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Der große Wunsch: Beständigkeit am Nürburgring

Der große Wunsch: Beständigkeit am Nürburgring

Der Trubel um den Nürburgring nimmt kein Ende. Seit einigen Tagen hat der russische Unternehmer Viktor Charitonin das Sagen an der Eifeler Rennstrecke, nun verlieren SPD-Spitzenpolitiker ihre Ämter, weil sie in das Desaster verwickelt sind. In der Verbandsgemeinde Kelberg sieht man die Entwicklung mit Sorge.

Nürburgring/Kelberg. Und wieder steht der Nürburgring im Mittelpunkt von politischen Diskussionen: Ministerpräsidentin Malu Dreyer macht in Mainz personell klar Schiff und zieht damit Konsequenzen aus dem Millionen-Debakel rund um den Ausbau. Damit ist fast schon wieder verdrängt, dass seit vergangener Woche ein neuer Herr am Ring das Sagen hat: der russische Unternehmer Viktor Charitonin. Er hat die Anteile des Automobilzulieferers Capricorn übernommen, dessen Besitzer Robertino Wild im Frühjahr von den Insolvenzverwaltern den Zuschlag für die Übernahme des Rings bekommen hatte.
In der Verbandsgemeinde (VG) Kelberg, die unmittelbar an die Strecke angrenzt, und den Nachbargemeinden im Kreis Ahrweiler sieht man die Entwicklung mit großer Sorge. "Charitonin wird wohl nicht der letzte Besitzer sein", mutmaßen einige Bürgermeister aus dem Kelberger Land. Sie fragen sich: "Ist der Ring für ihn ein Wirtschaftsbetrieb oder Hobby?"
Die Region fühlt sich dem Ring stark verbunden, ist er doch seit jeher auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Viele Touristen kommen eigens wegen der "Grünen Hölle" in die Eifel und wohnen beispielsweise im Ferienpark in Gunderath, der mit mehr als 400 000 Übernachtungen der größte in Rheinland-Pfalz ist. Für Geschäftsführer Jos Kruiter ist die Rennstrecke ein wichtiger Faktor, deshalb hofft er auf Konstanz, was die Besitzverhältnisse angeht. "Wenn am Nürburgring Rennen sind, merken wir das bei den Buchungen. Die Rennstrecke ist aber auch beliebtes Ziel für einen Ausflug unserer Gäste. Zudem haben wir viele, die hierher kommen, um die Nordschleife zu befahren." Karl Häfner, Bürgermeister der VG Kelberg, hebt die Bedeutung des Rings hervor: "Die Wertschöpfungskette beginnt bei den Arbeitsstellen, geht über Umsätze im Mittelstand zum Tourismus und den Übernachtungszahlen, zur Freizeitgestaltung bis hin zur Liebe der Einwohner zum Motorsport auf ihrem Ring." Er sieht die Vorgänge mit Sorge: "Leider haben wir keinen Einfluss auf die wechselnden Käufer und Investoren am Ring. Wir müssen uns daran gewöhnen, dass der Nürburgring komplett privatisiert ist. Dies mag uns gefallen oder nicht, ist aber inzwischen leider Fakt." Er wünscht sich eine Stabilisierung der Verhältnisse und klare Strukturen für den Ring. Sein Amtskollege Guido Nisius von der VG Adenau, in der der Nürburgring liegt, bringt es auf den Punkt: "Es muss jetzt endlich Ruhe einkehren." Das wünschen sich auch Firmenchefs, die sich im benachbarten Gewerbepark angesiedelt haben. Dieser hat eine besondere Konstruktion: Er wird von drei Orten aus drei Kreisen getragen (siehe Extra). Mehr als 30 Firmen, darunter berühmte Autofirmen wie Aston Martin und Jaguar, sind dort vertreten, mehr als 300 Arbeitsplätze werden geboten.
Edith Nass ist seit Kurzem neue Vorsitzende des Gewerbe- und Verkehrsvereins Kelberg. Sie sagt: "Der Nürburgring hat eine große Bedeutung für unseren Bereich. Es gibt sehr viele Unternehmen, die dort tätig sind und die damit einen Großteil ihrer Existenz sichern. Wenn es eine Lösung am Ring gibt, die Bestand hat, wäre das für uns eine fantastische Sache." Besonders hart ins Gericht geht Reinhold Schüssler, Bürgermeister von Nürburg, mit den Verantwortlichen. "Wir sind belogen und betrogen worden. Zwei Jahre lang ist uns versprochen worden: kein Oligarch für den Ring. Nun ist genau das eingetreten. Die das zu verantworten haben, gehören in die Wüste geschickt."Extra

Getragen wird der Gewerbepark am Nürburgring vom gleichnamigen Zweckverband. Die Ortsgemeinden Drees (150 Einwohner, Verbandsgemeinde Kelberg, Kreis Vulkaneifel), Herresbach (460, Verbandsgemeinde Vordereifel, Kreis Mayen-Koblenz) und Meuspath (140, Verbandsgemeinde Adenau, Kreis Ahrweiler) tragen je einen Anteil von 30 Prozent. Den Startschuss für den Gewerbepark, für den eigens eine Zufahrt zur Nordschleife angelegt wurde, gab 1996 die rheinland-pfälzische Landesregierung mit einer Finanzspritze von sechs Millionen Euro. Auch die Grundstücke wurden für die bessere Vermarktungsmöglichkeiten subventioniert: Die Firmen erwarben die Flächen deutlich günstiger als anderswo. Am Anfang lief - trotz guten Rufs - die Vermarktung recht zäh, aber dann war das Ziel erreicht: alle Flächen wurden verkauft.sts