Die Schulen stehen an erster Stelle

Die Schulen stehen an erster Stelle

Der Bau einer Turnhalle für die Grund- und Realschule plus in Gerolstein auf Platz eins und dahinter die Sanierung und Erweiterung der Grundschule Waldstraße sowie die Sanierung des Rathauses: So sieht die Prioritätenliste für Investitionen der Verbandsgemeinde (VG) Gerolstein in den nächsten vier Jahren aus. Es wird - bei kompletter Umsetzung aller Maßnahmen - mit Kosten im zweistelligen Millionenbereich gerechnet.

Gerolstein. "Die Turnhalle für die Realschule plus steht klar auf Platz eins unserer Prioritätenliste. Sie ist eine weitere wichtige Investition in den Schulstandort Gerolstein - unserem Schwerpunktthema." Das sagt Matthias Pauly (CDU), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Gerolstein. Und das sieht auch der VG-Rat so, der der Aufforderung der Kommunalaufsicht nachgekommen ist und eine Prioritätenliste für die wichtigsten Investitionsvorhaben im Gerolsteiner Land in den nächsten Jahren aufgestellt hat. Auf der stehen hinter der Realschulturnhalle nur zwei weitere Bauvorhaben: die Sanierung und Erweiterung der Grundschule Waldstraße sowie die Sanierung des Rathauses in Gerolstein. Ziel ist es nach Ansicht des VG-Rats, den "Schul- und Verwaltungsstandort Verbandsgemeinde Gerolstein" zu stärken.
Die Vorhaben im Einzelnen:

Neubau einer Turnhalle für die Grund- und Realschule plus:
Das Vorhaben: Seit Jahren wird wegen Platznot an Grund- und Realschule plus in Gerolstein (485 Schüler, davon 75 Grundschüler) deutlich weniger Sport unterrichtet als im Lehrplan vorgesehen ist. Schulleiter Günter Mehles spricht aktuell von einer "Unterdeckung von 57 Sportstunden pro Woche". Zudem steige wegen der zunehmenden Zahl an Ganztagsschülern (ab kommendem Schuljahr knapp 120) der Bedarf nach weiteren Hallenzeiten, da viele Projekte des Ganztagsunterrichts in der Turnhalle stattfinden. Schulleitung, Elternvertreter, viele Schüler sowie die VG als Schulträger halten die bestehende Halle (elf auf 22 Meter) sowie den Gymnastiksaal (neun auf elf Meter) für zu klein und zu alt.
Die Kosten: Die VG setzt auf einen Neubau, hat aber wegen des bisherigen Vetos des Landes (das eine Sanierung der Halle sowie die Mitnutzung der Grundschulturnhalle in knapp 500 Metern Entfernung favorisiert) die Planung abgespeckt: Statt einer multifunktionalen Zwei-Feld-Halle mit Besuchertribüne und Thekenbereich soll nun es nun eine Zwei-Feld-Halle für rein sportliche Zwecke (Schul- und Vereinssport) tun. Die Kosten sollen so von knapp vier auf unter drei Millionen Euro gesenkt werden. Die Gespräche laufen.
Die Realisierung: Es wird darüber nachgedacht, das Vorhaben in öffentlich-privater Partnerschaft zu realisieren. Damit haben Stadt Gerolstein und Verwaltung beim Bau der Kita in der Raderstraße bislang gute Erfahrungen gemacht.
Der Zeitplan: Bis Juni soll geklärt werden, ob saniert oder neu gebaut wird und mit welchen Zuschüssen zu rechnen ist. Zudem wird bis dann untersucht, ob das vorgesehene Grundstück für den Neubau im Anschluss an den sanierten Westflügel geeignet ist. Probebohrungen haben ergeben, dass der Untergrund felsig ist.
Bis Ende 2013 soll zudem geklärt sein, ob konventionell gebaut wird oder im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft. Im ersten Quartal 2014 soll die Ausführungsplanung fertiggestellt sein und das Vorhaben ausgeschrieben werden. Baustart ist bis zum Sommer 2014 geplant. Mit der Fertigstellung wird bis Sommer 2015 gerechnet.
Sanierung und Erweiterung
der Grundschule Waldstraße:

Das Vorhaben: Die Grundschule Waldstraße in Gerolstein besuchen derzeit 330 Kinder, davon 120 Ganztagsschüler. Die seit Jahren steigende Nachfrage nach Ganztagsplätzen ist einerseits gut für die Schule, da sie somit keine Existenzängste plagen. Andererseits bringt der Zuwachs Probleme mit sich. So wurden bereits Klassenräume geopfert, um die Mensa zu erweitern. Und nun fehlen wegen der gleichbleibend hohen Anmeldezahlen eben Klassen.
Als "Übergangslösung" sollen laut Bürgermeister Matthias Pauly (CDU) Klassencontainer aufgestellt werden: einer zum kommenden Schuljahr, ein weiterer zum Schuljahr 2014/2015. Wie lange diese stehen bleiben, sei aber noch unklar, so Pauly. Zudem soll der Speisesaal zum Beginn des neuen Schuljahres erneut erweitert werden. Geschätzte Kosten: 60 000 Euro.
Die Realisierung: Die für dieses Jahr geplante Erweiterung der Schule für geschätzte 350 000 Euro wird zurückgestellt und soll laut Verwaltung nun in ein "umfassendes Sanierungs- und Erweiterungskonzept" eingebunden werden.
Die Kosten: Sind bislang nicht näher beziffert worden, dürften für Erweiterung und Sanierung aber weit über einer Million Euro liegen. Denn auch die Elektroheizung muss bis 2019 ausgetauscht werden.
Der Zeitplan: Bis Mitte dieses Jahres soll die Planung für die Erweiterung und Sanierung der Schule in Auftrag gegeben werden. Vorliegen soll sie bis Mitte 2014. 2015 bis 2017 soll die Schule in mehreren Bauabschnitten erweitert und saniert werden.

Sanierung des Rathauses
in Gerolstein:

Das Vorhaben: Das Rathaus in Gerolstein ist rund 35 Jahre alt. Zur Erhaltung der Bausubstanz, zur Einsparung von Heizenergie und zur Schaffung moderner Arbeitsplätze (weg von Ein- bis Zwei-Personen-Büros, hin zu Team-Arbeitsplätzen für vier bis sechs Mitarbeiter) sind Umbau und Sanierung des Rathauses aus Sicht der politisch Verantwortlichen wünschenswert.
Die Realisierung: Steht noch in den Sternen. Es soll in den nächsten Jahren gemacht werden, was unbedingt notwendig und finanziell möglich ist.
Die Kosten: Eine Vorplanung hat ergeben, dass Umbau und Modernisierung mit rund fünf Millionen Euro zu Buche schlagen würden. Im Etat für dieses Jahr sind 100 000 Euro Planungskosten sowie für 2014 und 2015 jeweils eine Million Euro Baukosten vorgesehen.
Der Zeitplan: "Wir wollen in diesem Jahr Klarheit haben, was zu tun ist, was wir tun wollen und können", sagt Bürgermeister Pauly.Meinung

Von allem nur das Nötigste
Es ist richtig, dass die Verbandsgemeinde Gerolstein das ihr zur Verfügung stehende Steuergeld (und neue Kredite) zuerst für ihre Schulen ausgeben will. Dennoch: Die millionenschwere Turnhallen-Lösung für die Realschule muss sich darauf beschränken, den Bedarf zu decken. Denn hier zu viel ausgegebenes Geld fehlt später bei der Grundschulsanierung in Gerolstein. Und die beiden Grundschulen in Neroth und Birresborn haben auch Ansprüche. Etwas Geld muss auch noch fürs Rathaus übrig sein, um zumindest die Bausubstanz zu erhalten - und sei es nur durch einen Schutzanstrich. Ansonsten wird es nämlich richtig teuer. m.huebner@volksfreund.deExtra

Das sagen die Fraktionen: Klaus Schildgen (CDU): "Die Schulinvestitionen stehen an vorderster Stelle. Trotzdem müssen wir auch am Rathaus tun, was zu tun ist, und nicht noch weitere zehn Jahre warten." Georg Linnerth (SPD): "Die aktuellen Sportmöglichkeiten an der Realschule plus sind nicht akzeptabel, deshalb ist diese Prioritätensetzung richtig. Wir sollten aber auch das Rathaus im Auge behalten und Schäden beseitigen, bevor die Bausubstanz angegriffen wird." FWG-Sprecher Klaus-Dieter Peters: "Die Reihenfolge der Prioritätenliste halten wir für richtig. Trotzdem ist es auch wichtig, die Bausubstanz des Rathauses zu erhalten." Norbert Worm (Bündnis 90/Die Grünen): "Wir sind für eine neue Turnhalle und gegen eine Sanierung der bestehenden. Und in Sachen Rathaus müssen wir endlich in den nächsten ein, zwei Jahren mit den ersten Arbeiten zur Substanzerhaltung beginnen, sonst bleibt irgendwann nur noch die Abrissbirne." mh

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