Der Hahne im Korb der Landfrauen

Der Hahne im Korb der Landfrauen

Die Landfrauen in der Vulkaneifel haben Geburtstag gefeiert: Ihr Verband besteht seit 60 Jahren. Höhepunkte des Jubiläumsprogramms im mit 300 Gästen voll besetzten Forum Daun waren der Festvortrag des Fernsehmoderators und Bestsellerautors Peter Hahne und die Mundartlieder der Eifeler Sängerin Sylvia Nels.

Daun. "Wir haben uns doch gut gehalten", sagte Peter Hahne zu Beginn seines Festvortrags augenzwinkernd. Sind doch er selbst und der Landfrauenverband gleichaltrig. Es gefalle ihm, bei den Landfrauen der Hahn im Korb zu sein, sagte er schmunzelnd. Doch dann sprach er "klare, wahre Worte" - so die Landfrauen-Vorsitzende Doris Clemens - über Werte. Hahne sprach höchst unterhaltsam, äußerst impulsreich, meist in aller Ruhe, zuweilen auch in Rage.
Das Entscheidende an unserer Zeit sei nicht die Finanzkrise, betonte der renommierte Journalist aus Berlin. Das Besorgniserregende sei die Vertrauens- und Verantwortungskrise. Viele Menschen hätten nur wenig Vertrauen in Personen und Institutionen.
Und wer ehrenamtlich Verantwortung übernehme, laufe gar Gefahr, belächelt zu werden. Hahne warnte: "Wenn die ideellen Werte zugrunde gehen, verfallen auch die materiellen Werte."
Vorbilder statt Vorschriften


Was wir brauchen, seien nicht Vorschriften, sondern Vorbilder, sagte er. Er empfahl mit Hinweis auf Thomas Manns Roman "Die Buddenbrooks": am Tag mit Lust bei den Geschäften zu sein, aber nur bei solchen, bei denen man nachts ruhig schlafen könne. Er zitierte Mark Twain: "Wer das Ziel aus den Augen verloren hat, muss seine Anstrengungen verdoppeln."
"Wir haben die Hauptschule als Hauptbildungsträger kaputtgehen lassen", bedauerte Hahne und prognostizierte, dass auf die Bildungskatastrophe eine Ausbildungskatastrophe folge. Die schönste Umschreibung des "Generationenvertrags" sei das vierte Gebot: "Du sollst Vater und Mutter ehren", erklärte der Theologe. "Das gehört sich nicht", bezeichnete er als eine der einfachsten Formeln in der Erziehung. "Machen wir doch aus der Ich-AG eine GmbH", appellierte Hahne am Ende - "eine Gesellschaft mit begründeter Hoffnung". Und gab sich zuversichtlich, dass Deutschland die Krise überwinde; habe das Land es doch geschafft, zwei politisch und wirtschaftlich völlig unterschiedliche Teile wieder zusammenzuführen.
Zunächst hatte Doris Clemens als Vorsitzende des 1260 Mitglieder starken Landfrauenverbands Vulkaneifel an die Gründung vor 60 Jahren erinnert (der Trierische Volksfreund berichtete) und die Organisation als "Motor im ländlichen Raum" bezeichnet.
Die aus Rittersdorf im Eifelkreis Bitburg-Prüm stammende Mundartsängerin Sylvia Nels begeisterte die Festversammlung ("Su vill geballt Fraleitspauer en eenem Saal!") mit ihren humorvollen Liedern über die Liebe und das Moselfränkische. Der Landfrauenvorstand spielte einen Sketch.
All das geht nun in die Annalen des Landfrauenverbands ein - auch der heftige Wintereinbruch am Jubiläumstag. Doch während draußen die Welt im Schnee versank, hatten die Landfrauen in schöner Tradition den Frühling stilvoll auf die Tische und die Bühne gezaubert.Extra

Festschrift mit integriertem Kochbuch: Auf rund 80 der 125 Seiten der Festschrift sind unter Leitung des Vorstandsmitglieds Birgit Fries die besten Rezepte aus vier Jahrzehnten Ernährungskursen des Landfrauenverbands zusammengetragen worden. Das Repertoire reicht von A wie Apfelbiskuit über Fächerbraten, Kartoffelpralinen, Mexiko-Krusteln, Pork Pie bis Z wie Zwiwwel-Nudeln. Dem Ringbuch liegt eine Folie bei, um die Rezeptseiten bei der Zubereitung der Speisen zu schützen. Es kann bei den Veranstaltungen des Landfrauenverbands Vulkaneifel oder bei den Vorstandsmitgliedern zum Preis von fünf Euro gekauft werden. bb Weitere Informationen gibt es bei Doris Clemens, Telefon 06591/7238, oder Severa Faber, Telefon 06591/4136, sowie per E-Mail: info@landfrauen-vulkaneifel.deExtra

Der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, Leo Blum: "Die Landfrauen sind als Multiplikatoren und Sprachrohr der Menschen im ländlichen Raum von großer Bedeutung. Sie sind ungemein aktiv und nehmen die Herausforderungen der Zeit mit Umsicht an." Der Landrat des Landkreises Vulkaneifel, Heinz Onnertz: "Die Landfrauen sind deshalb so wichtig, weil sie einen Gegenpol zur zunehmenden Verstädterung bilden und mit ihren Angeboten zur Attraktivität des ländlichen Raums beitragen." Der Bürgermeister der Stadt Daun, Wolfgang Jenssen: "Aus meiner eigenen Erfahrung als Kind im landwirtschaftlich geprägten Dorf Schalkenmehren rührt noch heute mein großer Respekt vor der Arbeit und dem Engagement von Frauen auf dem Land." bb

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