Kommunalpolitik Die neue Stadtspitze ist komplett

Gerolstein · Stadtrat Gerolstein wählt Irmgard Dunkel, Herbert Lames und Gerlinde Blaumeiser zu Beigeordneten. Es gab eine Kampfkandidatur.

 Das ist die neue Stadtspitze von Gerolstein (von links): Stadtbürgermeister Uwe Schneider (SPD) und die Beigeordneten eins bis drei, Irmgard Dunkel (CDU), Herbert Lames (SPD), Gerlinde Blaumeiser (UWG Kylltal).

Das ist die neue Stadtspitze von Gerolstein (von links): Stadtbürgermeister Uwe Schneider (SPD) und die Beigeordneten eins bis drei, Irmgard Dunkel (CDU), Herbert Lames (SPD), Gerlinde Blaumeiser (UWG Kylltal).

Foto: TV/Mario Hübner

Uwe Schneider (SPD) ist der neue Stadtbürgermeister von Gerolstein. In der konstituierenden Sitzung des neuen Stadtrates hat Amtsvorgänger Friedhelm Bongartz (CDU) im Beisein von Rathauschef Hans Peter Böffgen den neuen Amtsinhaber ernannt, vereidigt und ins Amt eingeführt.

Bongartz dankte seinen Beigeordneten, dem alten Stadtrat, den Ortsvorstehern sowie den Mitarbeitern der Verwaltung, er verkündete „meinen Rückzug von allen Ämtern und Positionen“, und fügte – mit leichtem Gram - hinzu: „Ich finde es undankbar, wenn Leute ab 65 zum alten Eisen gezählt werden. Und die ganzen frechen Vorwürfe mir gegenüber. Ich bin 80, fühle mich aber noch jung. Ich wünsche, dass älteren Menschen Achtung und Respekt entgegengebracht wird. Sie haben große Erfahrung und enormes Fachwissen.“ Amtsinhaber Bongartz hatte die Stadtbürgermeister-Stichwahl gegen Schneider mit 35 zu 65 Prozent verloren.

 Friedhelm Bongartz (CDU/links) ernennt und vereidigt im Beisein von Rathauschef Hans Peter Böffgen den neuen Stadtbürgermeister von Gerolstein: Uwe Schneider (SPD/rechts).

Friedhelm Bongartz (CDU/links) ernennt und vereidigt im Beisein von Rathauschef Hans Peter Böffgen den neuen Stadtbürgermeister von Gerolstein: Uwe Schneider (SPD/rechts).

Foto: TV/Mario Hübner

Bevor er sich verabschiedete, nahm er ein Präsent und Dankesworte entgegen und mahnte und appellierte: „Der Stadtbürgermeister hat in der Stadt das Sagen und nicht der Verbandsgemeinde-Bürgermeister! Und ihr, liebe Stadträte, müsst darauf aufpassen!“ Sagte es, lud mit seinem Nachfolger noch zu Imbiss und Umtrunk nach der Sitzung ein – und zog sich zurück.

Der neue Vorsitzende Uwe Schneider sagte zu Bongartz: „Du kannst auf eine erfolgreiche Amtszeit zurückblicken, in der mehrere wichtige Projekte wie der Kyllpark, das Hotel Caluna und das Projekt Drahtfabrik realisiert und weitere wichtige Dinge auf den Weg gebracht wurden. Ich wünsche dir und deiner Frau robuste Gesundheit und weitere schöne Jahre in unserer Stadt Gerolstein.“

Schneider nahm am Kopfende des Sitzungssaals Platz, zog seine – natürlich rote – Arbeitsmappe aus der Tasche und legte sie vor sich auf dem Tisch. Der nächste Höhepunkt des Abends stand an: die Wahl der drei ehrenamtlichen Beigeordneten. Und die leitete Schneider so ein: „In den Vorgesprächen habe ich bereits allen gegenüber meinen Wunsch geäußert, dass der Wählerwille berücksichtigt werden soll: also den ersten für die CDU, den zweiten für die SPD und den dritten Beigeordneten für die UWG.“

Und so kam es letztlich auch. Aber dann doch nicht ganz so reibungslos wie zunächst erwartet. Denn die Grünen waren mit dem Kandidaten Vorschlag der CDU, die Irmgard Dunkel nominiert hatte, nicht einverstanden. Grünen-Fraktionsvorsitzender Tim Steen argumentierte: „Die Kandidatin war viele Jahre selbst in der Verwaltung tätig. Da fällt es uns schwer zu glauben, dass sie bereit ist, gegenüber ihren alten Kollegen Tacheles zu reden und die Interessen der Stadt durchzusetzen.“ Doch angesichts der Tatsache, so Steen, dass gerade „die Bauabteilung bei der Umsetzung von Projekten in der Vergangenheit große Probleme hatte, ist das nötig“. Daher kündigte er, der bekanntermaßen keine Angst vor einem offenen und deutlichen Wort hat, an: „Ich kandidiere ebenfalls!“ Das war aber nicht von Erfolg gekrönt: Irmgard Dunkel setzte sich mit 18 zu fünf Stimmen gegen Steen durch. Auf den Plätzen zwei und drei wurden ohne Gegenkandidaten die Amtsinhaber bestätigt: Herbert Lames (SPD) wurde mit 17 zu vier Stimmen bei zwei Enthaltungen zum Zweiten Beigeordneten gewählt, Gerlinde Blaumeiser 8UWG) mit 22 zu eins Stimmen zur Dritten Beigeordneten.

Stadtbürgermeister Schneider sagte daraufhin: „Nachdem der Kapitän bereits gewählt und ernannt ist, sind nun auch die Offiziere der Brücke des Kreuzfahrtschiffes Gerolstein gewählt. Nun liegt es an uns, gemeinsam mit der Crew, dem Stadtrat, das Schiff sicher von Hafen zu Hafen zu bringen –also von Projekt zu Projekt. Das klappt nur, wenn wir alle gut zusammenarbeiten. Lasst uns loslegen!“ Spontane Reaktion von Grünen-Sprecher Tim Steen: „Na ja. Ich bin lieber mit der Rikscha, als mit einem Kreuzfahrtschiff unterwegs.“ Schmunzeln im Saal. Und Kapitän Schneider musste in seiner ersten Sitzung bereits eine leichte Kurskorrektur vornehmen: Sein Vorschlag, in den Bauausschuss nicht nur Stadtratsmitglieder, sondern auch „Bürger mit Fachwissen“ zuzulassen, scheiterte. CDU und UWG stimmten aus dem Grund dagegen, „weil wir uns erst innerhalb unserer neuen Fraktion, bei der sieben der neun Mitglieder neu sind, finden müssen“, erklärte der neue Fraktionsvorsitzende Gotthard Lenzen. Die Abstimmung endete im Patt: mit zwölf zu zwölf. Schneider hätte eine Mehrheit für seinen Antrag gebraucht.

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