Die Liebe zur Farbe und die Kunst des Alterns

Die Liebe zur Farbe und die Kunst des Alterns

Mit Freunden und Kunstfreunden hat die Malerin Marlies Jostkleigrewe gestern ihren 80. Geburtstag gefeiert und dabei die Ausstellung "Meine Bilder und ich im Unruhestand in unserer neuen Heimat Kerpen/Eifel" eröffnet. Ab Mittwoch, 18. Januar, ist die Schau im Kleinen Landcafé und im Landgut Strumpffabrik öffentlich zu sehen.

Kerpen. "In meinem Alter muss man noch nicht abgeschrieben sein", sagt die drahtige Frau mit den lebhaften Augen und dem dunklen Bubikopf, als sie ein paar Tage vor ihrem 80. Geburtstag die Mitarbeiterin des Trierischen Volksfreunds empfängt.
Da steckt sie noch mitten in den Vorbereitungen für das Fest mit Ausstellungseröffnungen an zwei Standorten und einer Feier am Abend. Großer Bahnhof mit 80 bis 100 Gästen!
Das größte Zimmer ihrer ohnehin geräumigen Wohnung ist das Atelier; vom Fenster aus ist die Burg zu sehen. Eigens als Einladung zu Geburtstag und Ausstellung hat Marlies Jostkleigrewe Kerpens Wahrzeichen gemalt, wie sie es am meisten liebt: beleuchtet, und wie sie am liebsten arbeitet: expressionistisch.
menschen ganz nah


"Ich wünsche mir, dass der Betrachter von den Farben angelockt wird", erklärt sie. Dann soll er sich mit dem Thema des Bildes beschäftigen - mit dem Burgfräulein, das es heute nur noch als Karnevalskostüm gibt; dem Jagdunfall, der im Krimi zum Mord wird; den Eulen, die - als Symbol der Weisheit - nach Athen zurückgetragen werden müssen. "Schuld hat immer nur der andere", heißt der Titel eines ihrer zuletzt gemalten Bilder. Oder "Das Erbe der Menschheit wird aufs Spiel gesetzt" und "Die Sonne bringt es an den Tag".
"Die Abstraktion hat sich totgelaufen", meint die Malerin. Die Menschen seien nicht in der Lage, total abstrakte Kunst als Botschaft anzusehen und zu verstehen. Kunst als Dekoration? "Mit meinen Bildern bitte nicht!", betont sie.
Geburtstagswünsche? "Nichts Persönliches", sagt sie und hatte statt Geschenken ihren Geburtstagsgästen eine Spende zugunsten von Karl-Heinz Böhms Verein "Menschen für Menschen" ans Herz gelegt.
"Ich wünsche mir aber, dass meine Malschule mehr angenommen wird und ich meine selbst entwickelte Farbenlehre für die praktische Arbeit noch bekannter machen kann", erklärt sie mit Blick auf ihre Seminarangebote für Kunstschaffende, Kunstpädagogen und fortgeschrittene Hobbymaler. Denn Voraussetzung für Kunst sei die perfekte Beherrschung des Handwerks, lautet Jostkleigrewes Credo.
So war auch sie selbst als 54-Jährige zum Malen gekommen, nachdem sie wegen Einsparmaßnahmen 1986 ihre Stelle als Personalchefin eines weltweit agierenden Unternehmens in der Textilbranche verloren hatte. "Ich wusste, dass ich keine gleichwertige Stelle mehr finden würde, also habe ich die Chance auf eine zweite Karriere wahrgenommen und Malunterricht bei renommierten Künstlern genommen", erzählt sie. 1998 gründete sie eine Malschule in Kaarst bei Düsseldorf und lernte bei Seminaren die Kopp und Kerpen kennen.
Seit dem Tod ihres Mannes im Jahr 2006 lebt Marlies Jostkleigrewe in Kerpen.
Extra

Die Ausstellung von Marlies Jostkleigrewe - "Meine Bilder und ich im Unruhestand in unserer neuen Heimat Kerpen/Eifel" - ist im Kleinen Landcafé, Fritz-von-Wille-Straße 8, 54578 Kerpen, vom 18. Januar bis zum 2. März zu sehen. Die Öffnungszeiten sind mittwochs bis sonntags von 12 bis 18 Uhr (bitte beachten: Betriebsferien vom 13. bis 28. Februar). Im Landgut Strumpffabrik, Adenauer Straße 31, 54578 Kerpen, werden die Bilder vom 18. Januar bis zum 29. Februar gezeigt, und zwar samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung. bb Kontakt und weitere Infos: Marlies Jostkleigrewe, Illinger Straße 10, 54578 Kerpen, Telefon 06593/980737, E-Mail: jostkleigrewe@t-online.de, Internet: www.atelier-jostkleigrewe.de.

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