Die Suche nach Hausärzten in der Vulkaneifel geht weiter

Kostenpflichtiger Inhalt: Gesundheitsversorgung : Prämie zieht nicht: Die Suche nach neuem Hausarzt in der Vulkaneifel geht weiter

Trotz finanziellem Anreiz hat sich niemand gefunden, die Praxis des verstorbenen Hausarztes Johannes Reineke zu übernehmen. Ärzte aus dem Kreis wollen sich regelmäßig treffen.

Die Zukunft der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum macht vielen Sorgen. Kleinere Krankenhäuser und Notarzt-Standorte stehen auf der Kippe, Hausarztsitze sind schon schon heute unbesetzt – Tendenz steigend, denn bis Ende 2023 geht der Großteil der rheinland-pfälzischen Hausärzte in Rente, insgesamt 1538.

Für die Kreise in der Region bedeutet das: In Bernkastel-Wittlich fallen 47 weg, im Eifelkreis Bitburg-Prüm 24, in Trier-Saarburg 41 und in der Vulkaneifel 28, in der Stadt Trier sind es 33. Aber nicht vorhersehbare Veränderungen können solche Prognosen schnell über den Haufen werfen. So geschehen in Daun im vergangenen Jahr mit dem plötzlichen Tod des Hausarztes Johannes Reineke. Zudem verlegte eine Hausärztin ihren Praxissitz von der Kreisstadt nach Wittlich. Reinekes Praxis wurde zum 1. Oktober geschlossen, weil sich niemand fand, der sie übernehmen wollte.

Und daran hat sich durch die Auslobung einer 100 000-Euro-Prämie als Unterstützung für eine Übernahme nichts geändert. Die Verbandsgemeinde (VG) Daun war den Weg vieler Kommunen gegangen, mit Geld jemand anzulocken, der eine Praxis weiterführt. 40 000 Euro stellt die VG zur Verfügung, hinzu sollten bis zu 60 000 Euro von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz kommen. „Mit dieser Summe soll das unternehmerische Risiko eines selbstständigen Mediziners nach der Praxisübernahme abgefedert werden“, erklärt VG-Pressesprecherin Doris Sicken. Das Angebot war mit der Auflage verknüpft, dass sich ein Allgemeinmediziner dazu verpflichten würde, nach Erhalt des Zuschusses mindestens für die Dauer von fünf Jahren in der VG zu praktizieren. Wie war die Resonanz auf die Prämie? „Es hat einen Interessenten gegeben, der sich zwischenzeitlich aber anders orientiert hat. Ein anderer hat den Anforderungen nicht entsprochen.“

Hat sich bis dato schon niemand gefunden, dürfte die Suche nicht leichter werden, denn die Prämie, die die KV beisteuern will, ist mittlerweile deutlich niedriger. Sie beläuft sich nach Angaben von Doris Sicken nun auf 39 000 Euro.

Das Angebot steht noch auf der KV-Internetseite unter der Rubrik „Ort sucht Arzt“. Neben Daun sind dort Jünkerath (VG Gerolstein), Kelberg und Uersfeld (VG Kelberg) aufgeführt.

Mit der der aktuellen Situation der Patientenversorgung befasst sich auch der Ärztliche Qualitätszirkel Vulkaneifel, der von Haus-, Fach- und Krankenhausärzten aus der Taufe gehoben worden ist. Initiator ist Alois Pitzen, der mit seiner Frau und seiner Schwester eine hausärztliche Praxis in Daun betreibt. Er beschreibt die aktuellen medizinische Versorgung im Kreis so: „Die Vulkaneifel steht kurz davor, Krisengebiet zu werden. Viele Hausärzte werden aufhören, und deren Arbeit werden deutlich weniger Mediziner übernehmen müssen“, sagt der 52-Jährige.

Der Qualitätszirkel befasst sich auch mit immer neuen Reglementierungen. So wurde beim Gründungstreffen über zunehmende Einschränkungen für stationäre Einweisungen ins Krankenhaus berichtet. Demnach sollen etwa Leistenbrüche nicht mehr stationär behandelt werden, auch soll trotz Versorgungs- und Betreuungsbedarf schneller entlassen werden.

„Dass ein Patient erst dann aus dem Krankenhaus entlassen wird, wenn er wieder weitgehend gesund ist, trifft leider nicht mehr zu. Heute muss eine Entlassung bereits erfolgen, wenn keine Akutmaßnahmen mehr erforderlich sind, auch wenn noch intensiver Versorgungs- und Hilfsbedarf besteht („blutige Entlassung“)“, heißt es in einer Pressemitteilung des Ärztlichen Qualitätszirkel Vulkaneifel. Und weiter: „Damit wird ein Teil der Versorgung unserer Kranken mit noch intensivem Betreuungsbedarf in den ambulanten Bereich verlagert, der bereits jetzt ärztlich unterversorgt ist und die zusätzlichen Aufgaben nicht wird stemmen können. Leidtragende sind Patienten und Ärzte. Nur gemeinsam - unter Mithilfe der Bevölkerung (Wähler!!) - können wir Änderungen erwirken!“ Die Ärzte des Vulkaneifelkreises treffen sich künftig regelmäßig treffen und ermuntern die Bürger, sich zu melden, sollten sie Beeinträchtigungen in Gesundheitswesen vor Ort feststellen.

Kontakt: Ärztlicher Qualitätszirkel Vulkaneifel, c/o Freiherr-vom-Stein-Straße 1, 54550 Daun.