Der schiefe Kirchturm braucht Stütze

Der schiefe Kirchturm braucht Stütze

Der Kaisersescher Kirchturm ist schief. Das störte die Bürger lange Zeit nicht. Doch nun hat ein Gutachten bestätigt, dass der Turm nicht standsicher ist und dringend saniert werden muss. Kosten: 610 000 Euro.

Kaisersesch. Der Sage nach hat der Teufel aus Wut über den Neubau der St.-Clemens-Kirche in Mayen deren Turm verdreht. Ob er auch beim schiefen Kirchturm in Kaisersesch seine Finger im Spiel hatte? Wohl nicht. Denn das statische Gutachten eines Ingenieurbüros stellt fest, dass die Schieflage des Escher Turms auf einen ganz irdischen Konstruktionsfehler zurückzuführen ist. Die Fachleute empfehlen eine dringende Sanierung: "Die Turmhelmkonstruktion kann aufgrund der vorhandenen Schäden und Mängel nicht als ausreichend standsicher bezeichnet werden." Die Katholische Kirchengemeinde Kaisersesch muss nun sofort handeln und hat beschlossen, den Turm zu sanieren.
Was das heißt, erklären Pfarrer Volker Malburg und Architekt Alois Bertram. Vor allem bedeutet die ungewöhnliche Maßnahme einen tiefen Griff in die Kirchenkasse. Die erste Kostenschätzung kommt auf rund 610 000 Euro. Das Bistum Trier hat einen Zuschuss von 60 Prozent zugesagt; der Rest lastet zumindest vorerst auf den Schultern der Kirchengemeinde.
Doch Pfarrer Malburg hofft nicht nur auf die Mithilfe der Stadt, sondern auch auf die Spendenbereitschaft aller Kaisers-escher, die sich doch mit dem schiefen Kirchturm identifizieren: "Dieser Turm ist Wahrzeichen und prägt das Stadtbild." Die Kirchengemeinde greife tief in die Tasche für die Stadt. Kunsthistorisch gesehen würde auch ein romanisches Pyramidendach passen, glaubt der Pfarrer. Denn das thronte ursprünglich auf dem Turmschaft.
Im März geht es los


Der spätgotische Turmhelm wurde Mitte des 13. Jahrhunderts aufgesetzt und beim Kirchenneubau Ende des 18. Jahrhunderts erneuert. Diese Holzkonstruktion, die der damalige Zimmermeister auch bei der St.-Clemens-Kirche in Mayen anwandte, verdrehte sich im Laufe der Jahrhunderte zu den heutigen schiefen Kirchtürmen. In den 1960er Jahren wurde der Kaisersescher Turm zuletzt im Inneren mit zusätzlichen Hölzern versehen.
Diese Reparatur erfüllt jedoch kaum die ihr zugedachte Funktion, die Neigung des Kirchturms aufzuhalten. Bertram erklärt, dass weniger die mittlerweile denkmalgeschützte Drehung die Standfestigkeit des Turms gefährdet, sondern vielmehr das durch die Dachhaut eingedrungene Wasser, das zur Holzfäulnis und damit zum Kippen der gesamten Konstruktion führt: "Die jetzige Turmspitze befindet sich knapp einen Meter außerhalb des Lots."
Im März wird die Kirche mit einem Gerüst abgesichert. Dann wird der 50 Tonnen schwere Turm vom Schiefer befreit und mit Hilfe eines Riesenkrans wahrscheinlich in zwei Teilen abgebaut. Auf dem Parkplatz des Hotels Zur Post ersetzen dann die Zimmerleute die schadhaften Eichenholzteile durch neue.
Die nächste Herausforderung ist, die beiden sanierten Turmteile auf dem Schaft wieder passgenau zusammenzusetzen, sagt Bertram. Deshalb werde auch der Abbau in einem Stück geprüft.
Um den Anliegern die Evakuierung beim Abbau zu versüßen, aber auch, um alle Escher zum Spenden zu motivieren, soll es ein Fest auf dem Alten Postplatz geben, verspricht der Pfarrer. Spenden kann man jetzt schon.
Spendenkonto: Raiba Kaisers-esch, Kontonummer 100 140 281 (BLZ 570 691 44), Stichwort: Außenrenovierung Pfarrkirche.