Die Dauner Tafel zieht in die Bahnhofstraße 26 um. Am 25. April ist Neueröffnung.

Soziales : Neue Adresse für handfeste Hilfe - Dauner Tafel ist umgezogen

Die Dauner Tafel ist nach elf Jahren in die Bahnhofstraße umgezogen. Ein Blick hinter die Kulissen.

Die Wände und Decken sind schon frisch gestrichen, erste Regale und Kühltruhen warten darauf, aufgebaut, angeschlossen und mit Lebensmitteln bestückt zu werden: Die Zeichen stehen auf Um- und Einzug für die Dauner Tafel. Sie ist jeden Donnerstagmorgen für Menschen mit nachweislichem Bedarf geöffnet, zumeist für Hartz-IV-Empfänger, Rentner mit Grundsicherung oder auch Asylanten. Ein Teil der rund siebzig im Trägerverein aktiven Ehrenamtler stellt nun bei der Renovierung der zu beziehenden Räume besonderes handwerkliches Geschick unter Beweis – Eigenleistung zahlt sich aus.

„Leider wurde am gewohnten Standort gegenüber vom Krankenhaus die Miete insgesamt mehr als verdoppelt, das können wir nicht nachvollziehen und auch nicht mehr stemmen“, beschreibt Michael Lauer, zweiter Vorsitzender der Dauner Tafel, den Grund. „Wir finanzieren die Arbeit mit Spenden, und die sollen ihrem gemeinnützigen Zweck zu Gute kommen.“ Der Verein habe zwar ein gewisses Entgegenkommen signalisiert, das jedoch nicht akzeptiert worden sei. „Dann haben wir uns auf die Suche gemacht. Das war nicht einfach, denn wir brauchen sowohl fußläufige Innenstadtnähe wie auch Anbindung an den ÖPNV. Schließlich ist die Dauner Tafel für Kunden aus dem gesamten Vulkaneifelkreis zuständig.“ Mit den rund 350 registrierten Kundenkarten werden ganze Familien versorgt, so dass letztlich bis zu 850 Menschen – vom Baby bis zum Senior – Unterstützung erfahren.

Umso wichtiger für die Dauner Tafel, leicht erreichbar zu sein. Fündig wurde der Verein schließlich in der Bahnhofstraße in Parterre-Räumen unweit des Café Asyl, die zwar einige Quadratmeter kleiner sind als gewohnt, im Außenbereich aber mehr Parkplätze für die ehrenamtlichen Fahrdienste und mehr Stellfläche etwa für Kinderwagen bieten. Das Fehlen der Bushaltestelle vor der Tür hofft man mit Hilfe des Bürgerbusses, der einen Shuttledienst zum Reinekeplatz angeboten hat, überbrücken zu können. „Wir sind auf den Hauseigentümer zugegangen, denn das hier war eigentlich unsere einzige Option“, ist Lauer froh über die Zusage des vietnamesischen Vermieters.

Für die Kunden bleibt alles wie gewohnt, auch die Funktion der Tafel als Ort der Kommunikation. Nicht wenige, so erzählen die Helfer, schätzen über die handfeste Unterstützung in Form von Lebensmitteln hinaus die Möglichkeit, mit anderen reden zu können und Verständnis zu finden. Es gehe freundschaftlich zu. „Dank eines ausgefeilten Rotationsprinzips der Kundenkarten haben nicht immer dieselben Abnehmer die größte Auswahl, es wechselt“, erklärt Rita Schmaus, Gründungsmitglied der Tafel, das auf Gerechtigkeit ausgelegte Verfahren. Mit der Spendenbereitschaft der umliegenden Supermärkte, Bäckereien oder Hersteller ist sie zufrieden. „Unser Sortiment ist natürlich davon abhängig, was wir bekommen. Manches steht nicht permanent zur Verfügung. Aber generell können unsere Kunden einen wichtigen Teil ihres Lebensmittelbedarfs über uns abdecken.“

Dahinter steckt eine ausgeklügelte Logistik über die Beschaffung von Lebensmitteln über Kühlwagen und Transport, Vorsortierung, Buchführung, Versicherungen und vieles mehr. „Es ist ein Aufwand wie für ein normales Geschäft, nur eben gemeinnützig.“ Die Aktiven, die sich für die Tafel engagieren, sind allesamt „Überzeugungstäter“, wie Rita Schmaus und Michael Lauer schildern, viele von ihnen sind Pensionäre oder Ruheständler. „Man muss schon Zeit erübrigen können, damit alles so funktioniert, wie es das tut.“ Das Motiv der meisten sei es, der Gesellschaft etwas zurückzugeben, während es einem selbst gut geht. Etliche der Helfer stammen aus sozialen Berufen und sind auch Ehrenamtler in anderen sozialen Projekten. „Die wichtigste Voraussetzung ist es, Menschen zu mögen.“ Denn neben der organisatorischen und kaufmännischen Arbeit gehe es auch um Emotionen: „Wir erleben viel Freude, aber auch viel Trauer mit. Nachvollziehen, wie es anderen geht – das ist Kern der Tafel.“

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