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Der Traktor feiert Geburtstag, doch Treffen finden nicht statt

Der Traktor feiert Geburtstag : Doch Traktortreffs finden wegen Corona nicht statt

Traktor- und Schlepperfreunde können dieses Jahr nicht gemeinsam feiern - wegen der Coronakrise fallen viele Traktortreffs aus.

Vor etwa 70 Jahren trat der Traktor ins Leben der Bauern, also auch in der Eifel, die landwirtschaftlich geprägt war. So verschwanden Pferde, Ochsen und Kühe, die bisher unersetzbare Zug- und Nutztiere waren, fast ganz aus dem bäuerlichen Leben. Hanomag, Lanz, Fendt und andere Fabrikate kamen auf die Höfe in der Vulkaneifel und übernahmen die Arbeit der Tiere aus dem Stall. Ein Traktor-Boom setzte ein, und das Jahr 2020 könnte ein „Jubiläumsjahr“ sein.

Die Landmaschine war und ist mehr als eine vielseitige Arbeitsmaschine – sie ist ein tuckerndes Kultobjekt, auf das sich gern Mann, Frau und Kind setzen. Inzwischen ist der Traktor für die verbliebene Landwirtschaft unverzichtbar geworden und hat sich enorm weiterentwickelt, von mit Dampfmaschinen angetriebenen ersten Modellen zu modernen Hightech-Maschinen. Aber je älter der motorisierte landwirtschaftliche Helfer ist, desto mehr wird er gepflegt und gehegt. Er wird zum antiken Vorzeigemodell. Deshalb freuen sich auch viele Traktor-Oldtimer-Besitzer auf Traktoren- oder Schleppertreffs wie in Gillenfeld oder Kradenbach.

In Gillenfeld wurde sogar 1990, vor 30 Jahren, der Verein „Schlepperfreunde“ gegründet. Stolz erklären die Besitzer der Landwirtschafts- und Erntehelfer ihren „Schatz“, an dem sie vielleicht jahrelang geschraubt, geschweißt, angestrichen und nach rar gewordenen Ersatzteilen gesucht haben, und das alte Gefährt ist immer noch brauchbar. Aus manchem Wrack ist wieder ein Nutzteil geworden. Kurt Hendges, Vorsitzender der Schlepperfreund Gillenfeld, sagt: „Wir pflegen Brauchtum mit den alten Traktoren, ein schönes Hobby, das unsere intakte Gemeinschaft zusammenschweißt, wenn wir gemeinsam die Nutzfahrzeuge restaurieren.“

Er erzählt weiter von der nicht alltäglichen Freizeitbeschäftigung, bei der technische und andere Probleme gemeinsam gelöst werden: „Ich sammle Eicher Bulldogs, fahre einen Eicher Wotan Allrad, gebaut Ende der 60er Jahre mit sechs Zylindern und außerdem einen weiteren Eicher, den Vater 1964 mit in die Ehe brachte. Viele von uns im Verein sind mit Traktoren groß geworden, und sie fahren ihren Familienbulldogg immer weiter. Gillenfeld hat unsere Treffs fest in den Veranstaltungskalender aufgenommen, denn es ist ein besonderes Fest, bei dem sich viele Altertümchen ein Stelldichein geben. 2020 findet jedoch kein Traktortreff statt.“

Traktortreffs werden von den vielen Teilnehmern auch genutzt, um mit Gleichgesinnten zu fachsimpeln oder Geselligkeit zu genießen. Man kann auch den ältesten Traktor noch brauchen. Josef Hau vom Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Kradenbach erkärt: „Wir sind für die Schleppertreffen, die alle zwei Jahre mit einem gutbesuchten Teile- und Bauernmarkt mit etwa 30 Ständen durchgeführt werden, zuständig. Unsere Mitglieder des Fördervereins reparieren Altertümchen eigenständig, und bei jedem Treff sind ungefähr 400 Aussteller und entsprechend Interessenten zu Gast in Kradenbach. Unsere diesjährige Veranstaltung, die für Mitte Juli vorgesehen war, findet leider durch die Coronakrise nicht statt“.

Wenn Holz aus dem Wald gefahren wird oder Baumaterial zu den Handwerkern, dient er als „Zugtier“ und dann lassen sich weitere Arbeiten mit ihm leicht und kräftesparend erledigen, wenn zum Beispiel Ladegabel oder Winde hinzugekauft werden. Es gibt auch Traktor-Liebhaber, die sich einer ganz bestimmten Marke verschreiben. Die Fans treffen sich zu Ausflugsfahrten, laden zu Oldtimer-Rennen ein und organisieren Ersatzteilbörsen. Viele Traktor-Restaurateure haben mehr als ein Modell in der Garage stehen.

Nicht selten bekommt man im Fernsehen zu sehen, das Wagemutige weite Fahrten nach Italien oder Spanien wagen. Und wenn die Bauern für ihr Wohl demonstrieren, fahren sie mit ihrer auf Hochglanz getrimmten Arbeitsmaschine zum Protest nach Berlin oder Mainz und legen dort den Großstadtverkehr lahm. Bereits in den 1930er Jahren wurden die ersten Traktormodelle mit Luftreifen hergestellt. Zuvor hatte man umständlich Eisen- und Elastikreifen austauschen müssen, wenn man vom Feld auf die Straße fahren wollte. Und was geschah mit den Tieren, auf die man einst nicht verzichten konnte?

Die Pferde sind zu einem Luxusbesitz geworden, der zum Ausreiten oder Sport dient, während die starken Ochsen zum Verzehr im Schlachthof landen. Kühe gibt es heute fast nur noch in Massenhaltung für die Milch- und Fleischwirtschaft. Ein Fuhrwerk in einstiger Form ist heute eine Seltenheit und wer einem Gespann begegnet, zückt wahrscheinlich das Kamerahandy, denn es bietet sich ein seltenes Fotomotiv.