"Der Schandfleck ist ja ohnehin schon da"

"Der Schandfleck ist ja ohnehin schon da"

DENSBORN. Das Gewerbegebiet "In den Feldern" wächst und wächst: Mit der aktuellen Genehmigung zur Erweiterung auf 8,2 Hektar ist das Areal in den Kyllauen aber ausgereizt. Nötig wurde die Vergrößerung, weil die Firma Endter-Sintertechnik in Densborn expandieren wird. Naturschützer resignieren, weil "der Schandfleck ja eh da ist".

"Der Verbandsgemeinde lag seit 7. Dezember eine vertrauliche Anfrage der Firma Endter für eine Betriebserweiterung vor", erklärt Klaus Jansen, Fachbereichsleiter Bauen und Lebensgrundlagen. Am 27. Dezember vergangenen Jahres stellte die Verbandsgemeinde (VG) Gerolstein die Anträge. Weil das Densborner Gewerbegebiet im Landesentwicklungsprogramm und im regionalen Raumordnungsplan als "offen zu haltendes Wiesental, Vernetzungsachse für Arten- und Biotopschutz sowie Wassersicherungsraum" ausgewiesen ist, wurde ein so genanntes Zielabweichungsverfahren nötig, was von der Oberen Landesplanungsbehörde am 20. April eingeleitet wurde (der TV berichtete 24. April). Ende Juli kamen die Zusagen aus Mainz für die 1,6 Hektar große Erweiterung, wovon 1,2 Hektar gewerbliche Bauflächen sind (hauptsächlich in Richtung Mürlenbach). Allerdings machen die Ministerien für Inneres, Wirtschaft und Umwelt etliche Auflagen. Danach muss die Firma Endter "das zu errichtende Gebäude so nah wie möglich an die angrenzende L 24 platzieren, damit der verbleibende Tal-Auebereich nicht weiter eingeengt wird". Firmenchef Carsten Endter ist momentan in Urlaub, verspricht aber, "sich über seine Pläne dann konkret zu äußern, wenn Fakten feststehen". Eine Bauvoranfrage liegt noch nicht im Gerolsteiner Amt vor. Endter-Sintertechnik wurde 1958 gegründet und beschäftigt an den zwei Standorten in Densborn und Mürlenbach etwa 150 Mitarbeiter. Neu im Densborner Gewerbegebiet hat sich die Firma CC-Pharma aus Grevenbroich angesiedelt. Firmenchef Klaus W. Gehrke erklärt: "Wir haben bisher 2,4 Millionen Euro verbaut und diesen Entschluss bisher nicht bereut." Ein kleiner Teil der neuen Erweiterungsfläche liegt hinter der CC-Pharma-Halle, die am 14. November offiziell eingeweiht werden soll. Gehrke sagt: "Hinter der Halle werden wir dann noch ein 600 Quadratmeter großes Laboratorium bauen." Dabei muss er die Auflage beachten, "genügend Platz zwischen einem namenlosen Bach als Uferrandfläche und dem Neubau zur naturnahen Gewässerentwicklung zu lassen". Kein Problem für Gehrke. Er sucht derweil händeringend Teil- und Vollzeitkräfte in den Bereichen Produktion, Buchhaltung und Pharmazie. Von Mitte September bis Mitte Oktober sollen Probeläufe am neuen Eifeler Standort gefahren werden. Nach TV-Informationen steht noch ein weiterer Neubau an. Die Firma Aqua-Spa, derzeit noch in Hallen der Firma Leka untergebracht, soll zwischen Leka-Halle und künftigem Endter-Gebäude bauen. Bisher wurden im 6,6 Hektar großen Areal (davon 3,2 Hektar gewerbliche Flächen) von den vier Betrieben seit 2000 rund 110 Arbeitsplätze geschaffen. Die Ortsgemeinde bewertet die Entwicklung als "äußerst positiv". Dieter Classen, Erster Beigeordneter, erklärt: "Damit erreichen wir unsere Ziele, Arbeitsplätze und Kaufkraft zu schaffen sowie junge Familien vor Ort zu halten." Mit Blick auf die Firma Endter meint Classen: "Wir haben mit Endter-Sintertechnik gute Erfahrungen gemacht. Sie haben viele Leute ausgebildet, die auch vor Ort geblieben sind." Momentan wird eine Erschließungsstraße entlang des bisherigen Gewerbegebietes zum neuen Teilstück Richtung Mürlenbach gebaut. Von den 104 777 Euro Gesamtkosten übernimmt das Land 51 130 Euro. 14 400 Euro steckt die Ortsgemeinde in die Begrünung des Gewerbegebietes. Jansen erklärt: "Die VG und die Ortsgemeinde legen Wert auf eine ordentliche Begrünung. Deshalb wurde freiwillig ein ergänzendes Pflanzkonzept erarbeitet." Ein Teil der Pflanzungen wurde bereits im Frühjahr ausgeführt. Der Rest soll im Herbst erledigt werden. Die Natur- und Umweltschützer werden für die Erweiterung bei der anstehenden Bauleitplanung gehört. Thea Merkelbach, Vize des BUND-Kreisverbandes, meint: "Der Schandfleck ist ja da. Wir sind nach wie vor überzeugt, dass es ein Fehler war, das Gewerbegebiet im Kylltal zu genehmigen. Heute ist allerdings weiterer Protest zwecklos."