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Die Krimistadt Hillesheim ist auch europäische Beispielstadt

Stadtentwicklung und Geschichte : Ist Hillesheim noch ein gutes Vorbild?

Vor 40 Jahren am 1. Juni ist der Marktort Beispielstadt der Europäischen Kampagne zur Stadterneuerung geworden – neben Hamburg, Wuppertal, Karlsruhe, Ettlingen und Burghausen. Und wie steht es heute um die Stadtentwicklung?

„In die Städte muss der Gemeinschaftsgeist wieder einkehren“, sagte Pierre Pflimlin, einstiger Bürgermeister von Straßburg anlässlich der Eröffnungsveranstaltung der Europäischen Kampagne zur Stadterneuerung am 5. Februar 1981 in Hannover. Das schreibt Alfred Pitzen, einst Bürgermeister der Verbandsgemeinde Hillesheim, im Heimatjahrbuch 1982. Pitzen und weitere Vertreter Hillesheims hatten in Hannover die Sanierungsplanung des Marktortes präsentiert. Und das Urteil des damals ebenfalls anwesenden Bundespräsidenten Karl Carstens lautete zu Hillesheim: „Für einen so kleinen Ort eine beachtenswerte Leistung.“

Die Bezeichnung „kleiner Ort“ werden die selbstbewussten Hillesheimer dem Bundespräsidenten wohl verziehen haben. Im Reigen der Städte, die an der europäischen Kampagne teilnahmen, war Hillesheim mit Abstand die kleinste Kommune – neben Hamburg, Wuppertal, Karlsruhe, Ettlingen und Burghausen.

Die „beachtliche Leistung“ kann niemand dem Beispiel von gelungener Stadterneuerung, Stadtgestaltung und der Stadterhaltung absprechen. Dabei war der Weg mitunter auch holprig.

Los ging die Sanierung Anfang der 60er Jahre. Damals gab es noch viele landwirtschaftliche Betriebe im Ortskern und noch sichtbare Kriegsschäden. Ein erster „Sanierungsplan Stadtkern“ scheiterte. „Bei diesem ersten Entwurf waren Flachdächer und Lego-Einheitshäuser geplant, viele Gebäude sollten abgerissen werden und fast nur Kirche und Stadtmauer stehen bleiben“, sagt Jürgen Mathar, als Bauingenieur  für Hoch- und Tiefbau bei der VG mit der Thematik befasst (siehe Interview). Aber die Hillesheimer wollten diese Planung nicht und auch keine Einheitshäuser.

Mit dem neuen Architekten, Tassilo Sittmann, und den neuen Stadtvätern Martin Hank und Alfred Pitzen kommt die Wende und damit neue Ziele. Der Stadtgrundriss des Marktortes sollte erhalten bleiben, Gebäude behutsam saniert, Stätten und Plätze der Geselligkeit und Begegnung geschaffen werden. Architekt Sittmann nennt das in der Broschüre zur Beispielstadt: „Freiräume schaffen und sie mit Bänken, Tischen, Brunnen, Spielgeräten und Laubbäumen bereichern.“ Er gewinnt die Einheimischen für seine Ideen. „Sittmann ist ein fähiger Mann, mit ihm zu arbeiten war sehr lehrreich und interessant für mich“, erzählt Mathar. „Es wurde nun mit dem Bürger geplant, nicht über ihn hinweg.“ Dabei seien durchaus auch mal Ideen auf dem Küchentisch besprochen worden und auch beim Stubbi auf dem Hof. Das Sittmann-Team habe sich auf die Einheimischen eingelassen und umgekehrt. Es wurden Wohnhöfe geschaffen, Pflaster verlegt, verkehrsberuhigte Bereiche und neue Plätze geschaffen, 65 Gebäude in ansprechenden Farben gestaltet, Wehrgänge und Stadtmauer restauriert und, und, und.

Erleichtert wurde die Sanierung von öffentlichen und privaten Bauherren durch die Förderung von Bund und Land in Höhe von 75 Prozent. „Bürgermeister Hank sagte damals: „Für eine Mark, die wir ausgeben, bekommen wir 75 Pfennig zurück“, erinnert sich Mathar. Hank und Pitzen loben im Vorwort zur Beispielstadt-Broschüre alle an der Sanierung Beteiligten und die Bevölkerung für ihre „aufgeschlossene Mitarbeit“. Und Architekt Sittmann appellierte an die Hillesheimer, dass die schlichte Architektur der Eifellandschaft in Hillesheim Vorbild bleiben solle. Übertreibungen und Maßstabslosigkeiten in Architektur und in den stadtbildprägenden Details wäre das Ende des Prädikats „Beispielstadt“. Und noch einen Wunsch äußerte Sittmann: „Möge ihre neu erblühte Heimatstadt ihren Charakter erhalten, zu keiner Zeit verdorben und niemals als ausweidbares Profitobjekt missbraucht werden.“

 Blick auf die Beispielstadt heute mit der Pfarrkirche St. Martin – von der Stadtmauer aus gesehen.
Blick auf die Beispielstadt heute mit der Pfarrkirche St. Martin – von der Stadtmauer aus gesehen. Foto: TV/Maria Adrian

Ob die Hillesheimer das Erreichte bewahrt und fortgeführt haben, lässt sich sehr gut bei einem Stadtrundgang mit Stadtführerin Felicitas Schulz erfahren. Im kleinen Museum in der Burgstraße  finden sich viele Fotos, wie Hillesheim vor der Sanierung aussah.

(ma)