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Der Lockdown wird verlängert - auch im Vulkaneifelkreis

Corona : Der Lockdown wird verlängert - das sagen die Menschen im Vulkaneifelkreis

Wir bleiben geschlossen – so lautet der wesentliche Beschluss nach der Konferenz von Bund und Ländern von Dienstag. Einige Regeln werden zudem verschärft, das Ganze gilt bis Mitte Februar. Der TV sammelt Reaktionen im Vulkaneifelkreis.

Nein, überrascht hat es natürlich angesichts der Corona-Lage auch im Vulkaneifelkreis niemanden, dass der Lockdown bis (mindestens) Mitte Februar verlängert wird.

„Wie schon im Dezember gibt es meiner Einschätzung nach bei den Betrieben durchweg Verständnis dafür. Zumal es ja auch keine echte Alternative dazu gibt“, sagt Wolfgang von Wendt, Geschäftsführer des Gewerbe- und Verkehrsvereins Daun. „Nur möglichst rigoroses Runterfahren und gleichzeitig möglichst zügiges Impfen eröffnen eine Perspektive für wieder bessere Zeiten.“

Von Wendt bezeichnet sich als durchweg „positiv eingestellt“, aber wenn er sich vorstellt, dass der Lockdown über Mitte Februar weitergeht, wird es aber auch ihm mulmig. „Dann wird es so manchem Geschäft richtig an die Substanz gehen.“ Er befürchtet, dass ein Domino-Effekt eintreten könnte, „wenn ein Geschäft schließt, das mit seinem Sortiment mit einem anderen verknüpft ist, das dann wiederum in Schieflage kommt.“ Sein Appell: „Jeder kann seinen Beitrag leisten, indem er sich an die Regeln hält. Jeder will doch schnellstmöglich zurück zur Normalität.“

Die erneute Verlängerung ist für die Branchen, die wegen Corona schon schmerzhafte Einschnitte hinnehmen mussten, natürlich keine gute Nachricht. „Je länger es dauert, umso dünner wird für sie die Luft“, sagt Stephan Alt, Vorstandsmitglied der Kreissparkasse (KSK) Vulkaneifel. Grundsätzlich aber sei festzustellen: „Es gibt im Kreis Vulkaneifel momentan keine Branche, die vor dem Aus steht.“

Die regionale Wirtschaft zeichne sich dadurch aus, dass sie durchweg eigentümergeführt ist und gute Eigenkapital-Quoten aufweist. Die Geschäftsmodelle der Firmen vor Ort seien tragfähig. Und auch für die Bank selbst hat Corona das stetige Wachstum bislang nicht bremsen können, die Bilanzsumme wird zum ersten Mal eine Milliarde Euro erreichen.

Bund und Länder haben sich auch auf ein Recht auf Homeoffice verständigt. Arbeitgeber müssen überall dort, wo es möglich ist, „den Beschäftigten das Arbeiten im Homeoffice ermöglichen“, sofern die Tätigkeiten es zulassen. Die KSK sieht sich da schon gut aufgestellt. Alt sagt: „Für 50 Prozent der Beschäftigten besteht diese Möglichkeit schon, Tendenz steigend. Und wir haben bislang so gute Erfahrungen damit gemacht, dass wir nach Corona sicher nicht mehr zu der Situation von vorher zurückkehren werden. Aber eine Bank wie die KSK kann und will natürlich nicht komplett auf den persönlichen Kontakt zu unseren Kunden verzichten.“

Landrat Heinz-Peter Thiel macht sich keine Illusionen, dass es mit der Verlängerung bis zum 14. Februar getan sein könnte: „Wir brauchen eine ehrliche Ansage an die Bevölkerung, dass 2021 auch noch ein Jahr der durch die Corona-Pandemie bedingten Lebenseinschränkungen sein wird. Es braucht ein belastbares Konzept, durch das eine weitestgehende Kontaktreduzierung über mehrere Wochen die lebensbedrohliche und -einschränkende Pandemie auf ein Restrisiko reduziert. Zeitgleich sind alle Anstrengungen auf einen schnellstmöglichen Impfschutz der Bevölkerung über Impfzentren, mobile Impfteams, über die Ärzteschaft bis hin zu Drive-In-Dienstleistungen, jeweils koordiniert auf lokaler Ebene, zu konzentrieren.“

„Wir haben leider nicht mehr allzu viele Gewerbetreibende im Ort“, sagt Otto Spodat, Vorsitzender des Gewerbevereins Jünkerath. Dies sei aber auch vor der Pandemie der Fall gewesen. „Diejenigen, die noch da sind, sind zumeist auch die Eigentümer der Immobilien, in denen sich ihre Geschäfte befinden, und können sich so gerade noch über die Zeit retten.“

Die erneute Verlängerung des Lockdowns nimmt Spodat, der selbst einen Rewe-Markt betreibt, zum Anlass, Mitarbeiter und Kunden verstärkt für Hygienemaßnahmen zu sensibilisieren. „Alle Angestellten tragen FFP2-Masken, in den Aufenthaltsräumen und Büros achten wir darauf, Abstand einzuhalten.“ Die neue Verordnung, beim Einkauf FFP2- oder OP-Masken zu tragen, sei sinnvoll, werde aber vonseiten der Kundschaft schon länger umgesetzt. „Kunden, die den Markt mit selbstgemachten Masken oder Schals vor dem Mund betreten, waren bereits in der Vergangenheit selten zu sehen“, sagt Spodat.

Sein Haus dürfe lediglich Geschäftsreisende beherbergen, berichtet Ralf Berg vom Vulkanhotel in Steffeln. „Sie müssen die Speisen aus unserem Restaurant auf ihren Zimmern verzehren. Das war’s dann auch schon - Abhol- oder Lieferservices anzubieten, lohnt sich für uns nicht.“

Berg rechnet damit, dass die Schließungen und weitere Corona-Verordnungen bis mindestens Ostern verlängert werden. Finanzielle Unterstützung von Bund und Land sei angekommen, doch aktuell müsse er sich mit einem Antrag zur sogenannten Überbrückungshilfe III herumschlagen, die für Selbständige und Unternehmen ab Januar gilt.

„Auf der Website des Bundes sind die Einzelheiten zum Antrag noch nicht freigeschaltet und telefonisch erhalte ich keine Auskunft dazu“, ärgert sich Ralf Berg. Auch Ulrike Wieck, Inhaberin des Café Hanebrink in Gerolstein, glaubt nicht daran, dass sie ab dem 14. Februar wieder aufmachen könne. „Der Lockdown geht, glaube ich, nach diesem Termin erneut in Verlängerung. Aber auch wenn im Februar vielleicht der Einzelhandel wieder öffnen darf, die Gastronomie wird bis zum bitteren Ende geschlossen bleiben.“

Seit den Novemberhilfen sei bei ihr trotz Antrags nichts mehr angekommen, berichtet Wieck. „Ich bin sehr dankbar, dass mir mein Vermieter in dieser Situation entgegenkommt.“

Die Verlängerung des Lockdowns sei gerechtfertigt, sagt Dr. med. Alexandros Tsallas, der in Stadtkyll praktiziert und zeitgleich einer der behandelnden Ärzte in der Corona-Ambulanz Hillesheim ist. „Die aktuellen Infektions- und Todeszahlen sind ausgesprochen hoch.“

Die Zahlen in Rheinland-Pfalz lägen auf nicht allzu hohem Niveau, sagt Tsallas. „Lokale Regelungen sind vernünftig, wir sollten sie flexibel gestalten.“

Die allgemeine Maskenpflicht bejaht der Mediziner, „allerdings wäre eine einheitliche Regelung zur FFP2-Maske wünschenswert“.