1. Region
  2. Vulkaneifel

Die schlechteste Straße in Gerolstein

Die schlechteste Straße in Gerolstein

Die Straße Am Rasbach in der gleichnamigen Wohnsiedlung in Gerolstein ist seit Jahren in einem katastrophal schlechtem Zustand. Die Stadt fühlt sich für den Ausbau nicht verantwortlich, weil es sich um eine Privatstraße handelt. Und die Eigentümergesellschaft reagiert auf Forderungen, die Straße endlich zu sanieren, seit Jahren nicht. Nun aber könnte Bewegung in die Sache kommen.

Gerolstein. Wer von der Lissinger Straße in Gerolstein stadtauswärts in Richtung Lissingen fährt und nach rechts in die Straße Am Rasbach einbiegen will, muss sehr vorsichtig sein. Denn das eigene Fahrzeug wird dort extrem beansprucht. Für Fahrradfahrer, Eltern mit Kinderwagen und Fußgänger ist noch mehr Vorsicht angebracht.

Zustand: Hohe Buckel, Schlaglöcher, in denen man Blumen pflanzen könnte, Risse, sich herauslösender Schotter, mit Stolperfallen übersäte Gehwege und sich in Wohlgefallen auflösende Bordsteine und Rinnen. Das ist der Zustand der Straße Am Rasbach in der gleichnamigen Wohnsiedlung in Gerolstein - und zwar seit langer Zeit.

Zeuge: Der TV-Leser Godehard Lützeler kann davon ein Lied singen - und hat sich an den TV gewandt: "Seit Jahren führe ich schriftlich einen Kleinkrieg mit dem Stadtbürgermeister, dem VG-Bürgermeister und der Grundstücksgesellschaft Eifel UG (Eigentümer der Wohnsiedlung) bezüglich der Schlaglochpiste Am Rasbach. Trotz all meiner Schreiben hat sich an dem katastrophalen Zustand der Straße bis heute nichts, aber auch gar nichts geändert. Nun las ich im TV, dass Sie heiße Eisen anpacken und den Sachen auf den Grund gehen. Ich nehme Sie beim Wort!"

Zuständigkeit: In der Tat ist die Straße Am Rasbach der wohl schlechteste Verkehrsweg in Gerolstein. Aber genau das ist das Problem: in und nicht von Gerolstein. Denn es ist eine Privatstraße. Und deswegen fühlt sich die Stadt Gerolstein, die die Verkehrssicherheit aller ihrer Stadtstraßen und Gehwege zu gewährleisten hat, nicht verantwortlich.
Stadtbürgermeister Bernd May (parteilos) sagt: "Wir haben keine Handhabe, da es sich um eine Privatstraße handelt." Selbst wenn die Stadt die Straße sanieren wollte, sagt May, würde sie von der Kommunalaufsicht keine Genehmigung erhalten, da das nicht zu deren Aufgaben zähle. "Denn dann würden wir ein Fass aufmachen, und alle Eigentümer von Privatstraßen würden darauf pochen, dass wir auch ihre Straße ausbauen. Außerdem lässt unsere finanzielle Situation so was ohnehin nicht zu", sagt der Stadtbürgermeister.
Er habe daher die Eigentümergesellschaft in den vergangenen beiden Jahren "schon drei bis viermal angeschrieben, aber die hat noch nicht einmal reagiert", sagt May. Dabei mache die Stadt bereits mehr, als sie müsse, sagt May: "Wenn es akut wird, machen wir dort auch den Winterdienst mit."
TV-Leser Godehard Lützeler meint hingegen sehr wohl, dass neben der Eigentümergesellschaft auch die Stadt in der Pflicht sei. Schließlich benutzten nicht nur die Anwohner die Straße, sondern auch der gesamte Zulieferverkehr wie Müllabfuhr, Post, Wasserwerke, Telekom etc. die Straße. "Und die Stadtoberen sollten auch nicht vergessen, dass die meisten Anwohner der Wohnsiedlung Bürger der Stadt und Steuerzahler sind", sagt Lützeler.
Zukunft: Auf die Frage, ob an eine Rückübertragung der Straße an die Stadt zu denken sei, sagt der Stadtbürgermeister: "Darüber können wir reden, wenn die Straße in einem vernünftigen Zustand ist. So aber definitiv nicht." Er appelliert an die Anwohner, ihr Recht auf Ausbau der Straße bei der Eigentümergesellschaft durchzusetzen.
Liebe Leser: Leiden Sie unter der Untätigkeit von Behörden? Prangern Sie einen Missstand an? Fühlen Sie sich ungerecht behandelt? Wir gehen der Sache nach!
Schreiben Sie uns ihren "Fall" in wenigen Zeilen an
eifel-echo@volksfreund.deMeinung

Höchste Zeit
Die Straße Am Rasbach in Gerolstein ist eine Privatstraße. Daher ist auch klar, dass einzig und alleine der Eigentümer für die dortige Verkehrssicherheit und eben deren miserablen Zustand verantwortlich ist. Und Eigentümerin ist seit rund drei Jahren die Grundstücksgesellschaft Eifel UG. Einerseits kassieren (Mieten), andererseits aber nicht investieren (in die Straße, in die Gebäude) zeugt nicht von verantwortungsvollem Unternehmertum. Schon mehr von Profitgier. Will sich die Grundstücksgesellschaft nicht diesem Vorwurf aussetzen, ist es höchste Zeit, dass sie sich ihrer Verantwortung bewusst wird und die Straße ordentlich ausbaut. Danach sollte über eine Rückübertragung an die Stadt gedacht werden, damit solche Zustände nicht mehr vorkommen. m.huebner@volksfreund.deExtra

Die Wohnanlage war Eigentum des Bundes und gedacht für Bundeswehrangehörige. Nach dem Verkauf an eine Privatgesellschaft wurde kaum noch investiert. Es folgten Insolvenzen und Eigentumsübertragungen an andere Gesellschaften. Vor gut drei Jahren übernahm die Grundstücksgesellschaft Eifel UG mit Sitz in Düsseldorf die Anlage. Deren Mitarbeiterin Nadine Oyen, die nach eigenem Bekunden zuständig für den Bereich Eifel ist, lässt auf TV-Anfrage wissen: "Es ist auf jeden Fall geplant, die Straße auszubauen. Das ist auch nötig". Es seien einige Firmen angeschrieben worden, die sich die Straße auch bereits vor Ort angesehen hätten. Sie wollte aber nicht sagen, ob es nun konkret etwas mit dem Straßenausbau werde, und wenn ja, wann. Auf die Frage, weshalb nicht schon viel früher etwas passiert sei, meinte sie: "Wir haben bereits im vergangenen Jahr einige Firmen angefragt, aber es hat sich nur eine gemeldet. Und mit der wurde es letztlich nichts." Cornelius Meier, von der Eigentümergesellschaft eingesetzter Hausmeister der Wohnanlage Am Rasbach, will wissen, dass die Geschäftsführung für das Vorhaben "100 000 Euro für den Straßenausbau bereitstellt. Die Info habe ich bekommen", sagt er. Näheres wisse er aber auch nicht.