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Die Täter kommen immer häufiger tagsüber

Die Täter kommen immer häufiger tagsüber

Immer mehr Menschen kaufen im Internet ein - und immer mehr Menschen werden deshalb auch Opfer von Internetbetrügern. Das geht aus der Bilanz der Polizeiinspektion Daun fürs vergangene Jahr hervor. Die Polizei warnt aber auch vor "klassischen" Verbrechen: So sind in der Vulkaneifel Einbrecherbanden unterwegs, tagsüber Wohnungen ausrauben.

Daun/Gerolstein. In der Vulkaneifel herrschen Mord und Totschlag. Brave Ehefrauen erschießen ihre Angetrauten, geldgierige Erben meucheln reiche Großtanten, und hinter den Straßenecken von Daun, Hillesheim und Gerolstein warten arglistige Messerstecher. Dieses Bild suggerieren zumindest die berühmten Eifelkrimis.
Die Realität ist jedoch weit weniger blutrünstig: Kein Tötungsdelikt gab es im vergangenen Jahr im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion (PI) Daun.
Körperverletzung, Rauschgiftdelikte und Betrugsdelikte - besonders über das Internet - machen den 62 Beamten und Angestellten der Inspektion und der Wache in Gerolstein weit mehr zu schaffen.
2462 Straftaten registrierte die PI im Jahr 2012. 36 mehr als im Vorjahr, ein Plus von 1,5 Prozent. 64,4 Prozent all dieser Fälle konnten die Polizisten aufklären. Ein Wert, der leicht unter dem Durchschnitt des Polizeipräsidiums Trier von 65,2 Prozent liegt.
Erstmals seit einigen Jahren gibt es wieder mehr gemeldete Straftaten als im Vorjahr, zeigt die Kurve also nach oben. Alfred Haas, Hauptkommissar und Leiter der PI, macht dafür vor allem eine bestimmte Ganovenbranche verantwortlich: den Betrug über das Internet.

Internetkriminalität: "Internet und elektronische Datenträger werden immer mehr als Tatmittel benutzt", sagt Haas im Gespräch mit dem TV. Bei den Vermögens- und Fälschungsdelikten - dazu gehören die Internetdelikte - gab es ein Anstieg um 52 auf insgesamt 463 Fälle, das sind 12,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Netz wird vor allem bei Privatverkäufen betrogen. "Und da immer mehr Einkäufe im Internet getätigt werden, steigt hier auch die Zahl der Betrugsfälle", sagt Haas. Zudem würden Kriminelle das Netz immer mehr nutzen, um sich Bankdaten, Kennwörter oder persönliche Informationen von unbescholtenen Bürgern zu besorgen.
Drei Viertel der angezeigten Betrugsdelikte, ob "klassisch" oder über das Internet, konnten die Dauner Polizisten 2012 aufklären.

Steigende Gewaltbereitschaft: Sorgen macht Alfred Haas die steigende Gewaltbereitschaft in seinem Zuständigkeitsbereich. Die Anzahl der sogenannten Rohheitsdelikte hat sich erhöht - um 11 Fälle auf insgesamt 402. "In den meisten Fällen ging Alkoholmissbrauch den Taten voraus", sagt Haas. Oft handele es sich immer um dieselben Täter, die nicht aus einer Spirale von Alkoholsucht und Perspektivlosigkeit herauskommen zu scheinen. Die Aufklärungsquote: 92,8 Prozent.
Besorgniserregend ist laut Haas auch der Anteil der jugendlichen Täter an den Körperverletzungen. Die hätten noch immer zu leichten Zugang zu Alkohol. Mit gezielten Präventionsmaßnahmen und Aufklärungsarbeit will die Polizei versuchen, dem Trend Einhalt zu gebieten.
Was die Prävention angeht, scheint die Polizei jedoch auf einen Sparkurs eingeschwenkt zu sein: Ende 2012 strich die Polizeidirektion Wittlich, die für Daun zuständig ist, die Stelle ihres Jugendbeauftragen Hubert Lenz. Der Hauptkommissar hat 16 Jahre lang in den Schulen der Eifel Jugendliche über Gewalt und Drogen aufgeklärt.
Der Anteil der Straftäter unter 21 Jahren liegt übrigens bei 19,6 Prozent.

Diebstähle: Die Zahl der angezeigten Diebstähle ist um 28 auf 434 Fälle gesunken, die der Einbrüche jedoch leicht von 279 auf 289 gestiegen. Bemerkenswert ist, dass viele Einbrüche während des Tages stattfinden. 14 Mal sind Diebe im vergangenen Jahr zur Tageszeit - das ist zwischen 6 und 21 Uhr - in Wohnungen eingestiegen. "Das sind Profis", sagt Haas. Besonders in der dunklen Jahreszeit würden die Einbrecher zuschlagen. "Sie sind so gewieft, dass sie fast keine Spuren hinterlassen." Oft würden sogar die Bewohner nicht merken, dass bei ihnen eingebrochen wurde. Über DNA-Spuren ist die Polizei im vergangenen Jahr auf die Spur eines Täterrings gekommen, der von Belgien und Frankreich aus operierte. Haas warnt in diesem Zusammenhang vor Kriminellen, die von Haus zu Haus gingen und unter einem Vorwand klingelten. "Sie erkunden, ob jemand da ist." Man sollte verdächtig erscheinende Personen keinesfalls in die Wohnung lassen.
Die Opfer sollten sich keine großen Hoffnungen machen, dass sie ihre Wertgegenstände eines Tages wiedersehen: Die Aufklärungsquote bei den Tageseinbrüchen liegt bei 21,4 Prozent.Extra

Die Polizeiinspektion Daun gehört zur Polizeidirektion Wittlich, die wiederum dem Polizeipräsidium Trier untergeordnet ist. Die 62 Beamten und Angestellten verteilen sich auf die Inspektion in Daun und eine Wache in Gerolstein. Die Polizisten sind für die Verbandsgemeinden Daun, Gerolstein, Hillesheim und Kelberg zuständig, die ebenfalls zum Kreis Vulkaneifel gehörende Verbandsgemeinde Obere Kyll wird von der Polizei Prüm betreut. Insgesamt leben 58 200 Menschen im Zuständigkeitsbereich der PI Daun. Das Gebiet ist 734 Quadratkilometer groß. sen