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Die Nerother Wandervögel singen immer noch

Tradition : Die Nerother Wandervögel singen immer noch

Singen, Reisen und Geselligkeit werden bei den Mitgliedern der Nerother Wandervögel auch heute noch, nach 100 Jahren, großgeschrieben.

Da waren es nur noch drei „Nerother Wandervögel“, besser gesagt zwei, zumindest was den Gerolsteiner Raum betrifft. Und einer davon ist Hans Eltze aus Gerolstein, der noch viel zu erzählen weiß. Denn er ist immer noch ein Mitglied der Nerother Wandervögel und das mit Leib und Seele.

Zwar haben die Wandervögel nur dem Namen nach mit Neroth zu tun. „Es waren nie Nerother Männer dabei“, sagt Hans Eltze. Der Name geht auf die Gründung im Jahr 1919 in der Nerother Höhle zurück. Denn in diesem Jahr, an Silvester, haben die Brüder Robert und Karl Oelbermann aus Bonn sich mit weiteren sechs jungen Männern, alles Studentenfreunde, dort getroffen und den Verein „Nerother Wandervögel“ gegründet. Bis heute treffen sich an Silvester die Männer – Frauen waren nie dabei – in besagter Höhle.

Von deutschlandweit rund 200 Mitgliedern sind es „mal mehr, mal weniger, die dort zusammenkommen“, berichtet Eltze. Schließlich sind die Herren auch schon in die Jahre gekommen, „Nachwuchs gibt es keinen“, sagt der 82-Jährige. Aber nach wie vor gibt es regelmäßige Treffen auf Burg Waldeck (Hunsrück).

„Ich fahre fast jedes Wochenende dorthin“, erzählt Eltze, „es kommen dann so etwa zehn Männer zusammen, es wird immer viel gesungen mit Gitarrenbegleitung.“ Warum aber gerade Burg Waldeck? Auf der Burgruine haben die Wandervögel sich seit 1920 quasi niedergelassen, haben Behausungen errichtet und Gärten angelegt. Und schließlich mit Eigeninitiative und Spendengeldern eine Jugendherberge gebaut.

In den Kriegsjahren mussten die Wandervögel, wie so viele Vereine und Verbände, erst einmal aussetzen, der Bund wurde verboten. Auch das traditionelle Silvestertreffen in der Nerother Höhle gab es 1933 vorerst zum letzten Mal. Erst 1950/51 erweckte Karl Oelbermann die Nerother Wandervögel erneut zum Leben und damit auch die Treffen in der Höhle am jeweils letzten Tag des Jahres.

1956 wurde auch in Gerolstein ein Fähnlein, wie man die Gruppen jeweils nennt, gegründet. Mit dabei Hans Eltze: „Von damals zehn bis zwölf Jungen sind heute noch drei am Leben. Einer wohnt aber nicht mehr hier.“

Sinn und Zweck der Vereinigung waren einzig und allein das Singen, Wandern, Reisen und die Geselligkeit. Die Mitglieder kamen aus allen Berufssparten, „und politisch und konfessionell waren wir immer neutral“, betont Eltze. Neben Wanderzielen in Deutschland gab und gibt es immer noch Fahrten in die große weite Welt.

Schon vor dem Krieg wurde Indien bereist. 1961 haben die Herren, einer davon, bekannt als „Manes“ aus Gerolstein, 19 Monate lang Südamerika erkundet. In den 1970er Jahren ging es in Eigenregie mehrmals von Deutschland aus mit jeweils etwa zehn Leuten quer durch Afrika. Die Wagen waren expeditionsmäßig ausgerüstet. Man habe die lybische Wüste durchquert, sei auch schon mal „schwarz“ über die Grenzen der arabischen Länder bis zum Nil gereist, erzählt Eltze. Nach jedem Abenteuer sind die Wagen dann in Kapstadt verschifft worden und mit dem Flugzeug ging es nach Hause. 2014 war Hans Eltze mit seinen Wandervögel-Freunden wieder in Afrika, im Tschad, bisher die letzte Reise.

 Die Nerother Wandervögel 1961 auf Südamerika-Tour.
Die Nerother Wandervögel 1961 auf Südamerika-Tour. Foto: Lydia Vasiliou

Jetzt reizt den rüstigen 82-Jährigen – sein Alter sieht man ihm nicht an – noch die Westroute Afrikas. „Da möchten wir noch hin“, sagt er. In Namibia wohnt nämlich auch ein Wandervogel aus Gerolstein, den werde man dann besuchen. Außerdem hat „uns neben dem europäischen Kontinent Afrika am meisten fasziniert“, sagt Eltze.