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Der Pokal muss ins Dorf zurück!

Der Pokal muss ins Dorf zurück!

NEROTH. 81 Eier aufheben (also raffen) oder knapp fünf Kilometer laufen – was geht schneller? Das ist jährlich die alles entscheidende Frage bei der Nerother Eierlage an Ostersonntag, die nun bereits zum 83. Mal ausgetragen wird. Im TV-Gespräch geben die beiden diesjährigen Kontrahenten Dennis Strunk (19) aus Neroth und Thomas Caspers (25) aus Daun-Steinborn ihre Erfolgsgeheimnisse preis.

Na, wer startet als Raffer?Caspers: Das wird am Freitag ausgelost. Oder wir einigen uns vorher.Strunk: Du hast doch erzählt, dass du schon als Raffer gestartet bist und auch gewonnen hast. Dann kannst du es ja. Caspers: Ja, ich war zumindest beim Raffen immer schneller als beim Laufen. Strunk: Na also! Ich habe jedenfalls noch nie gerafft, ich will es auch jetzt nicht unbedingt. Wie habt ihr euch auf den Wettkampf vorbereitet?Strunk: Beim Fußballtraining. Da waren wir mit der Mannschaft in der Winterpause viel im Wald. Da habe ich am Berg mal extra angezogen und auch runter wieder Gas gegeben. Immer drei mal hoch, drei Mal runter. Mir fällt das Laufen halt leicht. Caspers: Ich hab auch mein Fußballtraining gemacht, aber extra Laufen war ich nur einmal - weil ich mir zu Jahresbeginn eine Muskelverletzung zugezogen habe. Strunk: Ich habe gedacht, du bist schon zwei Monate am Laufen. Worauf kommt es bei dem Wettstreit besonders an?Strunk: Dass man beim Lauf nicht sofort voll anzieht, schließlich geht es am Anfang nur berghoch. Bestimmt drei Kilometer. Und das zieht sich ganz schön. Wenn du dann zu schnell bist, bekommst du Seitenstechen und schwere Beine. Das weiß ich aus Erfahrung. Caspers: Nix da. Ich powere immer voll hoch. Denn oben auf der Geraden, und nachher bergab kann ich mit meinen langen Beinen gut laufen lassen und brauche auch nicht mehr so viel Luft. Runter komme ich immer.Strunk: Ich laufe auch zügig hoch, aber ich gebe eben noch nicht alles. Dafür ziehe ich lieber oben auf der Geraden kräftig an. Runter lasse ich ebenfalls laufen. Und im Dorf sprinte ich durch bis zum Ziel. Tja, aber einer von euch muss raffen. Worauf kommt es dabei an?Caspers: Das Schwierige dabei ist die Luft. Durch die vielen kurzen Sprints und das ständige Bücken kommt man rasch aus der Puste. Strunk: Keine Ahnung, hab's ja noch nie gemacht. Und du Thomas, wie ist dein Erfolgsgeheimnis?Caspers: Als erstes Ei nehme ich immer das Hinterste. Danach fünf, sechs Kurze, denn die sind ja am anstrengendsten. Wenn ich Luft habe, sind ein paar Kurze dran, zum Ausruhen nehme ich ein bis zwei Lange. Wie gesagt. Es kommt immer auf die Luft an. Kriegt man von den Anfeuerungsrufen der vielen Zuschauer was mit?Strunk: Als Läufer nur an Start und Ziel, denn die Leute bleiben ja im Dorf, die Laufstrecke ist aber weitgehend außerhalb. Caspers: Beim Raffen ist das schon anders. Das sind die Leute ja ganz nah dran. Und die Anfeuerungen geben einem schon extra Kraft. Außerdem gibt's ja die Lautsprecherdurchsagen.Strunk: Die bringen einem als Läufer aber nichts, weil man nicht einschätzen kann, wie lange der Raffer für die restlichen Eier noch braucht. Caspers: Als Raffer kann man sich auch nicht auf die vielen Zurufe verlassen. Ich konzentriere mich daher immer auf meinen Vater, der mir die Zeiten und die Anzahl der restlichen Eier durchgibt. Ein Nicht-Nerother, der schon den Wanderpokal hat und den Titel nun schon wieder einsacken will. Das geht doch wohl nicht, oder?Strunk: Ich denke auch: Der Pokal muss nach Neroth zurück! Meine Kumpels sagen mir auch schon die ganze Zeit: Es kann doch nicht sein, dass ein Steinborner schon wieder gewinnt. Caspers: Na ja, ein halber Nerother bin ich ja auch. Und außerdem: Es gibt auch viele Nerother, die mich anfeuern. Also existiert keine so große Rivalität zwischen Steinborn und Neroth wie beim Fußball, wo in den seltensten Fällen alle 22 Spieler bis zum Schluss auf dem Platz bleiben dürfen?Strunk: Rivalität gibt es schon...Caspers:... aber alles nicht so gravierend wie beim Fußball. Zum Glück. * Die Fragen stellte unser Redakteur Mario Hübner