Der Studienrat als Sanitäter im Dorf

Der Studienrat als Sanitäter im Dorf

Als erste im Landkreis Vulkaneifel hat die Ortsgemeinde Mannebach (Verbandsgemeinde Kelberg) das Ersthelfersystem "First Responder" angeschafft. Die Initiative dazu hatte der Neubürger Malte Möbius, der Lehrer ist und außerdem als Rettungsassistent beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) tätig .

Mannebach. (bb) "Eine Investition, die sich im besten Fall nicht rechnen soll, eine Anschaffung, von der wir hoffen, dass sie möglichst selten zum Einsatz kommt", sagt der Mannebacher Ortsbürgermeister Walter Eich, als er dem Trierischen Volksfreund die 2400 Euro teure Ausrüstung vorstellt.

Was zunächst widersprüchlich klingen mag, hat in einer ländlich strukturierten Region wie dieser aber durchaus seine Berechtigung. Handelt es sich bei dem aus Funkmelde-Empfänger, Defibrillator und Sauerstoffset bestehenden "First Responder" doch um ein System, mit dem im Ernstfall gerade die besonders wichtigen ersten Minuten genutzt werden können.

Die Idee, den "Helfer vor Ort" anzuschaffen, hatte Malte Möbius. Der 42-Jährige war vor gut einem Jahr mit seiner Frau Kaja, drei Kindern, zwei Pferden und einem Hund aus dem Kreis Coesfeld im Münsterland in die Vulkaneifel umgezogen - nach Mannebach auf einen zwei Jahre zuvor gekauften Bauernhof. Der Studienrat unterrichtet Sport, Erdkunde und evangelische Religion an einem Gymnasium in Bendorf/Rhein. Und Malte Möbius ist seit seinem 18. Lebensjahr ehrenamtlich im Rettungsdienst und in der Helferausbildung engagiert. Seine ersten Einsätze in der Eifel waren bei Großveranstaltungen auf dem Nürburgring; zurzeit ist er beim DRK-Kreisverband Mayen-Koblenz unter Vertrag.

"Wir wurden sehr freundlich im Dorf aufgenommen, und wir fühlen uns sehr wohl hier", sagt er dem TV. Da habe es nahe gelegen, seine Kenntnisse als Rettungsassistent in die Dorfgemeinschaft einzubringen.

Will heißen: Wenn am 22. August der Mannebacher "First Responder" bei der Rettungsleitstelle in Trier freigeschaltet wird, ist im Notfall Malte Möbius als Erster beim Patienten - vor den Mitarbeitern der zuständigen Rettungswache Kelberg und vor dem in Daun stationierten Notarzt - und kann Basismaßnahmen und eventuell die Reanimation einleiten. "Natürlich bin ich nicht rund um die Uhr erreichbar", räumt er mit Blick auf seine berufliche Tätigkeit ein.

"Der Beschluss des Ortsgemeinderates, das System anzuschaffen, war einstimmig", erinnert sich Walter Eich: "Ich halte den ,First Responder' für eine gute Idee, eine gute Investition und die Initiative von Malte Möbius für vorbildlich." EXTRA "First Responder" (englisch für "Erstversorger") ist eine Einrichtung außerhalb des Rettungsdienstes, um bei Notfällen die Zeit bis zum Eintreffen eines Rettungsmittels mit qualifizierten basismedizinischen Maßnahmen zu überbrücken. Das eingesetzte Personal hat eine geregelte Ausbildung absolviert, daher erreichen die Hilfeleistungen ein Niveau deutlich oberhalb der Laienhilfe. Bei Unglücken und Unfällen ist der "First Responder" verantwortlich für eine konkretere Einschätzung der Lage am Unglücksort und kann Einsatzkräfte nachfordern, so dass eine effektivere Disponierung der Hilfe möglich ist. Die Idee des "First Responder" stammt aus den großen und vergleichsweise dünn besiedelten Flächenlandkreisen in den USA. 1986 ging das System in Deutschland erstmals beim DRK Karlsruhe an den Start. (bb)