Die Aktionen gegen die für das Jahresende angekündigte Schließung der Geburtshilfe-Station in Daun gehen weiter.

Gesundheitswesen : Gegen Geburtshilfe-Aus wird weiter protestiert

Nach der selbst für die Organisatoren unerwartet erfolgreichen Demonstration von rund 1500 Menschen gegen die zum Jahresende angekündigte Schließung der Dauner Geburtshilfe geht es weiter mit Aktionen. Am Sonntag gab es eine Andacht und eine Mahnwache.

Bei einer Nachlese zur Demonstration am vergangenen Mittwoch, bei der mehr als 1000 Menschen gegen das Aus für die Geburtshilfe protestiert hatten, herrschte Einigkeit: Die Aktion war ein voller Erfolg, nur einige „Buh!“-Rufe angesichts der Rede der Krankenhausleitung störten vor allem jene Mitorganisatorinnen, die um ein besonders freundliches Diskussionsklima bemüht gewesen waren.

Nochmals schilderten betroffene Frauen ihre Erfahrungen. So die Mutter eines Säuglings, die in einem größeren Krankenhaus der Region Trier gebären musste: „Unsere Familienplanung ist noch nicht abgeschlossen. Aber ich gehe nie wieder in dieses Krankenhaus. Lieber eine Hausgeburt mit allen Risiken!“

Eine Hebamme betonte den Druck, den auf der anderen Seite das Abrechnungssystem nach Fallpauschalen – eine Geburt bringe nur rund 200 Euro und damit hohe Defizite – auf die Krankenhäuser ausübt. Eine weitere junge Mutter erzählte, dass ihr Kind ohne die Nähe zum Kreisstadt-Krankenhaus nicht überlebt hätte, weil die Wehen sehr plötzlich kamen und sich in letzter Minute auch noch Komplikationen einstellten.

Laut Krankenhausplanung des Landes muss für jede Gebärende eine Geburtsklinik in höchstens vierzig Minuten erreichbar sein, aber: „Das ist von vielen Orten in der Vulkaneifel aus nicht mehr sichergestellt, wenn die Geburtsstation in Daun schließt“, sagt Karin Pinn von den Freien Wählern, die zu den Initiatorinnen der Demonstration gehörte.

Sie, das grüne Kreistagsmitglied Dietmar Johnen, die Linken-Vertreter Marlene Milsenrath und Ken Kubota samt der früheren Kinderärztin Hildegard Slabik-Münter sowie die SPD-Landtagsabgeordnete Astrid Schmitt waren ebenfalls gekommen. Pinn wertete die Demonstration als Rückhalt für die Landtagsabgeordneten, um beim Mainzer Gesundheitsministerium mehr Druck für die Rettung der Geburtsstation zu machen. Die ist, wie der TV bereits berichtete, laut Krankenhausleitung aus unternehmerischer Sicht ausgeschlossen. Die angesprochene Abgeordnete Schmitt zeigte sich entsprechend skeptisch: „Der Erhalt ist mir ein echtes Anliegen, das sage ich nicht nur so. Aber ich bin sehr realistisch geworden. Der Träger hat entschieden.“ Nun müsse über die machbaren Alternativen zum Belegarztsystem diskutiert werden.

Doch dazu kam es nicht. Denn der Moderator der Runde, Tim Becker, komplimentierte die anwesenden  Politiker hinaus. Angesichts der Tatsache, dass die Schließung bereits in wenigen Tagen und Wochen ansteht, könne es nun seitens der betroffenen Bevölkerung nicht um Fachdiskussionen, sondern nur um weitere kreative Proteste gehen mit dem Ziel, wenigstens einen Aufschub zu erreichen.

„Sonst machen wir den zweiten Schritt vor dem ersten. Und für die Planung wirksamer Aktionen brauchen wir einen geschützten Raum ohne Einflussnahme aus der Politik“, bat er um Verständnis. Er bekam es, teils nicht ohne offen gezeigte Enttäuschung. „Danach haben wir befreit richtig gute Ideen entwickeln können, mit denen wir weitermachen“, berichtet Becker im Nachhinein. Wie die aussehen, soll gerade mit einem Überraschungsfaktor viel Aufmerksamkeit erreichen. Der Auftakt der Aktionen wurde gleich am Sonntag gemacht, mit einer offenen Andacht vor der Nikolauskirche und anschließender Mahnwache vor dem Krankenhaus, zu der rund 50 Menschen kamen..

„Den Widerstand gegen die für uns alle überraschende Schließung der Geburtshilfe finde ich verständlich und die Solidarisierung gut. Es sorgt natürlich für viel Unmut, wenn eine solche Grundversorgung wegfällt, vor allem da keine Alternative in der Nähe ist. Es berührt mich. Allerdings kann ich die Entscheidungsfindung des Krankenhauses nicht beurteilen. Wir werden einen Raum in der Kirche schaffen, in der die Menschen ihre Sorgen und Nöte lassen können, ohne zu bewerten“, erklärte der Dauner Pfarrer Ludwig Hoffmann bei der Andacht mit Fürbitten zur Rettung der Geburtshilfestation.

Mehr von Volksfreund