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Die Geschenke werden "eingelöst"

Die Geschenke werden "eingelöst"

Weit mehr als 2000 SLE-Kennzeichen sind bereits reserviert. Seit Dienstag sind die Zulassungen möglich, die Schilder können an die Autos geschraubt werden (der TV berichtete). Auch wenn der ganz große Ansturm noch ausblieb: In der Zulassungsstelle wollten schon einige Kunden die neuen Kennzeichen haben. Und hinter fast jedem steckt eine Geschichte.

Schleiden. Manch einer hat offenbar sehnsüchtig darauf gewartet, ein neues Nummernschild für sein Auto zu erhalten. Nachdem der Kreis Euskirchen am Montag die Genehmigung erhalten hatte, dass in den Zulassungsstellen wieder SLE-Kennzeichen ausgegeben werden dürfen, wurden am Dienstag schon die ersten neuen alten Kennzeichen an die Autos geschraubt. Doch nach der Veröffentlichung des Kreises war erst am Mittwoch der erste "richtige" Tag für SLE.
Zusätzliche Mitarbeiter


Der Kreis hatte entsprechend vorgesorgt und eine vierte Mitarbeiterin zur Zulassungsstelle nach Schleiden beordert, um dem erwarteten Ansturm Herr zu werden. Auch wenn nicht gerade ein Sturmlauf einsetzte, verzeichnete die Schleidener Außenstelle deutlich mehr Besucher als sonst. "An normalen Tagen werden in Schleiden rund 45 Fahrzeuge an- oder umgemeldet", sagte der Pressesprecher des Kreises Euskirchen, Walter Thomaßen. Die Kunden kamen auch am Mittwoch - und dazu noch 21 weitere, die ausschließlich die Ummeldung von EU auf SLE vornehmen wollten. In der Zulassungsstelle im Euskirchener Kreishaus war der Ansturm deutlich geringer: Laut Thomaßen verzeichnete man dort neun Kunden, die ihr Kennzeichen wechseln wollten.
Thomaßen geht davon aus, dass der Ansturm auf die neuen SLE-Kennzeichen in den kommenden Tagen erst so richtig einsetzen wird. Immerhin ist von den reservierten Nummern erst ein Bruchteil abgerufen worden. Und mit Blick auf den Betrieb in Schleiden sagt er: "Die vierte Kraft in Schleiden, die gestern zusätzlich eingesetzt wurde, hat sich bewährt. Möglicherweise wird sie für längere Zeit in Schleiden bleiben." Genauso haben auch die beiden Mitarbeiterinnen der Stadt Schleiden, die die Kasse bedienen, reichlich zu tun. Auch sie hoffen auf Verstärkung - etwa im Hinblick auf die langen Donnerstage: Am kommenden Donnerstag hat die Zulassungsstelle nachmittags zusätzlich von 14 bis 17.30 Uhr geöffnet.
Zudem denkt man darüber nach, die Kunden über die neue Wahlmöglichkeit beim Kennzeichen zu informieren - damit sich das, was einigen am Mittwoch in Schleiden passierte, nicht wiederholt. Denn vor allem junge Leute hatten ihr neues Auto gerade angemeldet, das EU-Nummernschild anfertigen lassen und erspähten dann auf dem Parkplatz die SLE-Kennzeichen. Verdutzt meinten sie dann, dass man ihnen das ja auch hätte sagen können: Sie hätten auch SLE haben wollen. Doch als sie das EU-Kennzeichen einmal unter dem Arm trugen, wollten sie nicht mehr umschwenken. Das hatte vor allem mit den Kosten zu tun: Denn fürs Anfertigen des neuen Kennzeichens, die Ummeldung und die benötigte neue Feinstaubplakette sind knapp 90 Euro fällig.
Viele, vor allem ältere Bürger aus dem Südkreis verbinden mit dem SLE-Kennzeichen reichlich Erinnerungen: ans erste Auto, an die erste Freundin. Die Freundin ist zur Frau geworden, den alten Wagen gibt es nicht mehr. Dennoch haben sich die meisten, die von EU auf SLE wechseln, etwas dabei gedacht.

Geschenke: Schon lange vor dem Stichtag wurde manch ein nagelneues Kennzeichen - natürlich noch ohne Zulassungsstempel - in Geschenkpapier gewickelt, mit einer hübschen Schleife versehen und hat dem Beschenkten Freude bereitet.
Wie Stefan Hoff aus Dreiborn, der sein neues Kennzeichen mit seiner Lieblingsnummer 7 von der Freundin zum Geburtstag bekommen hat. Und, wie Gabriele Dieck aus der Kennzeichen-Werkstatt gleich neben dem Schleidener Rathaus erklärt: "Viele haben die Gelegenheit schon zu Weihnachten genutzt und das Kennzeichen reservieren lassen, um das Schild mit Wunschnummer auf den Gabentisch zu legen."

Überraschungen: "Meine Mutter wird wohl überrascht sein, wenn sie heute ihren BMW aus der Garage fährt. Dann hat sie eine neue Nummer", erzählt Sandra Schreiber. Die junge Frau hat mit ihrem Freund Klaus Anders die Wagenpapiere der Mutter besorgt und deren Wagen umgemeldet. Künftig wird sie mit SLE-RS 68 losfahren. "Es ist ein Geschenk von uns, und wir hoffen, dass sie sich freuen wird." Schreiber glaubt, dass ihr Überraschungspaket gut ankommt.

Heimat: "Ich sehe ein Stück Heimat", kommentierte Helga Konrads aus Gemünd ein vorbeifahrendes Auto mit funkelnagelneuen SLE-Kennzeichen. "Wir werden uns auch eine SLE-Nummer besorgen, versicherte die in Dreiborn geborene Gemünderin.

Doch lieber EU: Doch nicht alle können sich mit SLE anfreunden. "Naja, mit Schleiden bin ich nie so richtig klargekommen, daher bleibe ich bei EU", sagt der Blankenheimer Friedhelm Elsen. "Ich kann mit einem SLE-Kennzeichen für meine Tochter Stefanie gar nicht erst nach Hause zu kommen, das haut die mir um die Ohren", sagte Jutta Koch. Sie war für ihre Tochter in der Zulassungsstelle und brachte ihr die EU-Zulassung inklusive "Geburtstag" mit. "Sie ist erst 20 Jahre alt und kennt das alte Kennzeichen doch überhaupt nicht."Extra

Seit dem 6. November 2012 werden im Eifelkreis wieder Kennzeichen mit dem Kürzel PRÜ ausgegeben. Die Nachfrage nach den neuen Kennzeichen ist sehr groß, alleine im ersten Monat hat die Kreisverwaltung 1600 Ummeldungen registriert. Möglich gemacht wurde die Kennzeichen-Liberalisierung von dem Heilbronner Professor Ralf Bochert. Er hatte die Bürger in ehemaligen Kreisstädten befragt, die ihr Kennzeichen verloren hatten, und registrierte einen breiten Wunsch, diese Alt-Kennzeichen wieder einzuführen. ch