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"Die Bürger sind der Mittelpunkt"

"Die Bürger sind der Mittelpunkt"

Bürgerbrunnen, Hochbrücke, Brunnenareal, Hotel Calluna: Gleich mit mehreren großen und kontroversen Themen sieht sich Friedhelm Bongartz (CDU), seit Sommer Stadtbürgermeister von Gerolstein, konfrontiert. Gut 100 Tage nach Amtsantritt zieht er eine erste Bilanz.

Gerolstein. Anfang November hatte Gerolsteins Stadtbürgermeister Friedhelm Bongartz (CDU) zur ersten Bürgerversammlung in seiner Amtszeit eingeladen und damit ein Wahlversprechen eingelöst. Im Interview mit TV-Redakteur Mario Hübner blickt er auf die ersten vier Monate zurück, spricht über die anstehenden Großprojekte und seine eigene Handschrift.

Herr Bongartz, wie fällt Ihre Bilanz nach gut vier Monaten im Amt aus?
Bongartz: Für mich ist es großartig, meine Erfahrung zum Nutzen der Stadt einbringen zu können. Und es ist auch ein Gefühl der Verantwortung, die ich mit dem Amt innehabe. Man hat mir nach einem gar nicht so einfachen Wahlkampf das Vertrauen geschenkt. Das erfüllt mich erstens mit Stolz, und zweitens setze ich tagtäglich meine ganze Kraft dafür ein, dieses Vertrauen zu rechtfertigen.
Was war bislang das positivste Erlebnis in Ihrer Amtszeit?
Bongartz: Schwer zu sagen. Hervorheben möchte ich aber, dass Leute mir gesagt haben: Ich laufe einer Sache zwei, drei, vier Jahre hinterher, und es ist nichts passiert. Und seit du da bist, ist das Problem auf einmal erledigt worden. Das war oftmals nur eine Kleinigkeit, wie einen Gehweg mit Zaun instand zu setzen, was schon seit Jahren versprochen worden war. Es ist aber wichtig, dass die Leute spüren, dass sie der Mittelpunkt sind und nicht der Bürgermeister.

Was ist Ihnen sauer aufgestoßen?
Bongartz: Bislang nichts.

Hochbrücke, Brunnenareal, Hotel Calluna, Bahnhofsumbau: Fühlen Sie sich angesichts gleich mehrerer solcher Großthemen immer fest im Sattel?
Bongartz: Es sind eher die vielen Kleinigkeiten, die micg viel Zeit kosten. Dinge, die aber erledigt werden müssen. Großprojekte, das weiß ich aus meiner Berufserfahrung in der Baubranche, sind eine reine Frage der Planung und Organisation. Da bin ich zuhause.

Fühlen Sie sich als Vorsitzender des Stadtrats oder der Ausschüsse auch stets als solcher? Immerhin hat ihr Erster Beigeordneter Klaus Jansen schon öfter fachlich die Diskussion geleitet.
Bongartz: Klaus Jansen als Ersten Beigeordneten zu wählen, ist sowohl für die Stadt als auch für mich die optimale Entscheidung. Seine jahrzehntelange Erfahrung und Fachkompetenz brachliegen zu lassen, wäre fahrlässig. Im Übrigen verfüge ich über die notwendige Menschenkenntnis, dass ich weiß, wem ich vertrauen kann. Ich sehe in allen drei Beigeordneten loyale, akribisch handelnde und eifrige Mitarbeiter, die mein Vertrauen besitzen und meine Erwartungen rechtfertigen.

Können Sie, wenn nötig, mit der Faust auf den Tisch hauen?
Bongartz: Das kann ich ohne Weiteres, das war bislang aber noch nie nötig.

Woran erkennt man die Handschrift Ihrer Politik?
Bongartz: An einer schnellen Handlungsweise, an offenen Gesprächen und dass es bei mir stets eine offene Tür gibt.

Sie propagieren einerseits das offene Gespräch mit den Bürgern, setzen aber andererseits auch auf Beratungen im stillen Kämmerlein.
Bongartz: Nein! Wenn wir Themen vorbesprechen, dann dient das schlicht der Effizienz. Würde ich diese Dinge in einem unvorbereiteten Ausschuss vortragen, hätten wir endlose Diskussionen und Sitzungen. Ich gehe mit Themen dann an die Öffentlichkeit, wenn ich um die rechtlichen Rahmenbedingungen weiß und konkrete Angaben machen kann. Und erst dann möchte ich die Vorschläge mit den Bürgern diskutieren. Ansonsten ist man schnell dabei, falsche Hoffnungen zu wecken und damit leere Versprechungen zu erzeugen, was ich keinesfalls beabsichtige und wozu ich mich auch nicht verleiten lasse.
Ein wichtiges Thema ist die Umnutzung des Brunnenareals. Was bringt der Stadt mehr: ein Hotel oder ein Discounter?
Bongartz: (überlegt lange) Beide Lösungen können Positives für die Stadt bewirken. Aber darüber müssen wir mit Fachleuten sprechen. Ich maße mir nicht an, das abschätzen zu können. Hauptsache ist, dass wir keine Konkurrenz zur Innenstadt schaffen.

Was schwebt Ihnen vor?
Bongartz: Anstelle eines Hotels oder Discounters ist für mich auch ein Indoor-Sportzentrum vorstellbar: mit Kletterwand, Boccia-Bahnen, Boxring - Maßnahmen, die vom Bürger gewünscht werden und auch touristische Effekte erzielen. Hier muss der Bürger unbedingt mitentscheiden.

Wann kommt zu diesem Thema eine Bürgerbeteiligung?
Bongartz: Wir werden die nächsten Wochen mit Experten sprechen und dann mit zwei, drei Vorschlägen ins Rennen gehen und die Bürger dazu befragen. Ich denke, das wird Ende Januar 2015 so weit sein.

Meinen Sie, dass es mit dem leer stehenden Hotel Calluna noch mal was wird?
Bongartz: Es gibt meines Erachtens nach nur ein Modell, das Aussicht auf Erfolg hat: Gastronomie, Hotel und Ferienhotel in Kombination - vielleicht mit einer Etage Komfortwohnungen. Wir sind derzeit in einem Findungsprozess.

Bei so vielen dicken Themen dürfte außer Frage stehen, dass Sie die gesamte Amtszeit durchziehen, oder?
Bongartz: Ohne Frage.

Und eine weitere?
Bongartz: Darüber denke ich jetzt noch nicht nach. Ich will meine Arbeit auf das Heute fokussieren. mhExtra

Friedhelm Bongartz (76), geboren in Mönchengladbach, lebt seit mehr als 60 Jahren in Gerolstein. Er ist verheiratet und Vater zweier erwachsener Söhne. Der selbstständige Kaufmann und Fachberater wie auch Verkaufsleiter im Bereich Bauchemie, der viel im In- und Ausland unterwegs war, hat sich an Pfingstsonntag als Herausforderer in der Stichwahl deutlich mit 58,6 zu 41,4 Prozent gegen Amtsinhaber Bernd May (parteilos) durchgesetzt und ist zum neuen Stadtbürgermeister von Gerolstein gewählt worden. Er ist begeisterter Hobby-Mineraloge und besitzt eine kostbare Mineraliensammlung, die dem Naturkundemuseum in Gerolstein seit fast 30 Jahren als Leihgabe kostenlos zur Verfügung steht. mh