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Die älteste Tankstelle in Daun macht dicht

Daun. Überraschendes Ende: Die Aral-Tankstelle in der Trierer Straße in Daun, die täglich von Tausenden Menschen passiert wird, ist Geschichte. Arbeiter haben die Zapfsäulen abgebaut sowie Logos und Werbebanner entfernt. Der Kiosk soll vorerst bleiben. Tobias Senzig

Daun. Aus und vorbei ist es mit Benzin, Diesel und Super Plus in der Dauner Innenstadt: An der Tankstelle in der Trierer Straße ragen nur noch schwarze Befestigungsrahmen aus dem Boden, wo vorher die Zapfsäulen glänzten. Arbeiter einer Spezialfirma haben sie am Freitag abgebaut. Auch das große Schild an der Einfahrt und die Dachverkleidung haben sie mitgenommen. Nichts Blaues soll mehr an die Vergangenheit des Gebäudes als Aral-Tankstelle erinnern.
50 Jahre ist es her, als dort die Zapfhähne zum ersten Mal aufgedreht wurden. Die Anlage in der Trierer Straße war die älteste noch bestehende Tankstelle in der Kreisstadt.
Käthe Bollonia-Potberg ist die Besitzerin des Grundstücks, auf dem die Tankstelle steht. Bis ins Jahr 2001 hat sie den Betrieb selbst geleitet. Seitdem wird er von Pächtern betreut. Jetzt, im Alter von 80 Jahren, ist für die resolute Dame endgültig Schluss: "Ich kann doch nicht mit 100 Jahren noch Benzin verkaufen", sagt die Daunerin im Gespräch mit dem TV.
Im Jahr 1953 war Käthe Bollonia-Potberg von Hillesheim nach Daun gekommen - der Liebe wegen. Ihr Schwiegervater Anton Bollonia war schon damals Eigentümer einer Tankstelle, "mit einer Fünf-Liter-Pumpe in der Leopoldstraße", wie sie sich erinnert.
Seit den 30er Jahren verkauften die Bollonias für Aral Sprit, wie eine Urkunde beweist. Heute steht der Kinopalast Vulkaneifel auf dem Gelände.
Ende der 50er Jahre wurde die Trierer Straße gebaut. An der Kreuzung zum Weg "Auf\'m Weiher" errichtete die geschäftstüchtige Familie eine neue Tankstelle - das erste Gebäude in der Straße.
Bis in die 60er Jahre hinein pumpten an beiden Standorten die Zapfsäulen, dann schloss die Filiale in der Leopoldstraße. Seit 1968, dem Tod ihres Mannes Ferdinand, führte Käthe Bollonia die Geschäfte in der Trierer Straße. Jetzt ist es auch hier vorbei. "Wenn ich ein bisschen jünger gewesen wäre, sähe das vielleicht anders aus. Aber jetzt ist mir das zu viel Arbeit", sagt die 80-Jährige. Der jetzige Pächter will zumindest das Shop-Gebäude als Kiosk weiternutzen. Auch die Autowaschanlage soll in Betrieb bleiben. "Der Laden ist immer noch da. Wir können die Leute ja nicht einfach auf die Straße setzen", sagt Käthe Bollonia-Potberg.Extra

Warum musste die Tankstelle schließen? Nach der Fusion der Mineralölkonzerne BP und Aral im Jahr 2002 wurden alle vormaligen BP-Standorte zu Aral-Tankstellen. Vielerorts gab es deshalb plötzlich mehrere Aral-Tankstellen, die sich gegenseitig Konkurrenz machen - so auch in Daun. Bereits 2012 hatte BP beschlossen, die kleinere der beiden Dauner Filialen - die in der Trierer Straße - zu schließen. sen

 Ferdinand Bollonia (rechts im Bild) führte seine Tankstelle als echtes Familienunternehmen. Im Bild, das in den 50er Jahren entstand, sind auch seine Frau Käthe (mit Sohn Rudolf auf dem Arm) und Schwager Josef Schlösser zu sehen. Natürlich tragen alle echte Aral-Tankwartmützen. Foto: privat
Ferdinand Bollonia (rechts im Bild) führte seine Tankstelle als echtes Familienunternehmen. Im Bild, das in den 50er Jahren entstand, sind auch seine Frau Käthe (mit Sohn Rudolf auf dem Arm) und Schwager Josef Schlösser zu sehen. Natürlich tragen alle echte Aral-Tankwartmützen. Foto: privat
 Käthe Bollonia bei der Arbeit an der Tanksäule: Gezapft wurde in den 50er Jahren noch per Hand. Foto: privat
Käthe Bollonia bei der Arbeit an der Tanksäule: Gezapft wurde in den 50er Jahren noch per Hand. Foto: privat