Die Sammelwut des Pensionärs

Die Sammelwut des Pensionärs

Erwin Wirz hat vor zehn Jahren gemeinsam mit dem Kerpener Museumsverein das Hotel Burghof in Kerpen erstanden. Dort sollte ein Museum entstehen, das Fossilien, Literatur von Alfred Andersch und Bilder vom Eifelmaler Fritz von Wille zeigt. Die Ausstellungsstücke sind vorhanden; ein Museum gibt es bis heute nicht, weil das Geld fehlt.

Regale, vollgestopft mit Büchern, Gesteinsbrocken, ein Doppelbett, leere Nahrungsmittelverpackungen — vom Eierkarton über den leeren Griesbreibecher bis hin zu Milchbechern, die sich bis unter die Decke stapeln — so sieht beinahe jedes Zimmer aus im einstigen Hotel Burghof in Kerpen.

Menschen ganz nah



Das erinnert stark an einen Menschen, der keine Ordnung halten kann. Doch was nicht passt, sind die vielen Bücher. Erwin Wirz will aus dem vollgestopften Haus ein Museum machen. Daher hat er bereits 1971, als er in Heidelberg studierte, den Kerpener Museumsverein gegründet. Freunde, Mitstudenten, Professoren, sein Bruder Otto und Bekannte wurden Mitglieder. Sie spenden Geld, informieren den Sammler über Neuzugänge und helfen gelegentlich beim Aufräumen im ehemaligen Hotel.

Die Sammelwut des Wissenschaftlers wurde bereits in seinen Kindertagen durch dessen Vater angeregt. Noch heute erinnert sich Wirz mit Stolz daran, wie er als Junge - damals war er so klein, dass er nicht einmal auf die Tischplatte blicken konnte - aus seinen Hosentaschen dem Vater selbst gesammelte Steine reichte. Für das Kindergartenkind gab es kein schöneres Kompliment als die wohlwollenden Laute des Vaters, wenn er über die Funde des Sohnes staunte.

Als etwa Elfjähriger traf sich Wirz mit den Söhnen von Alfred Andersch. Der Schriftsteller lebte um 1950 in der Kerpener Burg. Hier sah Wirz, wie viele Bücher ein Mensch besitzen kann und war augenblicklich fasziniert. Mit 19 Jahren besaß er bereits eine 1000-bändige Bibliothek. Heute sammelt der Rentner nicht nur Bücher, sondern auch Zeitungen, Steine, Scherben, Fossilien und Verpackungen von Nahrungsmitteln.

Mit den verschiedenen Milchbechern, wie mit den übrigen Verpackungen, will er dokumentieren, wie sie sich im Laufe der Zeit ändern. Das gilt auch für seine Forschung mit den römischen und griechischen Lampen. Die Menschen benutzten die Lampen aus Ton zwischen 70 und 100 nach Christus.

Wirz hat sie genau erforscht, hauptsächlich in den Siebzigern. Damals arbeitete er als Archäologe für die Freie Universität Berlin.

Mehrere hundert Scherben hat er auf Inhaltsstoffe analysiert. Darüber möchte er einen Atlas herausbringen. Das Nachschlagewerk soll einen Überblick über Fundorte, Aussehen und die Materialzusammensetzungen geben. Das ist ein Projekt, das er noch zu Lebzeiten schaffen kann.

In Bezug auf das Museum denkt der 73-Jährige anders. "Solange ich Ordnung halten kann, bedrückt mich das nicht." Außerdem hat er eine Vision, die ihn stark macht. Eines Tages wird in Kerpen ein außergewöhnliches Museum seine Türen öffnen.

Die Hauptgebiete werden Geologie, Paläontologie, Verpackungsdesign und Literatur sein. Mehrere Bücher vom berühmten Priester Goffiné, der um 1690 unter anderem ein Erbauungsbuch für angehende Mönche in einer Niederlassung des Kloster Steinfelds in Niederehe schrieb, werden dann neben Literatur von Alfred Andersch stehen.

Auch Briefe von Andersch und vom Eifelmaler Fritz von Wille möchte Wirz ausstellen. Daneben befinden sich die Feld- und Atelierstaffelei, sowie einige Farbpaletten in seinem Besitz.

Ein solches Museum könne, sagt Wirz, nur in Kerpen authentisch sein, da viele Ausstellungsstücke eng mit dem Ort verbunden seien. Doch noch gibt es kein Museum in Kerpen, weil das Geld fehlt und viele Abläufe mit den Behörden sehr mühsam sind, erklärt er.

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