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Der beste Plattschwätzer kommt aus Neroth

Der beste Plattschwätzer kommt aus Neroth

Er ist Büttenredner und Burgschauspieler, und nun hat er in Jünkerath den Mundartwettbewerb der Sechstklässler im Landkreis Vulkaneifel gewonnen: Simon Körsten aus Neroth, Schüler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums (GSG) Daun. "Dohmat sejn ich rischtisch fruh", bringt der Elfjährige seine Freude auf den Punkt.

Neroth/Jünkerath. Simon Körsten wusste schon länger, dass es im Landkreis Vulkaneifel einen Mundartwettbewerb für Sechstklässler gibt. "So was interessiert mich", erzählt er dem Trierischen Volksfreund. Im Dezember hatte er sich als Schulsieger beim Vorlesewettbewerb am GSG für den Kreisentscheid qualifiziert. Dann erklärte ihm seine Klassen- und Deutschlehrerin Nathalie Krämer, wie er darüber hinaus auch an dem Mundartwettbewerb teilnehmen könne. Dieser ging im Rahmen des Kreisentscheids (der TV berichtete) an der Jünkerather Realschule plus über die Bühne.
Besondere Händlersprache


Simon Körsten übersetzte die von der Wettbewerbsinitiatorin Wilma Herzog (Gerolstein) umgestaltete Äsop'sche Fabel "Der Fuchs und der Hahn" mit Hilfe seines Vaters Thomas Körsten in den Dialekt seines Heimatdorfs Neroth und trug diese Fassung im Wettstreit mit elf anderen Kindern (siehe Extra) vor. Das Besondere an Simons Fabelversion seien die vielen echten Dialektwörter und -wendungen (siehe Hintergrund), betonten Wilma Herzog und Alois Mayer (Daun-Pützborn) als Juroren. Einige kämen aus der nur in Neroth verwendeten Händlersprache, erklärten sie.
Mit zwölf sei die Teilnehmerzahl an dem vor 16 Jahren ins Leben gerufenen Mundartwettbewerb rekordverdächtig, sagte Landrat Heinz-Peter Thiel und bezeichnete Simon bei der Siegerehrung als den besten "Plattschwätzer" des Landkreises. Im Plattschwätzen sei sein Papa sein großes Vorbild, erzählt Simon Körsten. Der Junge ist schon seit Jahren im Karneval als Dialektkundiger Büttenredner, Sänger und Sitzungspräsident aktiv. In seiner Freizeit boxt und malt er.
Mit seiner Mutter Silvia Leyendecker gehört Simon dem Ensemble der Gerolsteiner Burgschauspieler an. In der Spielzeit 2013 erhielt Simon bei den Aufführungen des Stücks "Blumen, Bräute und Banditen" viel Beifall für die Begrüßung des Publikums in Dialekt. Lampenfieber? "Vor den Auftritten schon", sagt Simon. "Aber wenn ich erst mal auf der Bühne bin, ist es wie weggeblasen." So wie bei seinem Vortrag in Jünkerath, als er nicht nur durch die gute Übersetzung, sondern auch durch seinen frischen, freien Vortrag überzeugte.
Bei dem Mundartwettbewerb erhielten die Teilnehmer neben den Urkunden auch Tassen von drei neuerdings im Landkreis Vulkaneifel ebenfalls in punkto Dialekt Tätigen. Es sind der Kulturwissenschaftler Tim Becker, der Fotograf Sven Nieder und der Drucker Thomas Probst. Sie betreiben in Daun das "Kreativhaus" und erfahren große Resonanz auf Dialekt-Begriffe und -Redewendungen auf Postkarten und Tassen. Darauf steht "Da je!", Nou dä!", "Dau Dappes!" oder "Schien, dat dou do woarst!".Extra

Die weiteren Teilnehmer: von der Realschule plus Gillenfeld Lukas Wilhelmi (Gillenfeld); von der Grund- und Realschule plus Jünkerath Chantal Klarhöfer (Hallschlag), Maximilian Lippaßon (Alendorf) und Florian Schumacher (Schmidtheim); vom St.-Matthias-Gymnasium Gerolstein Hannah Forster (Gerolstein), Janina Nöllen (Schüller) und Kim Thiesen (Hohenfels-Essingen); vom GSG Daun Emma Göbel (Uersfeld) und Leonie Keßeler (Ulmen); von der Realschule plus Daun Alina Franzen (Mehren) und Carlo Kranz (Steiningen). bbExtra

Beispiele aus Simons Übersetzung der von Wilma Herzog umgestalteten Fabel "Der Fuchs und der Hahn": Sein Hunger war jetzt stärker als seine Angst vor den Menschen: "Seijne Dalles woar nauh jrooßer als sejn Engst firr de Lejt." Er sah die Bauern auf den Feldern Kartoffeln aushacken und eine Frau in ihrem Garten jäten: "Hähn sooh de Boueren up dem Fähl, Schokelen ussdohn unn een Moss um Joorden heckelen." Guten Tag, Meister, Ihretwegen habe ich einen sehr langen Weg hinter mir, um Sie endlich zu finden: "Jooden Daach, Meester, eiretwäjen honn ich alt ä schieen Peetjen hunnert mer, firr esch ze funne." Da schlug der dumme Fuchs sich selbst aufs Maul: "Doh schleeht dä heermedije Fuchs sich selwer up de Moul." bb