Der närrische Marmeladen-Äquator

Der närrische Marmeladen-Äquator

Wenn die kalte Jahreszeit beginnt und dann noch die Karnevalszeit naht, laufen in der Landbrotbäckerei Engelberth in Daun Millionen von Berliner vom Band. Beim beliebtesten Gebäck in der Karnevalszeit sind die Dauner Bäcker einer der Marktführer in Deutschland. Der TV war vor Ort und sprach mit Betriebsleiter Josef Grewe.

Daun. Nur 70 Gramm wiegt die süße Versuchung, hat einen Mantel aus Puderzucker, einen Kern aus Aprikosen- oder Mehrfruchtmarmelade und schmeckt unwiderstehlich. Der Nachteil: Die süße Verführung hat 226 Kalorien. Aber über solche Zahlen muss man manchmal hinweg sehen. Mal heißt er Berliner Pfannkuchen, Berliner Ballen, im südlichen Teil Deutschlands und Österreich spricht man vom Krapfen, in Hessen, Thüringen und Schlesien heißt er Kreppel, und im Saarland oder Südwestdeutschland findet man auch die Bezeichnung Fastnachtsküchelchen. Im Allgemeinen hat sich aber der Name Berliner für das süße Gebäck eingebürgert.Hochbetrieb auf den Fertigungsstraßen

Einer der Marktführer Deutschlands in der Herstellung von Berlinern ist das seit 1953 in Daun ansässige Düsseldorfer Unternehmen Landbrotbäckerei Engelberth. Neben einem kompletten Sortiment verschiedener Brote und Brötchen sind die "Berliner" der Renner der Dauner Bäcker. Wenn die kalte Jahreszeit kommt und besonders die Karnevalszeit, dann herrscht in der Großbäckerei Hochbetrieb an den drei Fertigungsstraßen für Berliner. Und wer in der Nähe der Bäckerei vorbeigeht oder -fährt, dessen Nase wird schon von einem bestimmten Duft angezogen."Was da in der Dauner Luft liegt, ist der Geruch von Erdnussfett, das wir für die Herstellung der Berliner verwenden", erklärt Betriebsleiter Josef Grewe. Millionen von Berlinern liefert die Dauner Bäckerei an zwei Discounter - besonders in die Ballungsgebiete in Nordrhein-Westfalen, den Frankfurter Raum, das Saarland und Hessen. Von Mai bis September werden allerdings keine Berliner gebacken, denn er ist ein Saisongebäck, das nur in den kühlen Monaten verkauft werden kann. "Wann kann man am besten Kalorien vertragen? Eben nur, wenn es kalt ist, dann braucht man die Berliner als Heizbrikett", sagt der Betriebsleiter. Erst ab September beginnt wieder die Produktion und steigert sich bis Karneval manchmal in ungeahnte Höhen. "Momentan werden zwar ,nur' 70 000 Stück pro Tag produziert, aber im vergangenen Jahr haben wir einmal 560 000 Berliner an einem einzigen Tag gebacken. Das war der bisherige absolute Spitzenwert, der je zur Karnevalszeit hier im Betrieb erreicht wurde", erzählt Josef Grewe. Auf die Qualität der Berliner legt die Großbäckerei großen Wert. "Wir nehmen ausschließlich Erdnussfett. Das hat einen etwas höheren Siedepunkt, dadurch schließen sich die Poren schneller, und der Berliner nimmt nicht soviel Fett auf. Und wir verwenden ausschließlich frisch aufgeschlagene Eier, die uns täglich im Container angeliefert werden. Das ist eine wichtige Komponente, warum unsere Berliner so gut sind", erläutert Betriebsleiter Grewe mit einem gewissen Stolz.Rot gibt's häufiger als Gelb

Pro Tag verbraucht der Betrieb allein für die Berliner-Herstellung rund 25 Tonnen Weizenmehl, 2,5 Tonnen Frischei, 2,5 Tonnen Erdnussfett und je eine Tonne gelber und roter Konfitüre. Und was wird mehr gewünscht - Berliner mit roter oder gelber Füllung? "Mittlerweile wird die rote Füllung häufiger produziert. Es gibt eine Art Marmeladenäquator. Die roten Berliner sind eher im Süden gefragt, die gelben im Norden", erklärt Grewe. Seit Dezember 2007 werden auch Berliner mit Zuckerglasur und Schokostreifen hergestellt. "Die erfordern aber auch mehr Aufwand, da sie im Gegensatz zum normalen Berliner vor dem Glasieren abkühlen müssen. Die Streifen werden noch in echter Handarbeit hergestellt. Der glasierte Berliner ist noch in den Kinderschuhen, er muss sich noch entwickeln, damit sich eine maschinelle Lösung lohnt", so Grewe. Die hohe Nachfrage erfordert es, dass etwa 30 Leute in dieser Zeit zusätzlich beschäftigt werden, je nachdem wie viele Berliner produziert werden müssen. Josef Grewe hat auch noch einen Tipp parat, wie man einen leckeren Berliner essen sollte. "Immer vom Loch aus essen, so läuft man nicht Gefahr, dass einem die Marmelade irgendwo hin klackert. Eine Tasse Kaffee dazu ist am Besten."