Die Jugend wohnt gerne in Betteldorf
Betteldorf · Im Rahmen der Kampagne "DIE (Dorfinnenentwicklung) - Chance für das Dorf" standen in Betteldorf Ortsrundgang und Erfahrungsaustausch sowie die Vorstellung von regionalen Strategien auf dem Programm. Die Gemeinde ist unter den 125 beteiligten Dörfern aus vier Verbandsgemeinden "Modelldorf Typ 2".
Betteldorf. Mit Hinweisen für Ortsbegehungen "zum Selbermachen" endete die von etwa 40 Bürgern und Gästen besuchte Veranstaltung im Gemeindehaus. "Legen Sie Gruppe, Termin, Hilfsmittel und Route fest", sagten Caroline Seibert und Andrea Soboth vom Gießener Institut für Regionalmanagement (IfR). Und: "Organisieren Sie eine Aktivität oder einen Imbiss und erstellen Sie eine Fotodokumentation."
All das hatten die Betteldorfer Arbeitskreis-Mitglieder für den Streifzug durch das Dorf bedacht und als Hilfsmittel einen Rollator, einen Rollstuhl und einen Kinderwagen organisiert.
Kaum Problempunkte
Die Architektin Rosemarie Bitzigeio vom begleitenden Büro "Plan Lenz" (Winterspelt) brachte anschließend ihren Eindruck so auf den Punkt: "Hier gibt es mehrere schöne Umsetzungsbeispiele, kaum Problempunkte, wenig Leerstand und wenig Barrieren." Die Entfernung zum außerhalb des Dorfs gelegenen Friedhof sei relativ groß, räumte sie ein und empfahl das Aufstellen von Ruhebänken am Weg.
Wenn aber Bitzigeio erklärte: "Wir haben leider die Tausender-Marke geknackt", meinte sie den Anstieg der Zahl der leerstehenden Gebäude im DIE-Gebiet (siehe Extra) um 139 auf 1120 innerhalb von knapp zwei Jahren.
Die 296 Einwohner von Betteldorf leben in 109 Häusern. Dass (nur) eines zurzeit leer stehe, sei kein Problem, sagte Rosemarie Bitzigeio - wohl aber, dass nur etwa 40 Prozent der Bevölkerung unter 45 Jahren alt sei ("gesund" sei eine Altersstruktur von 50 Prozent an unter 45-Jährigen) und dass in 22 Prozent der Haushalte nur eine einzige Person lebe.
Die Architektin lobte die hervorragende Dorfgemeinschaft, das hohe Bürgerengagement, die sehr gute Selbsteinschätzung und das intakte Ortsbild, und sie sagte: "Die Jugend wohnt gerne in Betteldorf."
Sie bezeichnete es als beispielhaft, dass ein ehemaliger Dorfladen in ein öffentliches Wohnzimmer umgewandelt werde. Als zukünftige Strategien empfahl sie den Betteldorfern und den anderen am Projekt beteiligten Dörfern, die Bestandserfassung jährlich zu aktualisieren, die Einwohnerentwicklung genauestens zu beobachten sowie private Gebäudeeigentümer anzusprechen und zu beraten. Entsprechende Formulare und Leitfäden ständen zur Verfügung. "Planen Sie altersgerecht, nicht altengerecht", warb Rosemarie Bitzigeio, "damit sich die 18-Jährigen genauso wohl fühlen wie die 80-Jährigen."Extra
"DIE - Chance für das Dorf" ist eine 2011 gestartete und auf drei Jahre angelegte Kampagne zur Förderung der dörflichen Innenentwicklung in den Verbandsgemeinden Daun, Gerolstein, Kelberg und Ulmen. Es gibt vier sogenannte Modelldörfer: Typ 1: Oberelz (VG Kelberg), bis 250 Einwohner; Typ 2: Betteldorf (VG Daun), 250 bis 500 Einwohner; Typ 3: Alflen (VG Ulmen) und Büscheich (VG Gerolstein), 500 bis 1000 Einwohner. Ansprechpartner gibt es bei den jeweiligen VG-Verwaltungen. Ihnen stehen als ehrenamtliche DIE-Botschafter zur Seite: Ralf Dannert (Gevenich), Hans Hilpich (Alflen), Manfred Klaus (Betteldorf), Helga Löffelholz (Daun-Waldkönigen) und Erwin Steffes (Mückeln). Sie nehmen auf Wunsch an Ortsgemeinderatssitzungen und Bürgerversammlungen teil und führen Gespräche mit Privateigentümern. bb