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Der Sarg wird immer unbeliebter

Daun/Feusdorf. Nicht nur in der Stadt, auch auf dem Land geht die Zahl der Erdbestattungen zurück. Die Folge: Auf den Friedhöfen gibt es immer mehr Freiflächen. Zudem bekommen die Kommunen Probleme bei der Finanzierung der Friedhofspflege. Falk Straub

Daun/Feusdorf. Der Friedhof in Feusdorf ist klein. Aber er ist ein gutes Beispiel dafür, wie es in der Region Trier vielerorts auf den letzten Ruhestätten aussieht: Vor Jahren großzügig erweitert, stehen zahlreiche Grabreihen leer, deren Pflege die Kommunen zunehmend vor Probleme stellt.
"2011 haben wir kostendeckend gearbeitet", sagt Franz-Josef Hilgers, Bürgermeister des 620-Einwohner-Orts in der Verbandsgemeinde (VG) Obere Kyll, gibt aber auch zu bedenken: "Wir sind eine kleine Gemeinde, die ihre Friedhofspflege mit geringfügig Beschäftigten leistet. Größeren Kommunen entstehen hier sicherlich deutlich höhere Kosten." In Feusdorf liegen diese bei rund 3000 Euro im Jahr.
Hilgers steht vor der Leichenhalle und blickt über den alten Teil des Friedhofs, der nahe dem Ortsausgang in Richtung Esch liegt. Auf diesem sind ausschließlich Erdbestattungen möglich. Zwischen den Grabsteinen tun sich einige Lücken auf.
Auf der gegenüberliegenden Seite sind die Freiflächen noch größer. Im neuen Teil, um den der Friedhof 2002 erweitert wurde, ist Platz für 100 Wiesengräber, 80 Urnengräber, 50 anonyme Urnengräber und 35 Gräber für Erdbestattungen.
"Nach heutigem Stand hätten wir den Friedhof vor zehn Jahren nicht erweitert", sagt Hilgers. Den Bedarf an Erdbestattungen deckt der alte Teil weiterhin ab. Momentan sind dort über 20 Grabstätten frei. Die letzte Neubestattung mit Sarg hat es 2009 gegeben.
Viel niedrigere Gebühren


Seit 2001 halten sich Erd- und Feuerbestattungen in Feusdorf die Waage. Im vergangenen Jahr neigte sich die Waage jedoch auf die Seite der Feuerbestattungen. Ein Trend, der sich im gesamten Landkreis abzeichnet (siehe Grafik).
Während in den Verbandsgemeinden Daun und Gerolstein schon seit mehreren Jahren mehr Urnen als Särge beigesetzt werden, gibt es in den Verbandsgemeinden Hillesheim, Kelberg und Obere Kyll weiterhin eine Überzahl an Erdbestattungen. Doch auch hier nehmen die Feuerbestattungen zu.
Ein Grund dafür könnten die viel niedrigeren Gebühren sein. Eine Tatsache, die den Kommunen auch zusehends finanziell Probleme bereitet, da die Friedhofspflege von den Gebühren bezahlt werden muss. "Die erzielten Einnahmen decken oft nicht mehr die nötigsten Ausgaben einschließlich kalkulatorischer Kosten", sagt Dieter Hilgers, Fachbereichsleiter der VG Obere Kyll.
Das sieht auch Dauns Stadtbürgermeister Wolfgang Jenssen so. "Der Landesrechnungshof hat festgestellt, dass wir die Gebühren auf dem Dauner Friedhof deutlich verändern müssen", sagt Jenssen. Die Relation zwischen den Gebühren für Erdbestattungen und Urnenbestattungen stimme nicht mehr.
Hier ist Feusdorf Daun bereits einen Schritt voraus: Um auch in Zukunft kostendeckend arbeiten zu können, hat Feusdorf seine Friedhofsgebühren neu kalkuliert. Momentan liegen sie bei 190 Euro für ein Urnenreihengrab, wohingegen ein Reihengrab, in dem ein Sarg bestattet wird, 460 Euro kostet.
"Wir hatten damit gerechnet, dass die Gebühren für Urnengräber deutlich steigen. Die Vorgaben des Gemeinde- und Städtebunds zur Friedhofsgebührenkalkulation ließen dies jedoch nicht zu", sagt Bürgermeister Hilgers.
Die Urnengräber seien nach der Neukalkulation sogar günstiger geworden. "Nehmen die Feuerbestattungen aber weiterhin in dem Maße zu wie bisher, werden sich die Gebühren spätestens in fünf Jahren zulasten der Urnengräber verschieben", sagt Franz-Josef Hilgers.