Dicke Brötchen

UERSFELD. Das größte Projekt der Ortsgemeinde Uersfeld ist derzeit der Umbau des Bürgersaals. Besonders aktiv dabei sind die Jugendlichen, denn für sie entsteht im unteren Teil des Gebäudes ein eigener Raum.

Bei manch einem Ortsbürgermeister einer Gemeinde ähnlicher Größenordnung könnte fast etwas Neid aufkommen: Wer durch Uersfeld mit seinen knapp 800 Einwohnern geht, ist erstaunt, was dort alles vorhanden ist. Ein Einkaufszentrum, Autohändler, Gaststätten und eine Tankstelle. Was in anderen Dörfern längst verschwunden ist, gehört in Uersfeld noch zum Alltag. Ein besonderes Geheimnis, warum ausgerechnet Uersfeld so lebendig ist, gibt es nicht. Allerdings profitiert der Ort durchaus von seiner Lage als "Metropole" des Oberen Elztals. "Wir haben ein großes Einzugsgebiet. Für viele Leute aus der Umgebung ist Uersfeld die Anlaufstelle, um viele Dinge des täglichen Bedarfs zu erledigen", erklärt Ortsbürgermeister Andreas Daniels.Gemeinde profitiert vom Fremdenverkehr

Ein weiteres Plus für den Ort ist der nur wenige Kilometer entfernte Ferienpark in Gunderath, ein Fremdenverkehrs-Riese mit mehr als 500 000 Übernachtungen pro Jahr. Von dort kommen viele Urlauber zum Einkaufen nach Uersfeld. Daniels blickt zufrieden auf die heutige Situation des Dorfs, zu der er seit mehr als einem Jahrzehnt an vorderster Stelle beiträgt. "Aber immer auch zusammen mit dem Gemeinderat", legt er Wert auf den Hinweis, dass nicht er allein, sondern nur im Zusammenspiel etwas für den Ort bewegt wurde. 1994 wurde er erstmals an die Spitze der Gemeinde gewählt, damals "völlig überraschend", wie er sich erinnert. 1998 wurde er im Amt bestätigt, und nach der Kommunalwahl im Juni dieses Jahres hat er seine dritte Amtszeit angetreten. Das größte Projekt der Gemeinde ist derzeit der Umbau des Bürgersaals.Jugendliche bei Umbau besonders engagiert

Das Gebäude war 1951 erbaut worden. Im Untergeschoss befand sich früher eine Bäckerei, die dem späteren Sitzungs- und Versammlungsraum den Namen "Backstuw" gab. Oben war ein Tanzsaal, den die Ortsgemeinde nach dem Erwerb des Hauses 1971 zu einem Bürgersaal umfunktionierte. 1978 wurden die Fenster erneuert, 2000 wurde die Fassade neu gestaltet. Der Bürgersaal ist der zentrale Ort für die großen Veranstaltungen wie Kirmes und Karneval und deshalb auch für den Bürgermeister "unverzichtbar". So beschloss der Rat, trotz angespannter Haushaltslage den großen Saal zu sanieren und die "Backstuw" umzubauen. Nach zwei vergeblichen Anläufen bekam Uersfeld im vergangenen Jahr einen Zuschuss des Landes aus dem Investitionsstock von 84 000 Euro. Die Gesamtkosten für das Vorhaben belaufen sich auf rund 220 000 Euro. Eine wichtige Vorarbeit leistete Ratsmitglied Berthold Engelhardt, der kostenlos die Entwurfsplanung machte. Die Lücke zwischen Zuschuss und Gesamtkosten muss die Gemeinde allein "stemmen". Sie baut dabei darauf, dass einiges an Eigenleistung gemacht werden kann. Besonders aktiv dabei sind Uersfelder Jugendliche, die schon manche Stunde "geschuftet" haben. Nicht ohne Grund, denn nach der Renovierung des unteren Teils des Bürgersaals entsteht dort ein neuer Jugendraum. Auf den haben die Jugendlichen lange gewartet, denn ein eigenes Domizil für sie gab es seit Jahren nicht mehr.