Der vor dem Kurs tanzt

Deutsche Sprache, Gesetze, Gepflogenheiten, europäische Geschichte und die Grundzüge der Jobvermittlung: In der Bildungsstätte der Agentur für Arbeit in Daun werden derzeit 13 Flüchtlinge aus der Region Trier/Koblenz besonders geschult - als Vorbereitung auf ihre künftige Ausbildung zu Fachangestellten für Arbeitsdienstleistungen.

Daun. Es wird viel gelacht, geredet und auch manchmal getanzt im Kurs von Vanessa Rogall und Joachim Becker in der Bildungsstätte der Agentur für Arbeit in Daun. Dort werden seit Anfang Oktober bis Ende August nächsten Jahres 13 Flüchtlinge, überwiegend aus Syrien, vorbereitet: auf ihre Ausbildung zu Fachangestellten für Arbeitsdienstleistungen. Die werden sie, falls sie den Kurs erfolgreich absolvieren, im September 2017 bei der Agentur für Arbeit in Rheinland-Pfalz und im Saarland beginnen. So wie ihre 14 Vorgänger, die bereits seit zwei Monaten Azubis sind.
Aber warum tanzen? "Wir hatten ein paar Probleme mit der Pünktlichkeit. Da haben wir uns überlegt, dass jeder, der zu spät kommt, seinen Namen vor der Gruppe vortanzt. Also tanzt und jeden Buchstaben seines Namens dazu auf Deutsch erklärt. Das mit der Pünktlichkeit hat dann schnell geklappt", sagt Lehrerin Vanessa Rogall mit einem verschmitzten Lächeln, das sich dann auch rasch auf die Gruppe überträgt.
Apropos Pünktlichkeit. Die steht ganz oben auf der Tafel mit den Regeln, die für die Gruppe gelten. Und über die ist unter den Teilnehmern viel diskutiert worden - weil so manches im eigenen Heimatland eben einen etwas anderen Stellenwert hat. "Ja, bei den Regeln hatten wir bisher am meisten Spaß", bestätigt Mustafa Hani.
Der 23-jährige Kurde aus Syrien, der seit zweieinhalb Jahren in Deutschland lebt, ist besonders von der Atmosphäre in der Bildungsstätte angetan. Er sagt: "Es wurde sehr viel Wert auf das gegenseitige Kennenlernen gelegt. Das ist sehr gut. Wir fühlen uns bereits wie eine große Familie." Außerdem findet er toll, dass die Lehrer immer wieder dazu ermutigten, Deutsch zu sprechen, auch wenn es noch etwas fehlerhaft sei. "Wir sprechen sogar abends, wenn wir untereinander in der Kaffee-Ecke sitzen, Deutsch. Dadurch ist meine Sprache schon viel besser geworden." Weshalb er sich für den Kurs entschieden habe, der ihm die Ausbildung ermöglichen soll? "Viele von uns wissen nicht, was sie in Deutschland tun sollen. Ihnen will ich helfen", sagt er.
Bei Orkan Samadar, 32-jähriger Jurist aus Aserbaidschan, ist das etwas anders. Nachdem er gemerkt hatte, dass er mit seinem Abschluss und seinen Sprachkenntnissen in Deutschland nicht als Jurist werde arbeiten können, habe er sich im handwerklichen Bereich versucht - und schnell gemerkt: "Das kann ich überhaupt nicht." Doch da er weiß, wie Gesetze zu lesen, zu interpretieren und letztlich anzuwenden sind, ist er bei dem Job, den er nun anstrebt, sehr zuversichtlich. "Da geht es ja auch darum, Gesetze anzuwenden. Sozialgesetze." Vom Miteinander und dem pädagogischen Konzept er ist ebenso wie seine Mitschüler angetan.
Er sagt: "Die Unterrichtsmethoden sind so anders, als ich sie kenne. Und sie sind gut. Ebenso wie die freundliche Atmosphäre und Hilfsbereitschaft, die hier herrschen."
Das betont auch Parisa Pouradi (28) aus dem Iran, die Psychologie studiert hat. "Ich habe hier in der Schule und sonst in Deutschland schon so viel Hilfsbereitschaft erfahren. Daher möchte ich mit meinem neuen Job auch anderen Leuten helfen."
Auch Adawya Zaghnoon (22) aus Syrien ist angetan von der Atmosphäre - und ist sich jetzt schon sicher, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Weil sie Anschauungsunterricht hatte. Zuhause, von ihrem Bruder, der im vergangenen Jahr den Kurs durchlaufen hat. Sie berichtet: "Wie er während der zehnmonatigen Vorbereitung sein Deutsch verbessert hat. Unglaublich! Er spricht jetzt sogar zuhause fast nur noch Deutsch und hat den Kurs immer wieder und wieder gelobt." Das wolle sie auch. Daher ihre Bewerbung.
Das größte Lob hat allerdings bereits die Bundesministerin für Arbeit (und Soziales), Andrea Nahles (SPD) anlässlich des Festakts zum 50-jährigen Bestehen der Bildungsstätte im August ausgesprochen. Sie sagte zum einem, dass man nicht nur an Unternehmen appellieren könne, etwas zur Integration beizutragen, sondern auch selbst mit gutem Beispiel vorangehen müsse.
Zum anderen betonte sie: "Durch das Projekt leisten wir nicht nur einen Beitrag für diese gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sondern verbessern so auch unsere Organisation. Denn diese Menschen bringen neue Kompetenzen ein und können eine Brückenfunktion für andere Flüchtlinge einnehmen."