Die 662 000-Euro-Variante

Die 662 000-Euro-Variante

Jeweils mehrheitlich bei Ablehnung einzelner SPD-Vertreter haben sich sowohl der Haupt- und Finanzausschuss als auch der Bauausschuss der Stadt Daun für eine Sanierung des maroden Gemeindehauses in Daun-Pützborn im nächsten Jahr ausgesprochen. Die favorisierte Variante soll 662 000 Euro kosten. Morgen entscheidet der Stadtrat (ab 17 Uhr im Rathaus) endgültig.

Daun. Uli Domenghino (SPD) ist hin- und hergerissen, wenn es ums Pützborner Gemeindehaus geht: Einerseits weiß er, dass das Platzangebot schlecht, der Zustand des Gebäudes (und besonders der Toiletten) miserabel ist und daher "auf jeden Fall etwas gemacht werden muss". Andererseits werde es auch bei einer Generalsanierung "stets ein Provisorium bleiben".
Daher stimmte er anders als die Mehrheit von Haupt-, Finanz- und Bauausschuss sowie des Ortsbeirats von Pützborn gegen die Umbauvariante, die 662 000 Euro kosten soll. Domenghino hatte sich für die mit 580 000 Euro kostengünstigste Version ausgesprochen.
Beide Ausschüsse empfahlen dem morgen tagenden und letztlich entscheidenden Stadtrat, den Umbau im nächsten Jahr zu starten und die erforderlichen 662 000 Euro in den Haushalt einzustellen. Denn nur so kann rechtzeitig beim Land ein Zuschuss beantragt werden, ohne den das Vorhaben nicht zu realisieren ist.
CDU-Fraktionsvorsitzender Gerd Becker wiederum sagte: "Ich befürworte, dass hier endlich etwas geschieht. Der Bedarf, in Pützborn etwas zu tun, ist da. Alle Stadtteile sind, was die Gemeindehäuser betrifft, gut ausgestattet.
Nur einer der größten Stadtteile eben nicht." Sein Parteikollege Johann Strunk, zugleich Ortsvorsteher von Pützborn, hatte vor den Sitzungen gesagt: "Ich hoffe auf einen Baustart 2017. Es muss jetzt endlich was passieren. Die Bürger haben kein Verständnis mehr für die bestehende Situation."
3000 Euro Stromkosten im Jahr


Mit dem Umbau sollen gleich mehrere Dinge erreicht werden: mehr Platz, Barrierefreiheit, eine Modernisierung der sanitären und gesamten technischen Anlagen sowie mehr Behaglichkeit. "Das Haus ist klein und heruntergekommen, für die Toiletten kann man sich nur noch schämen, es hat nur eine veraltete Miniküche und wird von immer mehr Senioren gemieden, da sie die vielen Treppen überhaupt nicht mehr steigen können", sagt Strunk.
Hinzu kommt, dass das Haus nicht gedämmt ist und mit einer Nachtspeicherheizung beheizt wird. Die Folgen: 3000 Euro Stromkosten im Jahr und ein Saal, der doch nie so richtig warm wird. Die von der Dauner Architektin Julia Gieseking erarbeitete und in den Ausschüssen vorgestellte Planung sieht eine energetische Generalsanierung mit Außendämmung, neuer Heizung, neuen Fenstern und neuer Dachdämmung und -eindeckung sowie den Anbau eines Aufzugschachts vor.
Durch den frei werdenden Platz des bisherigen Treppenhauses würde der Saal um zwölf auf 86 Quadratmeter wachsen. Und da auch die bislang im Erdgeschoss untergebrachte Feuerwehr in ein eigenes Gebäude umziehen soll, wäre dort Platz für einen weiteren, gut 30 Quadratmeter großen Veranstaltungs- oder Jugendraum. Daneben würden komplett neue und um eine Behindertentoilette ergänzte sanitäre Anlagen entstehen.
Und: Anders als heute würde man das Erdgeschoss über einen ebenerdigen Eingang erreichen, das Obergeschoss per Treppe oder Fahrstuhl.Extra

Nachdem vor rund 20 Jahren Pläne einer Erweiterung des Hauses (auch wegen Uneinigkeit im Pützborner Ortsbeirat) scheiterten, tat sich viele Jahre nichts. 2010 wurde dann die Idee verfolgt, das alte und marode Gebäude abzustoßen und dafür die ehemalige Wäscherei im Gewerbegebiet zu einem Gemeindehaus umzubauen. Dafür und für die Generalsanierung des bestehenden Bürgerhauses wurden für viel Geld Umbaupläne in Auftrag gegeben. Die im Ort favorisierte Wäscherei-Variante musste letztlich aber fallen gelassen werden, da das Land als maßgeblicher Zuschussgeber Nein sagt. "Da wir ein bestehendes Gebäude haben, wurde sich geweigert, in ein weiteres zu investieren", erinnert sich Pützborns Ortsvorsteher Johann Strunk. Daher blieb nur noch die Generalsanierung des bestehenden Gebäudes. mhExtra

Der Schein trügt: Das Gemeindehaus sieht noch ganz okay aus, ist aber seit Jahren marode. TV-Fotos (2): M. Hübner. Foto: Mario Hübner (mh) ("TV-Upload H?bner"
Die Toiletten sind alt – und oft kaputt. Foto: Mario Hübner (mh) ("TV-Upload H?bner"

Mit 662 000 Euro wird die Generalsanierung samt Umbau des Gemeindehauses in Pützborn in der favorisierten Form veranschlagt. Die Bauwerkskosten (unter anderem Anbau mit Treppenhaus, Außendämmung, Fenster, Türen, Dacheindeckung, Fluchttreppe) sollen 284 000 Euro betragen, neue technische Anlagen (Toiletten, Heizung, Lüftung, Elektro, Beleuchtung, Aufzug) 186 000 Euro. Hinzu kommen 166 000 Euro für die Baunebenkosten wie Honorar für Architekten, Planer und Statiker sowie 25 000 für die Außenanlagen. Durch Eigenleistung sollen 34 000 Euro eingespart werden. mh

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