"Die rennen wie wahnsinnig"

WALSDORF. Auf der B 421 in Walsdorf wird – wie unlängst eine Tempomessung bestätigt hat – gerast. Der Ortsbürgermeister des kinderreichen Dorfs sowie die Eltern fordern daher rasche Abhilfe.

Die Vermutung war schon lange da, nun ist es amtlich, weil nachgewiesen und dokumentiert: Auf der viel befahrenen Ortsdurchfahrt der B 421 in Walsdorf, der Kölner Straße, wird gerast. Eine unlängst von der Ortsgemeinde in Auftrag gegebene Tempomessung über drei Tage hat ergeben: Nur die wenigsten Verkehrsteilnehmer halten sich auf der knapp einen Kilometer langen Durchfahrt der Bundesstraße durch den rund 800 Einwohner zählenden Ort an das vorgeschriebene Tempo 50 - nämlich gerade einmal 9,2 Prozent. Etwa ein Viertel (23,4 Prozent) der registrierten Autos und Lastwagen fährt zwischen 50 und 60 Stundenkilometern schnell, aber gut zwei Drittel (67 Prozent) fahren schneller durchs Dorf - darunter auch zahlreiche LKW. 11,3 Prozent rasen gar mit 80 und noch schneller durchs Dorf. Das bringt die Eltern, die sich nun in ihrer jahrelangen Vermutung bestätigt wissen sowie allen voran Ortsbürgermeister Horst Kolitsch auf die Palme. Er sagt: "Das ist beängstigend, da muss was passieren." Und Kolitsch ist bereits tätig geworden: Er hat sich fachkundigen Rat eingeholt und die Auswertung der Tempomessung an die Polizei in Daun sowie den Landesbetrieb Straßen und Verkehr (LSV) in Gerolstein geschickt und schriftlich gefordert, dass umgehend "geeignete Maßnahmen" ergriffen werden, um die Verkehrssicherheit in Walsdorf und Zilsdorf wieder zu gewährleisten. "Denn in Zilsdorf herrscht das gleiche Problem", sagt Kolitsch. Wenngleich die Betroffenen sich zwei Zebrastreifen in Walsdorf wünschen, sind bewusst keine konkreten Vorschläge in dem Schreiben unterbreitet worden, "denn die wären uns bestimmt wieder mit Verweis auf irgendwelche Bedingungen, die dafür erfüllt werden müssten, ruck-zuck abgelehnt worden. So aber sind die nun in der Pflicht", sagt der Ortsbürgermeister und fügt hinzu, dass Zahlen für ihn nicht maßgeblich seien, "denn wenn eines der Kinder einmal überfahren wird, ist das genau eines zu viel." Bislang sei glücklicherweise noch nichts passiert. Kinder (bis 14 Jahren) gibt es viele in der Doppelgemeinde: In Walsdorf sind es 157 (!) der 787 Einwohner, in Zilsdorf 21 von 183 Einwohnern. Und da es weder Kindergarten noch Schule im Ort gibt, müssen diese jeden Tag mit dem Bus fahren und dafür erst einmal zu einer der beiden Bushaltestellen im Ort gehen: am Ortseingang aus Richtung Hillesheim sowie in der Ortsmitte am Gemeindehaus. Und dafür auch die viel befahrene Bundesstraße überqueren. Die Eltern sind angesichts der Raserei seit langem besorgt und fühlen sich nun durch die Ergebnisse der Messung bestätigt. Beispielsweise die gebürtige Walsdorferin Carmen Blum, deren sechsjähriger Sohn Tim nun eingeschult wurde. Sie sagt: "Ich mache das schon lange mit, es wird aber immer schlimmer mit dem Verkehr und der Raserei. Vor allem die LKW rennen wie wahnsinnig." Gemeinsam mit anderen Müttern wechselt sie sich ab und begleitet die Kinder täglich auf dem Weg zum Bushäuschen. Und obwohl das auf der gleichen Seite liegt wie das Neubaugebiet, in dem sie wohnen, geht eine der Erwachsenen morgens stets mit zur Haltestelle. "Denn zum Einen sind die Kinder oft wild, es sind halt Kinder, zum Anderen fahren die LKW da so schnell lang, dass rasch mal eines der Kinder vom Sog erfasst werden könnte." Mittags, wenn die Kinder auf dem Nachhauseweg die Bundesstraße überqueren müssen, "sei es gar kein Thema, da holen wir sie selbstverständlich ab". Sabine Jardin, die zwei schulpflichtige Kinder hat, pflichtet ihr bei: "Wir lassen doch unsere Kinder hier nicht alleine über die Straße gehen. Das ist viel zu gefährlich." Denn es komme auch schon mal vor, berichtet der Ortsbürgermeister, dass Autofahrer nicht hinter dem haltenden Schulbus warten, sondern links um die Verkehrsinsel herum überholen würden. Kolitsch: "So was ist hier in Walsdorf keine Seltenheit."