Der Reiz der "Dicke-Backen-Musik"

Der Reiz der "Dicke-Backen-Musik"

RETTERATH. Die Musik soll wieder mehr Klang in der Verbandsgemeinde Kelberg finden. Das finden die Musikvereine der VG Kelberg und haben deshalb das Musikfest "Klingende Verbandsgemeinde Kelberg" ins Leben gerufen. In Retterath war jetzt die Premiere.

Sechs Musikvereine sind in der Verbandsgemeinde Kelberg beheimatet und damit für das kulturelle Leben in der VG mit entscheidend. "Die Musikvereine sind Botschafter ihrer Gemeinden", findet Verbandsbürgermeister Karl Häfner. Sie bilden dabei auch viele junge Menschen musikalisch aus, geben ihnen die Möglichkeit, ein sinnvolles und schönes Hobby auszuüben, mit dem Verein ein Zuhause in ihrer Freizeit, und gleichzeitig lernen sie, in der Gemeinschaft zu leben und haben dadurch Kontakte. Zusammen haben die sechs Musikvereine Boxberg, Bodenbach, Katzwinkel, Retterath, der Tambour- und Fanfarenzug der FW Kelberg und der MV Harmonie Uersfeld über 180 aktive Mitglieder. In vielen dieser Vereine überwiegt schon die Anzahl der Jugendlichen, was zeigt, dass die "dicke-Backen- Musik" auch heute noch nichts an Reiz verloren hat. Was früher bei den Musikfesten zelebriert wurde und anfangs noch ein kulturelles Highlight war, soll nun das Musikfest "Klingende Verbandsgemeinde Kelberg" wieder aufleben lassen. "Der Sinn dieser neuen Veranstaltung soll es sein, dass die Musikvereine wieder näher zusammenrücken", erklärt Hermann Jax, Vorsitzender des MV Retterath. Eine Meinung, der sich auch Guido Lenartz, Vorsitzender des MV Katzwinkel, anschließt. "Die Veranstaltung ist sehr gut. Denn wenn die Vereine sich nicht gegenseitig unterstützen, dann läuft es nicht." Tatsache ist: Den Musikvereinen fehlen schlichtweg die Zuhörer, was sich auch in den Kassen der Vereine niederschlägt. Doch die Gruppen brauchen Einnahmen, um ihre Aufgaben erfüllen zu können, und dazu gehört auch eine volle "Hütte" bei Veranstaltungen. Guido Lenartz erklärt das Dilemma der Vereine: "Wir haben rund 20 Auftritte im Jahr, davon werden zwei Drittel nicht bezahlt, weil sie Besuche auf Gegenseitigkeit sind. Alle paar Jahre veranstalten wir ein Musikfest, ansonsten leben wir von den Beiträgen und der jährlichen Karnevalsveranstaltung im Dorf." Auch Dietmar Pitzen, Dirigentin des MV Bodenbach, weiß um die Schwierigkeit, Gäste zu Veranstaltungen zu bekommen und begrüßt die Initiative zur "Klingenden Verbandsgemeinde". "Das ist eine positive Sache, und ich kann es nur begrüßen. Besonders gut finde ich es, dass hier alle Vereine von Anfang an dabei sind, so dass man auch die Darbietungen der anderen Vereine hören kann." Dass die Bürger aus dem Dorf jedoch nicht einmal zu Musikveranstaltungen kommen, kann Pitzen nicht verstehen. "Die Musikvereine leisten einen wichtigen Beitrag im Dorf, aber das wird als selbstverständlich von den Bürgern hingenommen." Alle sechs Vereine im Retterather Bürgerhaus hatten eine halbe Stunde Zeit, ihr Können zu demonstrieren. So erklang - von der Polka, Märschen bis zu moderner, flotter Musik - das ganze Repertoire der Musikvereine. Leider zeigte sich auch hier wieder, dass zwar die Idee gut ist, aber nur wenige Bürger das musikalische Angebot annahmen. Sicher ist, dass die "Klingendende Verbandsgemeinde" nun jährlich abwechselnd von einem der sechs Vereine der VG Kelberg durchgeführt wird, und vielleicht steigt dann auch das Interesse der Bürger.

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