eine Basis für das Projekt geschaffen werden, dann will man sich an die Öffentlichkeit wenden, sagt Merten. Einen festen Zeitplan dafür gibt es nicht, man sei zu sehr von externen Faktoren abhängig. Wichtig sei, dass das Angebot über in Zukunft über Ortsgrenzen hinweg wahrgenommen werde.

Und was hält der Gewerbe- und Verkehrsverein (GVV), der sich mit dem Thema Einkaufsportal schon mehr als zwei Jahren beschäftigt, von der Gesundland-Idee? „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es kein einfacher Weg ist, ein solches Portal zu installieren, es gibt doch etliche Stolpersteine. Grundsätzlich aber sehe ich die Initiative des Gesundland positiv, ich selbst werde mich mit meinem Geschäft beteiligen“, sagt die Vorsitzende Stefanie Mayer-Augarde, die ein Juwelier- und Uhrenfachgeschäft sowie eine Kunstgalerie in der Kreisstadt führt. „Vielleicht ist das ein Ansatz, der sich weiter entwickeln kann.“

ARCHIV - 24.04.2017, Bayern, Kempten: Das Symbol eines Warenkorbes, beziehungsweise eines Einkaufswagen auf der Webseite eines Internethändlers. (zu dpa:«Es ist wenig los beim «Internethändler von nebenan» vom 05.11.2019) Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa +++ dpa-Bildfunk +++. Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Die eigenen Recherchen des Vereins hätten ergeben, dass Lizenz- oder Franchiseportale, die man aus anderen Städten hätte übernehmen müssen, als ungeeignet für die hiesigen ländlichen Verhältnisse seien. Darum soll es laut der GVV-Vorsitzenden eine zunächst für die Verbandsgemeinde Daun maßgeschneiderte Lösung geben. Sie soll über die üblichen Shop-Portale oder Internetverzeichnisse hinaus gehen und zum Beispiel Vereine, Schulen oder andere Initiativen der Vulkaneifel einbinden.

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