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Die Hirsche haben es ihnen beigebracht

Die Hirsche haben es ihnen beigebracht

Der Künstler, Tierpräparator und Jagdaufseher Frank Duvivier und sein Sohn Lukas können röhren wie die Hirsche. Das haben sie bei der Deutschen Meisterschaft im Hirschrufen in Dortmund mit einem punktgleichen Platz zwölf unter Beweis gestellt - wobei Lukas mit seinen neun Jahren die absolute Attraktion war.

Berndorf. Wenn in dem renovierten ehemaligen Bauernhaus in der Berndorfer Beulerstraße "A-u-a" gerufen wird, ist das beileibe kein Schmerzensschrei. "So ruft der junge suchende Hirsch am Rande des Brunftplatzes", erklärt Frank Duvivier (45). Er hebt das Stück Staubsaugerrohr, das genau der Länge der Luftröhre ("Drossel") eines Hirschs entspricht und zum Schutz vor unerwünschten Nebengeräuschen mit braunem Filz ummantelt ist, an den Mund und ruft: "A-u-a!"
Es ist einer der drei Hirschrufe (und zugleich der schwierigste), den die Teilnehmer an der Deutschen Meisterschaft beherrschen müssen; außerdem: "alter Hirsch mit wenig Kahlwild" (alter Hirsch mit wenigen weiblichen Hirschen ab dem Jugendalter) und "abgebrunfteter Hirsch im Bett" (ein Hirsch nach der Brunft, also zu Beginn des Winters).
Im Falle eines Stechens ist noch der "Sprengruf" gefordert. Soll heißen: "Wenn der Hirsch in ein Rudel rennt, kann er nicht röhren, sondern knallt wie ein Moped, das nicht anspringt", beschreibt Duvivier den Ruf und ahmt ihn mit dem Stück Plastik genau nach.
Die Meisterschaft wird alljährlich im Rahmen der Messe "Jagd und Hund" in Dortmund ausgetragen. Hier stellt der Tierpräparator Frank Duvivier seit einigen Jahren seine Ganzkopfmontagen von Tieren aus aller Welt aus. Und hier nahm er im Vorjahr erstmals an der Meisterschaft im Hirschrufen teil.
Da war Duviviers Sohn Lukas noch unter den Zuschauern. Diesmal machte er mit und kam punktgleich mit seinem Vater auf Platz zwölf. "Mit seinen neun Jahren war er die Attraktion der Meisterschaft und der Liebling aller Fernseh-, Rundfunk- und Zeitungsreporter", erzählen seine Eltern Frank und Ruth.
"Die Kinder aus meiner Klasse sagen, dass ich jetzt ein Star bin", erzählt der Junge, der das vierte Schuljahr an der Grundschule Hillesheim besucht. Auf die Frage, ob man das Hirschrufen ein paar Stunden am Tag üben müsse, schüttelt er den Kopf: "Nur ab und zu". Er sei ein Naturtalent, meint sein Vater. Er habe seinen Sohn schon als Baby mit in den Wald genommen, und Lukas begleite ihn häufig bei seinen Streifzügen durch das große Rotwildgebiet, in dem er als Jagdaufseher tätig ist.
Traditionell besucht die ganze Familie zum Hirschrufenhören im September den Wild- und Erlebnispark in Daun. "Die Hirsche haben es mir beigebracht, und ich es Lukas", sagt der aus Köln stammende Frank Duvivier mit Blick auf seine eigene enge Verbundenheit mit Jagd und Natur und Eifel von Kindheit an.
Lukas zeigt Urkunde, Buch und Spielzeuggewehr als Preis für den zwölften Platz in Dortmund. Er erzählt, dass er in der Jugendspielgemeinschaft Berndorf Fußball spielt und dass es schön sei, mit dem Papa angeln zu gehen. Und bei dem Fototermin in dem vor kurzem eröffneten Atelier des auch malend und bildhauerisch tätigen Tierpräparators Frank Duvivier gibt Lukas "den jungen Hirsch am Rande des Brunftplatzes": "A-u-a!"
Extra

Als Jäger kann es aus unterschiedlichen Gründen wichtig sein, mit Tieren, insbesondere Hirschen, zu kommunizieren. So kann der Jäger durch das Imitieren von Hirschlauten, das Hirschrufen, schauen, ob sich Hirsche in der Nähe des Hochstands befinden, er kann sie in Bewegung setzen oder anlocken, um zu sehen, um welchen Hirsch es sich handelt, ob er gesund ist oder ob er gegebenenfalls geschossen werden muss. Vor diesem Hintergrund ist das Hirschrufen als Wettkampf entstanden, bei dem die Jury hinter einem undurchsichtigen Holzzaun sitzt. In Deutschland gibt es schätzungsweise 150 Hirschrufer. Einer der besten ist Tasso Walzenburg, Deutscher Meister 2012 und 2013. bb