Die ehemalige Drahtwarenfabrik in Gerolstein wird abgerissen

Stadtentwicklung : Wenn der 55-Tonnen-Koloss zupackt - Ehemalige Drahtwarenfabrik in Gerolstein wird abgerissen

Investor Backes hat mit Gebäudeabriss der ehemaligen Drahtwarenfabrik in Gerolstein begonnen. Künftige Bebauung ist noch offen.

Der 55(!)-Tonnen-Koloss rattert langsam auf seinen Ketten heran, Fahrer Rainer Mertens bewegt den mächtigen Schwenkarm mit einer Gesamtreichweite von 25 Metern (!) behutsam nach oben und lässt dann den großen Greifer zupacken: Als wäre es nur ein Blatt Papier, reißt die Mega-Zange ein etwa vier auf drei Meter großes Stück der Holzzwischendecke heraus und hievt es vom Obergeschoss in den Container, wo das Altholz für die Entsorgung gesammelt wird. Beim nächsten Zupacken hat er sich beinahe ein gesamtes Treppengeländer gefischt. Und so geht das weiter.

„Das ist schon was anderes, als mit unseren normalen Baggern“, sagt er ehrfürchtig und manövriert mit Fingerspitzengefühl weiter den Groß-Bagger, mit dem vor allem das Dachgeschoss der Industriebrache Drahtwarenfabrik am Auberg in Gerolstein abgetragen wird.

„Wir haben zwar selbst etwa 100 Bagger, aber so einen großen doch nicht. Den haben wir uns extra für die Arbeit hier ausgeliehen, denn das ist schon ein großer und vor allem hoher Komplex“, sagt Peter Backes (73), Seniorchef der Baufirma aus Stadtkyll, der das innenstadtnahe Areal von der Stadt Gerolstein erworben hat, um darauf Wohn- und Bürogebäude hochzuziehen und zu vermieten. Und der deswegen auch beinahe täglich auf der Baustelle ist, auf der bereits seit vier Wochen Material wie Asbestplatten, Holz, Dacheindeckungen und Metall abgetragen, gesammelt und zur Entsorgung weggefahren wird. Der eigentliche Abriss der Gebäude hat erst dieser Tage begonnen. „Die Steine dürfen wir zum Glück auf der Baustelle zerkleinern und wiederverwerten“, sagt Peter Backes erleichtert.

Allem voran ist im Gespräch, dass auf dem Areal eine neue Bleibe für den Landesbetrieb Mobilität (LBM) geschaffen werden soll, da dieser aus seinem Domizil in der Brunnenstraße heraus will. Auf die Frage, was es mit diesen Überlegungen auf sich hat, antwortet Sohn und Geschäftsführer Horst Backes: „Die LBM-Ansiedlung ist sowohl für die Stadt als auch für uns ein Wunsch, darum haben wir uns auch auf die Ausschreibung beworben. Das Ergebnis steht aber noch aus.“

Und falls es wirklich etwas mit einem Neubau für den LBM werden würde, wäre daneben laut Horst Backes auch noch reichlich Platz für weitere Bebauung, beispielsweise Wohneinheiten oder etwa betreutes Wohnen. Backes: „Der Bebauungsplan gibt das auf jeden Fall her.“ Das Areal auch: Von den gut 8000 Quadratmetern Gesamtfläche stehen rund 6500 Quadratmeter für eine künftige Bebauung zur Verfügung, auf gut 1500 Quadratmetern wird der derzeit noch unter dem Gelände in Rohren hindurch geführte Peschenbach wieder an die Oberfläche gebracht, renaturiert  und an den Rand des Areals verlegt. Dort sollen dann auch Flächen zum Verweilen mit Tischen und Sitzbänken entstehen. Quasi eine kleine grüne Oase. Und dort könne er sich auch eine Tafel vorstellen, die an das historische Industrieareal erinnert – und somit denjenigen genüge tun, die sich in Gerolstein gegen einen Abriss der Gebäude ausgesprochen hatten. Backes: „Warum denn nicht?“

Aufbauarbeiten auf dem Gelände werden nach Einschätzung des Investors ohnehin „frühestens Mitte nächsten Jahres“ beginnen. Und konkrete Planungen dazu gäbe es auch noch nicht. „Damit befassen wir uns erst nach der LMB-Entscheidung konkret“, sagt Horst Backes.

Die ehemalige Drahtwarenfabrik in Gerolstein wird abgerissen. Foto: TV/Mario Hübner
Die ehemalige Drahtwarenfabrik in Gerolstein wird abgerissen. Foto: TV/Mario Hübner
Die Baufirma Backes aus Stadtkyll, die das Areal der ehemaligen Drahtwarenfabrik in Gerolstein von der Stadt erworben hat, hat damit begonnen, die Gebäude der Industriebrache abzureißen – mit ganz großem Gerät. Foto: TV/Mario Hübner
Die ehemalige Drahtwarenfabrik in Gerolstein wird abgerissen. Foto: TV/Mario Hübner
Die ehemalige Drahtwarenfabrik in Gerolstein wird abgerissen. Foto: TV/Mario Hübner
Die ehemalige Drahtwarenfabrik in Gerolstein wird abgerissen. Foto: TV/Mario Hübner
Die ehemalige Drahtwarenfabrik in Gerolstein wird abgerissen. Foto: TV/Mario Hübner

Und bis dahin werden Abriss, Entsorgung, Wiederverwertung und Geländenivellierung Zeit, Arbeitskraft und Geld beanspruchen. Apropos Geld: Auf die Frage, was das Areal gekostet habe und wie Abriss und Entsorgung zu Buche schlagen, hält sich Horst Backes bedeckt. Gerolsteins ehemaliger Stadtbürgermeister Friedhelm Bongartz (CDU), der den Deal mit Peter Backes eingefädelt hatte, sprach von 400 000 Euro, die die Stadt nun an Abriss- und Entsorgungskosten gespart habe. Zum Verkaufspreis hüllte aber auch er sich in Schweigen.

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